Gabriel wirbt für Startups – "Markt 2.0" aber weiter ungewiss

Startups kommen oft nur schwer an Risikokapital. Wirtschaftsminister Gabriel will ihnen helfen. Die Deutsche Börse aber zögert, ein Spielfeld zu eröffnen – der Crash vom "Neuen Markt" wirkt noch nach.

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  • dpa

Die Einführung eines von der großen Koalition befürworteten neuen Börsensegments für junge Wachstumsfirmen (Startups) bleibt ungewiss. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) sagte am Dienstag mit Blick auf länger laufende Gespräche der Deutschen Börse mit der Gründerszene: "Es ist noch nicht entschieden, ob ein neues Börsensegment wirklich der richtige Schritt ist."

In ihrem Koalitionsvertrag hatten Union und SPD vereinbart, die Eröffnung eines "Marktes 2.0" zu prüfen. Vor über zehn Jahren war die Internet-Blase am "Neuen Markt" geplatzt. Milliarden wurden dabei verbrannt, viele Privatanleger machen seither einen Bogen um die Börse.

Es sei verständlich und richtig, dass die Frankfurter Börse aus Fehlern des "Neuen Marktes" lernen und sie nicht wiederholen wolle, sagte Gabriel. Er betonte auf einer Startup-Konferenz in Berlin aber, dass Deutschland als Technologie-Standort auf den Erfolg junger Firmengründer angewiesen sei.

Ansonsten werde die Musik dauerhaft in den USA spielen. Allein Google, Apple, Amazon, Facebook und Microsoft hätten einen höheren Börsenwert als die deutschen Dax-30-Konzerne zusammen. "Der Vergleich zeigt: Wenn wir nicht für ein funktionierendes Börsensegment in Deutschland sorgen, an dem wachstumsstarke Unternehmen einen Börsengang wagen, dann berauben wir uns eines Großteils unserer Innovationskraft", sagte der SPD-Chef.

Im Vorjahr seien in Deutschland nur sieben Firmen an die Börse gegangen – in den USA seien es 222 gewesen. Das sollte die Börse bedenken und Startups attraktive Finanzierungsangebote machen. Gabriel forderte auch Banken und Fonds auf, in Zeiten von Mini-Zinsen über Anlagen in Startups nachzudenken. Er will sich im Spätsommer mit der Branche zusammensetzen, um über die Rahmenbedingungen für die Startup-Szene zu beraten.

Bereits sein Vorgänger Philipp Rösler (FDP) hatte die Idee für einen eigenen Börsen-Handelsplatz auf den Weg gebracht. Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums steckten Investoren im vergangenen Jahr rund 674 Millionen Euro Wagniskapital in deutsche Wachstumsfirmen. Das waren nur 0,026 Prozent der Wirtschaftsleistung, wie Gabriel vorrechnete: "Also nicht besonders viel." In den USA würden Investoren 32 Mal so viel Geld bereitstellen.

Gabriel will sich weiter für steuerliche Anreize für Wagniskapital-Investoren einsetzen. Die EU-Kommission hatte deutsche Regeln zur Gewerbesteuerbefreiung und Verlustvorträgen blockiert. Brüssel sieht darin unerlaubte Beihilfen. Klagen dagegen laufen noch. "Wir hoffen, dass Europa sich nicht selbst ein Bein stellt", meinte Gabriel. (anw)