Gamescom: So gut ist der 3D-Effekt von Nintendos nächstem Handheld

Voraussichtlich im kommenden Frühjahr will Nintendo seine neue 3D-Konsole in Europa veröffentlichen. Wir haben deren autostereoskopisches Display genauer beäugt.

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Von
  • Hartmut Gieselmann

Einige Demos zeigten bereits beeindruckend gute 3D-Bilder auf der 3DS. Der kleine Blickwinkel und die spiegelnde Display-Oberfläche der Vorab-Hardware störten jedoch den Bildeindruck etwas.

Nach der großen XL-Version schrumpft Nintendo die auf der E3 erstmals gezeigte 3DS wieder auf die Größe der normalen DSi zusammen. Allerdings ist der obere Bildschirm nun zu einem autostereoskopischen Display im Breitbildformat mit 3,5-Zoll-Diagonale gewachsen. Die Technik funktioniert ähnlich wie die der bekannten 3D-Wackelbilder. Vermutlich separiert ein feines Gitter vor dem LCD-Layer des Bildschirms die Stereo-Bilder und lenkt sie auf das rechte und linke Auge. Von der Gesamtauflösung von 800 × 240 Bildpunkten bleiben so für jedes Auge 400 × 240 Bildpunkte übrig. Der untere 3-Zoll-Touch-Screen unterscheidet sich nicht von dem der aktuellen DSi.

Der 3D-Bildeindruck der auf der Gamescom in Köln gezeigten Vorab-Hardware war gemessen an der nicht übermäßig hohen Auflösung erstaunlich gut. Von den kurzen Demos stachen vor allem Metal Gear Solid und Resident Evil hervor. So staffelte Metal Gear Solid in der interaktiven Rendersequenz die Credits filmreif in der Tiefe. Textur- und Polygon-Details waren deutlich besser als man sie von bisherigen DS-Spielen kennt und könnten locker mit denen der PSP mithalten. Einige Demos übertrieben es allerdings mit dem 3D-Effekt und versuchten, Objekte mit einer negativen Parallaxe aus dem Bildschirm herauspoppen zu lassen, was aufgrund doppelter Geisterbilder störend wirkte. Als kleiner 3D-Guckkasten funktioniert das Display am besten. Es ist allerdings zu befürchten, dass 3DS-Abbildungen in Werbekampagnen aus dem Bildschirm herauspoppende Marios zeigen werden und so falsche Hoffnungen bei Kunden wecken.

Die bloße 3D-Ausgabe alleine wird 3DS-Besitzer jedoch auf Dauer kaum zufriedenstellen. So sah eine kurze Demo von Mario Kart zwar etwas besser aus als die bisherige DS-Version, unterschied sich spielerisch aber nicht. Das gleiche galt für die 3D-Demo von Nintendogs. Jedoch gab es auch erste Ansätze eines Puzzle-Spiels zu sehen, die den 3D-Effekt spielerisch nutzten. Man darf gespannt sein, was Nintendos Spieledesignern zur dritten Dimension noch einfallen wird.

Nintendo will auch 3D-Filme für die 3DS veröffentlichen und hat bereits Warner als Zulieferer gewinnen können. Sicherlich gibt es eine große Schnittmenge bei den 3DS-Kunden und den Zuschauern der animierten 3D-Filme. Der Bildeindruck war bei einem gezeigten Clip durchaus ansehnlich.

Kleiner Blickwinkel

Um den 3D-Effekt genießen zu können, muss der Spieler die Konsole genau im richtigen Winkel halten. Kippt er sie etwas zu weit nach rechts oder links, wird ein dunklerer vertikaler Streifen sichtbar. Man muss den Winkel so austarieren, dass der dunkle Streifen gerade an der rechten und linken Seite verschwindet. Ein Zuschauer, der den Spieler von der Seite beobachtet, sieht den 3D-Effekt nicht und nimmt nur ein undeutliches Bild wahr – die DSi XL ist hier wesentlich zuschauerfreundlicher. Der Abstand zum Bildschirm ist hingegen variabler, sowohl mit ausgestreckten als auch angewinkelten Armen ist der 3D-Effekt sichtbar.

Die Stärke des 3D-Effektes ist über einen Schieberegler einstellbar. Im 2D-Modus weitet sich zwar der horizontale Blickwinkel, die dunkleren Streifen verschwanden aber nicht ganz, wenn man die Konsole bewegte – ein klassisches 2D-Display würde hier ein klareres Bild mit größerem Blickwinkel liefern. Für Spiele, die den 3D-Effekt nicht nutzen (beispielsweise alte DS-Titel, zu denen die 3DS kompatibel ist) sind die bisherigen DSi-Modelle besser geeignet.

Auf der Vorab-Hardware saß eine auf Hochglanz polierte Scheibe vor dem 3D-Display, die durch ihre Reflektionen den Bildeindruck – besonders in 3D – störte. Nintendo wäre hier gut beraten, die finale 3DS zu entspiegeln oder besser noch mit einem matten Display auszustatten. Die Helligkeit scheint auf dem ersten Blick nicht zugenommen zu haben. Wahrscheinlich wird auch die 3DS zum Spielen an der frischen Luft bei sonnigem Wetter zu dunkel sein.

Tiefe Fotos

Auf dem Deckel der 3DS sitzen zwei Kameras in VGA-Auflösung, die stereoskopische 3D-Bilder schießen. Auch hier lässt sich die 3D-Tiefe über einen Slider regeln. Meist fand sich aber nur genau eine Stellung, in denen keine Geisterbilder zu sehen waren. Die Bildqualität war für eine Handheld-Konsole in Ordnung, konnte aber nicht mit der von 2D-Compact-Kameras oder besseren Handys mithalten. Kinder können hiermit aber ohne Weiteres nette 3D-Bilder schießen. Nintendo ließ offen, ob eventuell noch eine Video-Funktion hinzugefügt wird.

Als neue Steuerelemente sind ein Beschleunigungssensor, ein Gyroskop und ein analoger Stick hinzugekommen. Letzterer lag besser unter dem Daumen als die Analog-Knöpfe der PSP-Modelle und erlaubte eine präzise Steuerung. Zwar konnte man Gyroskop und Beschleunigungssensor noch nicht testen, prinzipiell ließen sie sich aber für eine intuitive Kamerasteuerung in 3D-Action-Spielen und Ego-Shotern einsetzen. Damit könnte die 3DS eines der größten Probleme beseitigen, die bisherige Handheldkonsolen mit diesem Spieltypus hatten.

Den WLAN-Modus kann man nun über einen Schiebeschalter an der Seite ein- und ausschalten. Unklar ist bislang, inwieweit Nintendo seinen Online-Shop umgestaltet und ob man etwa von gerätebasierten zu personalisierten Accounts wechselt. Bislang gibt es keine Möglichkeit, Download-Spiele von einer DSi auf eine andere Konsole zu übertragen. Nintendo sei sich des Problems bewusst und arbeite an einer Lösung. Konkretes wollte man aber noch nicht sagen.

Preise und Veröffentlichungsdaten werde man voraussichtlich am 29. September in Japan mitteilen. Derzeit ist ein Europa-Termin bis Ende März 2011 vorgesehen. 3D-Optik und analoge Steuerungsmöglichkeiten erweitern die bisherige DS-Technik gehörig, im Kern bleibt aber auch die 3DS ein Kind der gleichen Handheld-Familie und spricht die gleiche Zielgruppe an. Daher scheint es eher unwahrscheinlich, dass Nintendo sein neues Gerät für mehr als 200 Euro vermarkten können wird, wie es einige Marktbeobachter vermuten. Allerdings habe man über den endgültigen Preis noch nicht entschieden. (hag)