GEMA lizenziert Musikrechte für Hobby-Podcaster

Private Podcaster können künftig pauschale Lizenzen für den Einbau einzelner Songausschnitte in ihre Tonproduktionen für eine monatliche Gebühr zwischen fünf und 30 Euro netto erwerben.

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Von
  • Stefan Krempl

Private Podcaster können künftig bei der GEMA pauschale Lizenzen für den Einbau einzelner Songausschnitte in ihre Tonproduktionen für eine monatliche Gebühr zwischen fünf und 30 Euro netto erwerben. Drei entsprechende Varianten bietet die Verwertungsgesellschaft jetzt über ihren Online-Lizenzshop an. Das vorläufige Vergütungsmodell unterliegt allerdings einem vergleichsweise strengen Reglement: Es gilt für Hobbymoderatoren, die mit ihren Podcasts keinen Gewinn erzielen möchten und höchstens einmal täglich einen maximal 30-minütigen Audiobeitrag veröffentlichen. Die Musik darf laut GEMA ferner nur "eingeschränkt eingesetzt werden, damit keine ganzen Musikwerke oder beträchtliche Teile davon aus dem Podcast herausgeschnitten und als Musikdatei verwendet werden". Gestattet sein wird es mit der Lizenz also etwa, das Intro oder das Ende einer Eigenproduktion mit einem Song zu unterlegen.

Audio- und Video-Podcasting erfreut sich wachsender Beliebtheit im Internet, sodass seit kurzem auch Bundeskanzlerin Angela Merkel für die Verbreitung von Regierungsbotschaften auf dieses Medium zurückgreift. Viele der produzierten Audio- und Video-Dateien, die Nutzer meist kostenlos im Internet abrufen oder abbonieren können, enthalten auch eine musikalische Untermalung wie eine kurze Erkennungsmelodie oder Ausschnitte verschiedener Titel. Diese sind in den meisten Fällen urheberrechtlich geschützt und bei der GEMA lizenzpflichtig. Einzelheiten sowie eine Liste bereits lizenzierter nicht-kommerzieller Podcasts hält die Verwertungsgesellschaft auf einer eigenen Informationsseite bereit. Sie stellt überdies klar, dass gewerbliches Podcasting mit Musik weiterhin nur individuell für höhere Gebühren lizenziert werden kann.

Georg Schneider, Vorstand des ersten offiziellen Podcastclubs in Deutschland, hält das Einstiegsmodell für einen Schritt in die richtige Richtung: "Besonders froh sind wir, dass wir die GEMA überzeugen konnten, dass die lizenzierten Podcasts täglich erscheinen und auch im Archiv online stehen bleiben dürfen." Er verweist auch darauf, dass die Abrufzahlen der Beiträge vorläufig keine Rolle spielen sollen. Für seine Produktionsreihe Nachtfunk hat Schneider als erster User eine Lizenz erworben. Kritikwürdig erscheint ihm, dass die Musik noch nicht in gleicher Weise wie beim Webradio oder Radio verwertbar und ein komplettes Ausspielen nicht möglich ist. Sein Verein zeigt sich aber zuversichtlich, dass auch für solche Vorhaben Preismodelle von der GEMA geschaffen werden. Martin Bahr, Justiziar des podcastclub, gibt zudem zu bedenken, dass ein Podcaster auch beim Erwerb einer GEMA-Lizenz noch nicht ganz auf der sicheren Seite sei. Unklar sei noch, wie sich die Musiklabels selbst sowie Tonträgerherstellern und ihre Verbände auf das neue Phänomen rechtlich einstellen würden. Der podcastclub versuche auch hier eine Lösung mitzuentwickeln. (Stefan Krempl) / (jk)