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Gamescom: Medal of Honor ahmt Irak-Video "Collateral Murder" nach

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Mit dem Maschinengewehr im Hubschrauber nimmt der Spieler in Medal of Honor die Dorfbewohner aufs Korn.

Es sollte eine lustige Werbeaktion werden, als Mike Shinoda, Sänger der US-Band Linkin Park, auf der Pressekonferenz von Sony Computer Entertainment die Bühne betrat, um einen Level des kommenden Kriegsspiels "Medal of Honor" von Electronic Arts zu spielen. Shinoda steuerte dabei einen US-Kampfhubschrauber bei einem Angriff auf ein afghanisches Dorf, das von Taliban-Kämpfern bewohnt sein sollte. Als die Helikopterstaffel das Dorf erreicht, eröffnen sie auch prompt das Feuer auf turbantragende Gegner, die sich mit Gewehren und Raketenwerfern wehren.

Die Bildeinstellungen im Spiel ähneln frappierend ...

Das Spiel steuert den Hubschrauber mehrere Male um das gesamte Dorf, während Shinoda mit Raketen und Bordmaschinengewehr die mutmaßlichen Taliban abschießt und Häuser in Schutt und Asche legt – ohne erkennen zu können, ob sich dort eventuell auch Zivilisten oder Kinder aufhalten. Doch der Nu-Metal-Rapper schießt nicht gut genug und stürzt am Ende ab.

Die Szenen im Videospiel erinnern frappierend an das Anfang April bei Wikileaks veröffentliche Video Collateral Murder. Auf diesem ist zu sehen, wie US-Soldaten aus einem Apache-Hubschrauber (dasselbe Modell wird im Spiel verwendet) heraus auf Zivilisten, darunter zwei Reuters-Reporter, feuern und die Abschüsse frenetisch feiern.

... den Aufnahmen, die Wikileaks Anfang April von einem realen Hubschrauberangriff veröffentlichte.

(Bild: Wikileaks)

Wie im Video der Bordkamera sieht auch der Spieler die Szenerie durch ein Fadenkreuz. Aus dem gespenstisch-realen Video wird im Spiel ein buntes Spektakel mit übertriebenen Explosionen – die von der versammelten Spielepresse lautstark bejubelt wurden.

In den USA ist Medal of Honor bereits vor seiner Veröffentlichung in die Kritik geraten – nicht wegen der ästhetischen Nähe zum Wikileaks-Video, sondern weil es Spielern erlaubt, im Mehrspielermodus auch auf Seiten der Taliban zu kämpfen und auf US-Soldaten zu schießen.

EA bewarb das Kriegsspiel mit einem Auftritt des Linkin-Park-Sängers Mike Shinoda.

Mit der Wiederbelebung seiner Kriegsspielreihe will Electronics Arts offenbar an die Verkaufserfolge von Modern Warfare 2 anknüpfen, mit dem Konkurrent Activision im letzten Jahr neue Verkaufsrekorde aufstellte und dem Mutterkonzern Vivendi satte Gewinne bescherte. Das Spiel erregte unter anderem mit einem umstrittenen Level „No Russian“ die Gemüter, in dem der Spieler an einem Massaker in einem Fughafengebäude teilnimmt. In der deutschen Version blieb der Level enthalten. Er wurde auf Druck der Jugendschützer lediglich entschärft: Sobald der Spieler auf Zivilisten das Feuer eröffnet, endet das Spiel. (hag)