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GE will 1700 Jobs in Deutschland streichen – Standorte vor dem Aus

Jeder siebte Beschäftigte von General Electric in Deutschland muss um seine Stelle bangen. Mehrere Standorte kommen auf den Prüfstand oder stehen ganz vor dem Aus. Die IG Metall kündigt Widerstand an.

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GE will 1700 Jobs in Deutschland streichen - Standorte vor dem Aus

Laut GE läuft das Geschäft mit Turbinen nicht mehr rund.

Nach der Milliarden-Übernahme der Energiesparte des französischen Konzerns Alstom plant General Electric (GE) in Deutschland einen erheblichen Stellenabbau. Die ehemaligen Alstom-Standorte Mannheim, Stuttgart, Bexbach im Saarland und Wiesbaden sollen verkleinert oder ganz geschlossen werden, wie ein GE-Sprecher am Mittwoch in Frankfurt am Main sagte. Rund 1700 Arbeitsplätze sind betroffen – mehr als jede siebte Stelle in Deutschland. Der Konzern beschäftigt bundesweit rund 11.000 Mitarbeiter an mehr als 50 Standorten. Beschäftigte und die IG Metall protestierten gegen die Pläne und kündigten Widerstand an.

GE wolle seine Geschäfte an das gegenwärtige Marktumfeld der europäischen Energieerzeugung anpassen, teilte das Unternehmen zur Begründung mit. Vor allem die Stromerzeugung mit Gas- und Dampfturbinen sei in den vergangenen Jahren signifikant zurückgegangen.

Am stärksten von der Umstrukturierung betroffen ist nach Angaben eines GE-Sprechers der Standort Mannheim: Dort soll die Turbinenfertigung geschlossen werden. Der Standort selbst bleibe aber erhalten, dort solle es auch in Zukunft die Bereiche Service und Verwaltung geben, sagte er. Wie viele Arbeitsplätze voraussichtlich wegfallen werden, konnte er nicht sagen. In Mannheim werden vor allem Dampfturbinen produziert, das Geschäft lief aber zuletzt wegen der Energiewende nur schleppend. Im vergangenen Herbst wurde in dem Werk Kurzarbeit eingeführt.

Nach Angaben der IG Metall müssen allein in Mannheim mehr als 1000 der rund 1800 Mitarbeiter um ihren Job bangen. Neben rund 500 Beschäftigten in der Fertigung beträfen die Sparpläne auch über 500 Mitarbeiter in Service und Verwaltung, sagte Gewerkschaftssekretär Benedikt Hummel. Am Mittwoch demonstrierten in der Mannheimer Innenstadt mehr als 1000 Menschen gegen den geplanten Stellenabbau.

Man werde sich mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln gegen die Pläne des Konzerns zur Wehr setzen – auch tarifpolitisch und juristisch, kündigte Hummel an. Die Arbeitnehmerseite habe ein Konzept entwickelt, wie das Mannheimer Werk besser ausgelastet werden könnte. Doch der Konzern weigere sich, darüber zu reden.

Vor der Schließung steht nach Angaben von General Electric auch der Fertigungsstandort Bexbach. Dort werden Turbinenschaufeln hergestellt. Laut IG Metall sind 170 Stellen in Gefahr. Zudem wird nach Angaben des GE-Sprechers der Standort Wiesbaden geschlossen. Die Mitarbeiter zögen nach Frankfurt am Main um.

In Stuttgart, wo Boiler für Dampfturbinen produziert werden, solle die Fertigung verkleinert werden, kündigte der GE-Sprecher an. Nach Angaben der Gewerkschaft IG Metall sollen dort 255 der 380 Arbeitsplätze gestrichen werden. "Die schlimmsten Befürchtungen wurden sogar noch übertroffen", sagte der Betriebsratsvorsitzende am Standort Stuttgart, Bruno Markel. Die IG Metall forderte den Konzern auf, die Pläne zurückzunehmen und in Gespräche mit der Arbeitnehmerseite zurückzukehren. "Wir werden Widerstand gegen die Abbaupläne leisten", kündigte der Geschäftsführer der IG Metall Stuttgart, Martin Röll, an.

Der französische Elektronikkonzern Alstom hatte im vergangenen Jahr seine Energiesparte an den US-Industriekonzern verkauft. Der deutsche Alstom-Konzernbetriebsrat hatte schon während der Verkaufsverhandlungen vor einem Stellenabbau gewarnt. Europaweit will GE nach eigenen Angaben 6500 Stellen streichen. Der Konzern hat in Europa rund 35.000 Mitarbeiter. (dpa) / (axk)

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