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GDC: Abo-Modelle für die Engines von Crytek und Epic Games

Am dritten Tag der Game Developers Conference 2014 sorgten Epic Games und Crytek für Aufsehen: Epics Unreal Engine und die CryEngine gibt es ab sofort im Abo zu günstigen Lizenzbedingungen.

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Erst nach etlichen Worten sowie einer Demo der Unreal Engine 4 ließ Epic-Games-CEO Tim Sweeney die Katze aus dem Sack: Ab sofort ist die Unreal Engine 4 im Abo für 19 US-Dollar im Monat zu haben – komplett mit allen Tools und auf Wunsch sogar mit dem in C++ verfassten Quellcode. Zwischen den Zeilen deutete Sweeney an, dass ein Hauptgrund für diesen drastischen Schritt die heutige Marktsituation ist: Statt eines Grafikwettrüstens setzen viele Entwicklungsstudios auf originelle Spielideen. Und greifen dabei vermehrt zur Unity-Engine, die bei so renommierten Projekten wie "Wasteland 2", "Pillars of Eternity" oder "Oddworld: New 'n' Tasty" zum Einsatz kommt.

Tim Sweeney kündigt auf der GDC ein Abo-Modell für die Unreal Engine an.

(Bild: heise online/Roland Austinat)

Designer von Spielen, die im Rahmen des Unreal-Engine-Abos entwickelt und kostenlos weitergeben werden, müssen dafür außer den Abo-Gebühren nichts bezahlen. Wer jedoch seine Werke verkauft oder sie frei verteilt, um dann mit Mikrotransaktionen oder In-Game-Werbung Geld zu verdienen, muss fünf Prozent der Bruttoeinnahmen an Epic Games abführen. Jedenfalls, wenn es sich für Spiele für die Plattformen PC, Mac, iOS und Android handelt: Wer für Xbox One und PlayStation 4 entwickelt, muss wie bisher mit Epic einen Lizenzdeal aushandeln. Schuld daran sind laut Sweeney proprietäre Komponenten in den jeweiligen Engine-Anpassungen, die Microsoft und Sony derzeit nicht in freier Wildbahn sehen wollen.

Foren, Fragen und Antworten auf einer dafür eingerichteten Webseite, Video-Tutorials und jede Menge Dokumentationen – all das steht den Abonnenten der Unreal Engine 4 ebenfalls zur Verfügung. An den Quellcode wagen sich vermutlich nur versierte Programmierer, die dann aber eigene Änderungen in die auf Github lagernde Codebase einbauen können, so eine Mitarbeiterin von Epic Games. Gleichzeitig bekommt jeder mit, wenn Epic selbst Änderungen am Programmcode vornimmt: "Es geht nicht mehr so geheimnisvoll wie in der Vergangenheit zu", erklärte Tim Sweeney auf der GDC.

Grafik-Engines zum Abonnieren (6 Bilder)

Oddworld: New 'n' Tasty

Der angekündigte Oddworld: New 'n' Tasty beruht auf der Unity Engine (Bild: oddworld.com)

Auch Crytek hat im Rahmen der GDC ein Abomodell angekündigt. Die hauseigene CryEngine soll ab Mai 2014 für eine Monatsgebühr von 9,90 US-Dollar beziehungsweise 9,90 Euro erhältlich sein. Zu weiteren Details schweigt sich die Verlautbarung aus, was darauf hindeuten könnte, dass Crytek von Epics Ankündigung komplett überrascht wurde. Sowohl Crytek als auch Epic Games liegen mit ihren Angeboten deutlich unter dem Preis von 75 US-Dollar, die Unity monatlich für die Pro-Variante der Unity Engine verlangt. Gute Zeiten für kleinere Entwickler, die jetzt bei der Programmierung ihrer Spiele mehr Auswahl haben. Und ein Zeichen dafür, dass die Hersteller monolithischer Grafik-Engines sich heute dringend neue Kundenkreise erschließen müssen. (vbr)