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Gaia X: Microsoft will jetzt doch bei der europäischen Cloud mitmachen

Nach anfänglicher Skepsis hat der IT-Konzern beim Wirtschaftsministerium nun sein Interesse am Cloud-Projekt Gaia X bekundet..

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(Bild: VDB Photos/Shutterstock.com)

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Microsoft will als einer der großen US-Cloud-Anbieter bei Gaia X nicht länger in einer Beobachterposition bleiben. Das Konzeptpapier der Bundesregierung zu der europäischen Rechnerwolke enthalte "viele richtige Ansätze und lädt auch Marktteilnehmer außerhalb Europas ein, daran mitzuwirken", schreibt Sabine Bendiek, Vorsitzende der Geschäftsführung von Microsoft Deutschland, in einem Gastbeitrag für die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) am Dienstag. "Deshalb haben wir beim Bundeswirtschaftsministerium offiziell unser Interesse an einer Teilnahme hinterlegt."

Microsoft-Deutschland-Chefin Sabine Bendiek

(Bild: dpa, Matthias Balk/Archiv)

Im Gegensatz zu vielen anderen IT-Unternehmen und Branchenverbänden reagierte Microsoft im Oktober äußert zurückhaltend auf den Plan von Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU), mit der europäischen Cloud "Gaia X" die Souveränität des alten Kontinents in einer digitalen Schlüsseltechnologie zu stärken. Eine staatlich vorangetriebene Lösung dauere zu lange und werde am Markt nicht erfolgreich sein, wenn Nutzer mit Schwächen leben müssten, hatte Bendiek zunächst zu bedenken gegeben. Der Begriff der digitalen Souveränität werde allzu oft mit "Autarkie" vermischt.

In einem Anfang des Jahres bekannt gewordenen Verzeichnis der Teilnehmer an den Arbeitsgruppen zu Gaia X tauchte Microsoft auch nicht auf im Gegensatz zu den großen Konkurrenten Amazon Web Services (AWS) und Google. Zu den rund 60 bisher beteiligten Organisationen gehören demnach etwa Firmen wie die Deutsche Telekom, 1&1 Ionos, IBM, SAP, BMW, Arvato Bertelsmann, Bosch, QSC, ENBW, Red Hat und Secunet.

Im Kern gehe es im Zeitalter von Künstlicher Intelligenz (KI) um die Frage, "wie sich vorhandene Datenschätze heben und sinnvoll nutzen lassen", erläutert Bendiek in ihrem Beitrag. Um die Potenziale von KI auszuschöpfen, sei eine "ganz neue Bereitschaft" gefragt, "Daten unternehmens- und branchenübergreifend zu teilen". Nötig seien ferner "agile, technologisch voll ausgereifte Cloud-Infrastrukturen mit skalierbaren Rechen- und Speicherkapazitäten, die höchste Datenschutzstandards einhalten".

Nach wie vor sind für die Chefin von Microsoft Deutschland "Partnerschaften der Schlüssel zu digitaler Innovation", da sie Wettbewerbsfähigkeit und Handlungsfähigkeit stärkten sowie damit die Souveränität von Unternehmen und Staaten sicherten. An der Skizze für Gaia X lobt sie so den Punkt, dass dabei "faire und gleiche Wettbewerbsbedingungen und die Bejahung des freien Wettbewerbs aller Akteure am Markt" mit im Zentrum stehen sollen.

Die Sorge, dass "irgendwer den Stecker ziehen" und ganze Staaten oder Firmen "durch die Abschaltung einer Cloud lahmlegen könnte", ist für die Betriebswirtin nachvollziehbar. Solche Ängste seien aber "überzogen". Technisch sei es möglich, für Kunden mit besonderen Sicherheitsanforderungen Cloud-Lösungen "ohne einen solchen Aus-Knopf zur Verfügung zu stellen". Bei solchen Infrastrukturen bestimmten nicht die Hersteller, sondern nur die Kunden selbst über den Zugriff auf die Plattform. (axk)