GDC: Bewegungssteuerung mit Playstation Move

Sonys Bewegungssteuerung soll im Herbst unter dem Namen Move erscheinen. Die bunt leuchtenden Controller arbeiten genauer als die Wiimote, wie ein erster Hands-on-Test zeigte.

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Von
  • Hartmut Gieselmann

Anhand der Größe der Leuchtkugel errechnet eine Software die Entfernung zur Kamera zentimetergenau. Die Leuchtfarbe kann frei variiert werden.

Am Rande der Game Developers Conference in San Francisco hat Sony Computer Entertainment den Namen seiner im Herbst auf den Markt kommenden Bewegungssteuerung bekannt gegeben. Die bunt leuchtende Fernbedienung hört auf den Namen Playstation Move und verwandelt die Playstation 3 in eine HD-Version der Wii. Um eine genaue Ortung im Raum zu ermöglichen, hat Sony in die Move-Fernbedienung einen mit einem Gyroskop kombinierten Beschleunigungssensor eingebaut, der Bewegungen in alle Richtungen und Drehungen um alle Achsen erfasst. Die PS3-Eye-Kamera filmt die Fernbedienung, und eine Software errechnet anhand der Größe und der Position der Leuchtkugel ihre Lage und Entfernung im Raum. Zwar kann die Software die Position auf allen drei Achsen millimetergenau anzeigen, "in der Praxis arbeitet sie aber nur zentimetergenau", erklärte Move-Entwickler Richard Marks gegenüber heise online. Spieler könnten sich bis zu drei Meter von der Kamera entfernen.

Laut Sonys Testsoftware arbeitet der Move-Controller mit einer Verzögerung von 100 ms.

Marks hat das Grundkonzept bereits vor Jahren ersonnen und seitdem mit diversen Bewegungserkennungen experimentiert – auch mit so genannten Time-of-Flight-Kameras, die mit einem Infrarot-Sensor ein dreidimensionales Abbild der Umgebung erstellen und bei Microsofts Project Natal zum Einsatz kommen. "Aber eine 3D-Kamera arbeitet nicht so präzise und bietet nur beschränkte Steuerungsmöglichkeiten. Um auch Core-Spieler mit komplexeren Titeln zu erreichen, haben wir uns für diese Fernbedienungen entschieden," erklärte er Sonys Entscheidung.

Bei einem ersten Test konnten wir uns von der Präzision der Fernbedienung überzeugen. Neben einer größeren Taste für den Daumen und einem Trigger für den Zeigefinger hat Sony vier kleine Versionen seiner X-, O-, Quadrat- und Dreieckstaste untergebracht. Laut Sonys eigener Testsoftware arbeitet die Steuerung mit einer Verzögerung von 100 ms, was in der Größenordnung anderer Funkcontroller für Spielkonsolen liegt. Sport- und Action-Spiele wie auch Ego-Shooter lassen sich damit problemlos steuern. Wie auch die Sixaxis-Controller wird der interne Akku des Move-Controllers über ein USB-Kabel geladen.

Neben Casual-Spielen will Sony auch komplexere Spiele für Core-Spieler veröffentlichen.

Sony will Move mit einer breiten Auswahl an Spielen auf den Markt bringen. Die in San Francisco vorgestellten Titel findet man in ähnlicher Form jedoch auch auf der Wii. Mit dabei ist die Sportspielsammlung Sports Champions, die mit Bogenschießen, Golf, Bowling, Schwertkampf und Tischtennis an Nintendos Wii Sports Ressort erinnert. Mit "Move Party" wird auch eine Mini-Spielsammlung angeboten. Dazu kommen "TV Superstars" und ein Rail-Shooter mit dem originellen Namen "The Shoot".

Ebenso soll sich der Military-Shooter Socom 4 mit dem Move-Controller und einem zusätzlich erhältlichen kabellosen Subcontroller steuern lassen. Der Subcontroller entspricht weitgehend einer linken Hälfte des Standard-Sixaxis-Controllers und bringt einen Analogstick, ein digitales Steuerkreuz, O- und X-Taste sowie zwei Trigger (L1 und L2) mit. Allerdings hat der Subcontroller weder einen Bewegungssensor noch eine leuchtende Kugel. Für Bewegungsspiele, die den Einsatz beider Hände erfordern, wie das Straßenkampfspiel "Motion Fighters", muss der Spieler deshalb einen zweiten Move-Controller kaufen.

Sony will auch ältere Titel für Move nachrüsten. Auf der Präsentation wurde neben dem virtuellen Haustier Eyepet auch eine Fassung von Little Big Planet gezeigt, bei der ein zweiter Spieler mit dem Move-Controller Objekte anfasst, dreht und für einen zweiten Spieler aus dem Weg räumt, der den Sackboy mit einem Standard-Controller steuert.

Für das Kampfspiel "Motion Fighters" benötigt der Spieler einen zweiten Move-Controller.

Sony nannte weder genaue Preise noch Termine. Geplant sei unter anderem, den einzelnen Move-Controller mit der PS3-Webcam und einem Spiel für "unter 100 US-Dollar" im Herbst auf den Markt zu bringen. Wenn Spiele den Subcontroller oder einen zweiten Move-Controller benötigen, müssen sie einzeln dazugekauft werden, was sicherlich so manchen Kunden verwirren wird.

Laut Sony arbeiten alle großen Publisher an Titeln für Playstation Move – gezeigt wurde allerdings kein einziges Third-Party-Spiel. Wegen der Ähnlichkeit zum Wii-System wird so mancher Hersteller sicherlich seine Wii-Spiele auf die PS3 portieren wollen. Derlei Umsetzungen werden sich allerdings nur dann für die Hersteller lohnen, wenn genügend Spieler den Move-Controller und zusätzliche Sub- und Zweitcontroller kaufen. (hag)