GDC: Android und Brew stemmen sich gegen die Flut der iPhone-Spiele

Mit höchst unterschiedlichen Strategien versuchen Google und Qualcomm ihren Klienten im Spielemarkt Nischen neben der iPhone-Dominanz zu sichern. Android-Advokaten betonen den größeren Leistungsumfang für Highend-Telefone, Brew MP zielt auf Geräte im unteren Leistungssegment.

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Von
  • Erich Bonnert

Googles Developer-Advokat Chris Pruett rührte auf der Game Developers Conference in San Francisco die Werbetrommel für die neue Version 2.0 des Smartphone-Betriebssystems Android. Um das System bei den Spieleentwicklern bekannter zu machen, schenkte der Suchmaschinenbetreiber den Vollpreis zahlenden Konferenzteilnehmern zur Begrüßung ein Android-Handy. Über 60.000 Android-Geräte würden täglich verkauft, sagte Pruett – musste aber einräumen, dass mehr als drei Viertel aller Android-Geräte nach wie vor auf den älteren Android-Versionen 1.5 und 1.6 laufen.

Glaubt man der Vorhersage von Maarten Noyons (IMGA) so werden das iPhone und Android die Symbian-Smartphones in den kommenden Jahren weiter zurückdrängen. Palm wird ganz von der Bildfläche verschwinden.

Als Modellfall für die clevere Nutzung der neuen Android-Features hat Pruett nun sein selbst entwickeltes Spiel "Replica Island ", komplett mit Quellcode, veröffentlicht. Google hebt insbesondere auf die beim iPhone fehlenden Flash-Fähigkeiten ab. Android filtert Geräte automatisch nach Display-Größe, Input-Hardware, SDK-Version und Open-GL-Version vor. Spieleentwickler können außer in Flash auch in Java, C und C++ programmieren. Tools für Debugging und Test seien im Android-SDK noch "etwas roh", gestand Pruett ein. Er versprach baldige Besserung, empfahl den Konferenzteilnehmern aber vorerst Eclipse als Entwicklungsumgebung.

Der Erfolg von iPhone und Android-Geräten hat Qualcomm zu einer grundlegenden Reform der Brew-Plattform veranlasst. Im Gegensatz zum bisherigen Laufzeitsystem Brew sind jetzt Client-Betriebssystem und erweiterbare APIs getrennt. Der gerätespezifische Teil nutze alle Hardware-Features effizient aus, sagte Qualcomm-Produktmanager Jason Kenagy. Brew MP bleibe dabei aber rückwärtskompatibel und erweiterbar auf neue Funktionen.

Dies ist wichtig für Qualcomm, denn der Funkchip-Hersteller hat eine Basis an verkauften Geräten von mehreren hundert Millionen Stück. Die meisten davon sind Handys mit bescheidener Prozessorleistung und kleinem, nicht aufrüstbarem Speicher. Die unterstützte Palette reicht zwar bis zu Snapdragon-Geräten im GHz-Bereicht, bei CPUs im Taktbereich von 300 bis 700 MHz siedelt Qualcomm-Manager Kenagy aber das Brot-und-Butter-Geschäft für Brew MP an. Displays mit QVGA-Auflösung sind hier die Regel. Diese Telefone kosten nur wenige Dutzend Euro und werden vom Provider in der Regel nicht subventioniert. Der sehr viel breitere Massenmarkt als etwa im iPhone-Geschäft habe Entwicklern weltweit Gesamtumsätze von 3 Milliarden Dollar eingebracht hat, rechnete Kenagy vor – dazu hätten auch viele Spieleentwicklungen beigetragen.

Dieses Segment ist inbesondere in China, Indien und Lateinamerika wichtig, aber auch die zwei größten US-Provider, AT&T und Verizon, unterstützen seit Kurzem Brew MP. Mehrere Dutzend neuer Geräte werden allein in den USA in den nächsten beiden Jahren erwartet.

Qualcomm betont vor allem die Unterstützung der Programmiersprachen Java, C/C++ und Lua sowie von Flash. Ein gemeinsames SDK für alle Plattformen soll Entwicklern die schrittweise Ausweitung ihres Angebots erleichtern. In den USA sind Handys mit einer Auswahl vorinstallierter, zertifizierter Anwendungen geplant. Für andere Märkte, wie etwa Indien, hat Qualcomm jedoch eine Reihe von Marktplatzsystemen eingerichtet, die unter dem jeweiligen Label des Provider betrieben werden. (hag)