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GI-Ethik-Prinzipien: Informatiker sollen Datenschutz und Diversität befördern

Die Gesellschaft für Informatik hat neue ethischen Leitlinien. Sie fordern Zivilcourage und Einsatz für die Menschenwürde – notfalls auch gegen Gesetze.

GI-Ethik-Prinzipien: Informatiker sollen Datenschutz und Diversität befördern

Informatiker sollen die Diversität der Menschen beachten.

(Bild: wocintech, "wocintech (microsoft) - 181", CC BY 2.0 )

Nach 14 Jahren hat die Gesellschaft für Informatik (GI) ihre ethischen Leitlinien generalüberholt. Die aktualisierten Prinzipien, die das Präsidium des Vereins Ende Juni einstimmig angenommen und am Dienstag publik gemacht hat, sollen den Mitgliedern sowie allen, die informationstechnische Systeme "entwerfen, herstellen, betreiben oder verwenden", eine Orientierung für ihr Handeln bieten. Damit einher geht etwa der Appell, "mit Mut für den Schutz und die Wahrung der Menschenwürde" einzutreten, "selbst wenn Gesetze, Verträge oder andere Normen dies nicht explizit fordern oder dem gar entgegenstehen".

Der Ruf nach Zivilcourage gilt laut dem 3-seitigen Papier auch in Situationen, in denen einen Informatiker "seine Pflichten gegenüber Auftraggebenden in Konflikt mit der Verantwortung gegenüber anderweitig Betroffenen" bringen. In begründeten Ausnahmefällen sei dabei auch ein "öffentlicher Hinweis auf Missstände" angebracht, schließt die GI Whistleblowing nicht aus. Zudem sollen die Mitglieder sich dafür einsetzen, die vom Bundesverfassungsgericht aus dem Grundgesetz abgeleiteten Rechte auf informationelle Selbstbestimmung und auf Gewährleistung der Vertraulichkeit und Integrität von IT-Systemen "durch ihr Handeln zu befördern."

Die GI impft der von ihr vertretenen Berufsgruppe ferner ein, dass Organisationsstrukturen frei von Diskriminierung sein müssten. Beim Design und Nutzen von Informationstechnik seien "die unterschiedlichen Bedürfnisse und die Diversität der Menschen" zu beachten. Weiter heißt es: "Das GI-Mitglied trägt Verantwortung für die sozialen und gesellschaftlichen Auswirkungen seiner Arbeit. Es soll durch seinen Einfluss auf Positionierung, Vermarktung und Weiterentwicklung von IT-Systemen zu deren sozial verträglicher und nachhaltiger Verwendung beitragen".

Generell sollen Informatiker im Einklang mit den Prinzipien "den Diskurs über ethische und moralische Fragen ihres individuellen und institutionellen Handelns mit der Öffentlichkeit aufnehmen und Aufklärung leisten". In einer vernetzten Welt sei es nötig, "Handlungsalternativen im Hinblick auf ihre absehbaren Wirkungen und möglichen Folgen interdisziplinär zu thematisieren". Hier sei jedes einzelne Mitglied gefordert. Im Bereich Forschung müssten "die Regeln der guten wissenschaftlichen Praxis" eingehalten werden. Dazu gehörten vor allem "die Offenheit und Transparenz im Umgang mit Kritik und Interessenskonflikten", Kritikfähigkeit sowie die Bereitschaft, "die Auswirkungen der eigenen wissenschaftlichen Arbeit im Forschungsprozess zu thematisieren" und auch die Grenzen der Forschung verständlich zu machen.

Auf konkrete IT-Bereiche wie Künstliche Intelligenz (KI) oder Big Data gehen die zwölf Artikel nicht ein. Ihr offener Charakter soll gerade verdeutlichen, "dass es keine abschließenden Handlungsanweisungen oder starren Regelwerke für moralisch gebotenes Handeln geben kann". GI-Präsident Hannes Federrath betonte: "Wir Informatiker haben große Verantwortung für die menschengerechte Gestaltung von Technik." Die Leitlinien sollten allgemein helfen, "dass berufsethische oder moralische Konflikte Gegenstand gemeinsamen Nachdenkens und Handelns werden".

Die 1969 gegründete GI ist mit rund 20.000 persönlichen und 250 korporativen Mitgliedern die größte Fachgesellschaft für Informatik im deutschsprachigen Raum. Sie sieht sich als "Plattform und Sprachrohr" der Zunft. 1994 formulierte sie erstmals ethische Vorgaben, die sie zehn Jahre später erstmals auffrischte. Die Debatte über Ethik etwa im Umgang mit Algorithmen oder Daten ist mittlerweile auch in der Politik en vogue. So wollte beispielsweise die schwarz-rote Koalition eine Untersuchungskommission einsetzen. Herausgekommen ist bislang im Bundestag ein Gremium für die Analyse der Chancen und Risiken von KI. (Stefan Krempl) / (mho)

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