GVU konnte 2007 mehr Urteile gegen Urheberrechtsverletzer erwirken

Die Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (GVU) konnte im vergangenen Jahr die Zahl der Strafanträge von 1843 auf 1928 steigern, zugleich waren weniger Filme online zum Download verfügbar als 2006.

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Von
  • Stefan Krempl

Die Filmwirtschaft hat 2007 nach eigenen Angaben messbare Erfolge im "Kampf gegen Raubkopierer" erzielt. So konnte die Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (GVU) im vergangenen Jahr die Zahl der Strafanträge von 1843 auf 1928 steigern. Dazu sind laut der im Auftrag der Filmwirtschaft tätigen privaten Ermittlungsorganisation 380 Zivilverfahren gekommen. Der Anteil der erfolgreich abgeschlossenen Strafverfahren konnte 2007 im Vergleich zum Vorjahr um 23 Prozent auf 1873 erhöht werden. Darunter ergingen in 28 Prozent der Fälle Verurteilungen, das sind 32 Prozent mehr als 2006.

"Die Zusammenarbeit mit den Strafverfolgungsbehörden hat sich verbessert", kommentierte der GVU-Vorstandsvorsitzende Christian Sommer die Zahlen aus dem Jahresbericht am heutigen Montag in Berlin im Vorfeld des "Welttag des geistigen Eigentums" am kommenden Samstag. Bei den ergangenen Urteilen seien "einige Gefängnisstrafen" bis zu drei Jahren verhängt worden, betonte er gegenüber heise online. Aber auch die in 53 Prozent der Fälle erfolgte Verfahrenseinstellung gegen Geldbuße und Einbeziehung der benutzten Hardware und anderer "Tatmittel" sei als "erfolgreicher Abschluss" zu werten. In 19 Prozent der Fälle sind Verfahren ferner wegen einer "schwerer wiegenden Straftat" eingestellt worden.

Sommer zufolge konzentrierte sich die GVU 2007 einmal mehr vor allem darauf, "die Quellen trockenzulegen", also gegen die Spitze der "Verbreitungspyramide" rechtswidrig kopierter Filme vorzugehen. Dazu zählt der GVU-Vertreter einen geschlossenen Kreis von "rund 100 Leuten" mit hohem Vernetzungsgrad, die dem "organisierten Verbrechen" zugerechnet werden könnten. Zugleich räumte Sommer aber auch ein, dass "ganz oben das gewerbliche Interesse eher gering sei" und einzelne Release-Gruppen "im sportlichen Wettbewerb stehen". Das eigentliche Problem sei die Zwischenebene, die aus den Betreibern von Pay-Servern oer BitTorrent-Trackern und dazugehörigen Portalseiten bestehe.

Hier machte Sommer einen "rasanten Technikwechsel" bei der illegalen Verbreitung hin zur "Massenebene" aus. So würden Verfahren wie Streaming oder ShareHosting bereits genauso oft genutzt wie die gängigen Tauschbörsen, bei denen das BitTorrent-Protokoll dominiere. Durch das hauptsächliche Vorgehen gegen die oberen Ebenen im Verbreitungsbereich und die damit verknüpften "arbeitsintensiven Verfahren" habe die GVU die Anzahl ihrer selbst aufgenommenen Ermittlungen geringfügig von 846 Verfahren 2006 auf 808 im vergangenen Jahr reduziert. Bei der "Massenebene" baue man dagegen auf technische Maßnahmen wie Inhaltserkennung und den Einsatz von Filter sowie Vereinbarungen mit den Internetprovidern nach dem Vorbild Frankreichs. Dort testen die Zugangsanbieter abgestufte Mahnverfahren, an deren Ende die Kappung der Netzverbindung stehen kann.

Einen "kleinen Etappensieg" vermeldete zudem Petur Agustsson von der P4M GmbH, die für die Filmindustrie seit drei Jahren die Studie "Available for Download" (AfD) durchführt. Während 2006 rund 62 Prozent der hierzulande im Kino gestarteten Filme online verfügbar gewesen seien, sei diese Quote im vergangenen Jahr auf 54 Prozent gesunken. Gleichzeitig waren die Streifen dem "Internetagenten" zufolge im Durchschnitt 1,3 Tage vor Kinostart im Netz, während der Vorsprung 2006 noch bei 3,9 Tagen gelegen habe. "Alle Filme ab 100.000 Zuschauern waren am Eröffnungswochenende verfügbar im Jahr 2006", verwies Augstsson auf eine weitere leichte Verbesserung aus Sicht der Wirtschaft. 2007 seien "ein paar wenige" dieser "Blockbuster" nicht online aufgetaucht. "Ich kann mich als Downloader aber darauf verlassen, dass die erfolgreichsten Filme online zu erreichen sind." Dabei sind dem Marktforscher zufolge "durch die Bank weg alle Genres betroffen". Stark nachgefragt seien Animationen und Fantasy-Streifen, die über kurz oder lang zu 100 Prozent verfügbar seien, gefolgt von Action- und Horrorfilmen sowie den in 83 Prozent der Fälle übers Netz illegal zu bekommenden Thrillern. Über 20 Prozent der Releases seien dabei "schon mit guter Tonqualität ausgestattet", 60 Prozent würden mit "annehmbarer oder guter Bildqualität" ins Netz wandern.

Weiter auf Aufklärungsarbeit will die Zukunft Kino Marketing GmbH setzen, die mit der Kampagne "Raubkopierer sind Verbrecher" für Aufsehen sorgte und mittlerweile mit der Fortsetzung "Respe©t Copyrights" moderatere Töne anschlägt. So will die Initiative laut ihrem Geschäftsführer Jan Oesterlin von Mai an mit zwei neuen Plakatmotiven erneut Kinogängern "Danke" sagen, "dass Sie sich lieber das Original anschauen". Für die "humorvolle Ansprache" würden dieses Mal Parodien der Filme "Fluch der Karibik" und "KeinOhrHasen" sorgen. Darüber hinaus werde die "institutionelle Arbeit an Schulen" um "Material für die Eltern" ausgeweitet. Als enttäuschend bezeichnete Sommer derweil die Unterstützung durch die Politik. So könne vor allem beim Gesetz zur besseren zivilrechtlichen Durchsetzung geistiger Eigentumsrechte von der beabsichtigten Stärkung der Position der Rechteinhaber nicht die Rede sein. Trotz dem neu geschaffenen Auskunftsanspruch gegen Internetprovider sei das Ergebnis "das Papier nicht wert, auf dem es steht". Eine Dose Cola im Supermarkt sei faktisch besser geschützt als ein Film. (Stefan Krempl) / (jk)