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Galileo: Europäisches Satellitennavigationssystem geht in Betrieb

Das europäische Navigationssystem Galileo bietet nun seine ersten Dienste an – acht Jahre später als zuvor geplant und noch nicht komplett auf eigenen Beinen.

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Ein Galileo-Satellit

(Bild: esa.int)

Das europäische Satellitennavigationssystem Galileo mit seinen offiziell 18 Satelliten und die Bodeninfrastruktur stehe nun bereit, teilt die EU-Kommission mit. Es biete nun Behörden, Unternehmen und den Bürgern seine ersten Dienste an – allerdings zurzeit zusammen mit GPS, da die Galileo-Signale nicht immer zur Verfügung stehen, denn bisher sind noch nicht alle Satelliten im Betrieb.

Die jüngsten vier Satelliten, die im November ins All gebracht wurden, müssen erst noch ihre endgültige Position erreichen und einsatzbereit gemacht werden. Satellit 4 ist defekt, die Satelliten 5 und 6 befinden sich auf einer falschen Umlaufbahn und sind deswegen nicht für Navigationszwecke nutzbar. Eigentlicher Anlass für die heutige Mitteilung der Kommission dürfte sein, dass Spaceopal – das Gemeinschaftsunternehmen von DLR und Telespazio – in den nächsten zehn Jahren Galileo betreiben soll.

Zu den Diensten gehöre eine präzisere Navigation für Privatnutzer, erläutert die Kommission. Das erste Galileo-Smartphone des spanischen Unternehmens BQ sei bereits auf dem Markt, andere Hersteller dürften bald nachziehen, hofft die Kommission. Ab 2018 werde auch jedes in Europa verkaufte neue Fahrzeugmodell mit Galileo ausgerüstet sein; dadurch werde auch der Autonotruf eCall ermöglicht. Besonders in städtischen Gebieten, wo die Satellitensignale häufig von hohen Gebäuden gestört werden, seien durch Galileo Vorteile zu erwarten.

Ein weiteres Anwendungsfeld ist die Rettung aus See- oder Bergnot. Mit dem Such- und Rettungsdienst (Search and Rescue Service, SAR) sollen Menschen, die ein Notsignal von einer Galileo-kompatiblen Bake absetzen, schneller gefunden werden, da die Ortungszeit von 3 Stunden auf 10 Minuten verkürzt und der Fundort statt auf 10 km auf 5 km eingegrenzt werde. Geplant, aber noch nicht umgesetzt ist eine Funktion, durch die dem Absender des Notrufs bestätigt wird, dass er geortet wurde und Hilfe unterwegs ist.

Galileos hochpräzise Zeitgeber sollen kritische Infrastrukturen besser synchronisieren helfen, dazu gehören Banken- und Finanztransaktionen sowie Verteilungsnetzwerke für Telekommunikation und Energie. Auch sollen Behörden und Dienste für Katastrophenschutz und humanitäre Hilfe, Zollbeamte und die Polizei in Krisensituationen wie Terrorangriffen einen robusten und voll verschlüsselten Dienst an die Hand bekommen.

Bis 2020 sollen noch weitere neun Satelliten in den Orbit geschickt werden. Das Galileo-Programm wurde vor 17 Jahren auf den Weg gebracht. Ursprünglich sollten erste Dienste schon 2008 zur Verfügung stehen. Streitigkeiten zwischen den Partnerländern sorgten aber immer wieder für Verzögerungen. Hinzu kamen Kostensteigerungen und Pannen. (anw)