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GIF bald patentfrei?

Eines der meistgehassten Software-Patente geht seinem Ende entgegen: Am nächsten Freitag, dem 20. Juni, läuft das zu zweifelhaftem Ruhm gelangte US-Patent 4,558,302 aus: Das "GIF-Patent" der Firma Unisys.

Genau genommen besitzt Unisys kein Patent auf das 1987 von Compuserve vorgestellte GIF-Format an sich, sondern auf den zur Datenreduktion verwendeten LZW-Algorithmus (Lempel-Ziv-Welch): Abraham Lempel und Jacob Ziv hatten das grundlegende Kompressionsverfahren bereits im Jahre 1977 zur freien Nutzung veröffentlicht, während Terry Welch den Kompressor für Unisys (damals noch Sperry) optimierte und am 20. Juni 1983 zum Patent anmeldete; gemäß den GATT Uruguay Round Patent Law Changes läuft es 20 Jahre danach ab. Diese modifizierte Version dampft nicht nur 256-Farben-GIFs fürs Web ein, sondern ist auch das gängigste Verfahren, um 24-Bit-Tiff-Bilder verlustlos zu komprimieren.

Schon im Jahr 1990 wurden Adobe sowie im Jahr 1991 die Firma Aldus für die Nutzung von LZW in PostScript beziehungsweise Tiff zur Zahlung verpflichtet. Erst 1994, als GIF sich längst als Standard-Webgrafikformat verbreitet hatte, trat Unisys mit seinen Lizenzforderungen an CompuServe heran. Vor allem in der Shareware- und OpenSource-Szene sorgte das Ansinnen für Empörung und Aufruhr, da viele Entwickler sich die Lizenzgebühren schlicht nicht leisten können.

Einschlägige Aufrufe, sämtlichen GIFs den Garaus zu machen und Unisys damit das Geschäft zu verderben, scheiterten ebenso wie die Etablierung eines Ersatzformates namens PNG (Portable Network Graphics), das im Jahre 1996 als W3C-Empfehlung antrat, sowohl GIF als auch Tiff vom Thron zu stoßen. Dass sich GIF weiterhin beharrlich auf Web-Seiten hielt, wird vor allem der zögerlichen Haltung der Browser-Hersteller angelastet: Insbesondere Microsofts Internet Explorer glänzte lange Zeit durch eine unvollständige PNG-Implementierung, die beispielsweise Transparenzen nicht voll unterstüzte. Ein Grund dürfte aber auch sein, dass die Masse der Nutzer sich kaum gezwungen sah, auf PNG umzusatteln: Schließlich waren nach wie vor genügend Anwendungen in der Lage, GIF-Bilder zu erzeugen -- ob lizenziert oder nicht. Derzeit befindet sich PNG Second Edition auf dem Weg zur W3C-Empfehlung sowie zum ISO/IEC-Standard 15984.

Sollte das GIF-Format mit dem Ende des Unisys-Patents wirklich lizenzrechtlich unantastbar werden, so dürfte in der OpenSource- und Freeware-Szene ein wichtiger Grund wegfallen, das PNG-Format zu pushen. Zunächst gilt es allerdings abzuwarten, bis im Juni 2004 auch die europäischen sowie das japanische Patent für den LZW-Algorithmus fallen, denn "es könnte sein, dass die GIF-Bilder selbst Verfahrensproduktschutz genießen", erläutert Patentanwalt Dr. Harald Springorum gegenüber heise online und verweist auf einen vom Landgericht Düsseldorf zugunsten des Patentinhabers entschieden vergleichbaren Fall (LG Düsseldorf, 7.11. 2000 -carpet, Gruer RR 2001, 201 ff).

Wenn also beispielsweise ein US-amerikanischer Freeware-Entwickler seine Software ab dem 20. Juni mit GIF-Export nachrüstet und ein US-Bürger seine damit erzeugten GIF-Bilder ins Web stellt, könnte er damit möglicherweise dennoch die Rechte von Unisys verletzen, da die Website ja auch in Deutschland abrufbar ist. Dass auch private Website-Betreiber belangt werden könnten, hatte Unisys in der Vergangenheit auch schon mehrfach angedroht.

Erst ab 2004 sollte zumindest dieses LZW-Patent keinen Einfluss mehr auf GIF und Tiff haben... ob nicht noch weitere Patente in irgendwelchen Firmenarchiven schlummern und Begehrlichkeiten wecken, bleibt abzuwarten. Denkbar ist vieles, wie die letztjährige JPEG-Forgent-Episode bewies.

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