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Gastkommentar: Mozilla fordert Regulierung zum Schutz von Nutzerdaten

Der Facebook-Datenskandal hat viele verunsichert. Mozilla spricht sich gemeinsam mit der Internet Society und der Web Foundation für weltweiten Datenschutz aus.

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Gastkommentar: Mozilla fordert Regulierung zum Schutz von Nutzerdaten

(Bild: pixabay.com)

Das Internet ist in Gefahr. Ursprünglich dazu gedacht, gesellschaftliche Ungleichheiten in der Welt aufzulösen, indem es den Menschen neue Möglichkeiten der Kommunikation und des kommerziellen Handels, berufliche Chancen und vieles mehr ermöglicht, wird das Web heute mit wachsender Skepsis betrachtet.

Wir erleben einen Trend, bei dem sich die Menschen von den Technologien, die sie nutzen, im Stich gelassen fühlen. Sie sind verunsichert und besorgt über die wachsenden Bedrohungen ihrer Sicherheit und Privatsphäre, die mit einer technologiegetriebenen Welt einhergehen, in der alle ständig online sind. Nun suchen sie nach Möglichkeiten, diese Verbindung temporär zu trennen; Werte und menschliche Interaktionen werden wieder wichtiger.

Unser Leben ist heute eng mit dem Internet verwoben. Bis 2020 wird das Web schätzungsweise 6,6 Billionen US-Dollar pro Jahr oder 7,1 Prozent des gesamten BIP in den G20-Staaten ausmachen. In den Entwicklungsländern wächst die digitale Wirtschaft stetig um 15 bis 25 Prozent pro Jahr. Zugleich steht das Internet unter Beschuss: Schwerwiegende Datenpannen, Unsicherheiten darüber, wie unsere Daten verwendet und monetarisiert werden, Cyberkriminalität, Überwachung und andere Online-Bedrohungen beeinträchtigen das Vertrauen der Internetnutzer. Wir stehen an einem wichtigen Scheideweg für das Web und seine gesunde Entwicklung steht auf dem Spiel.

Es ist unsere gemeinsame Pflicht, eine Antwort auf den aktuellen "Techlash" zu finden. Deshalb sollte es eine Priorität der G20 sein, die Hoffnung in technologische Innovationen wiederzuerwecken, indem sie die Menschen, ihre Rechte und ihre Bedürfnisse an erste Stelle setzen. Die Tatsache, dass über 100 Organisationen die Regierungsvertreter beim G20-Digitalministertreffen am 23. und 24. August dazu auffordern, die Menschen in den Mittelpunkt der digitalen Zukunft zu stellen, unterstreicht die Dringlichkeit unseres Anliegens. Wenn sich die G20 mit wichtigen Themen wie Konnektivität, Zukunft der Arbeit und Bildung befassen, dürfen sie dabei nicht diejenigen Themen ignorieren, die für Menschen auf der ganzen Welt von großer Bedeutung sind: Sicherheit und Privatsphäre.

Die Gewährleistung von Privatsphäre und Sicherheit ist entscheidend dafür, das Vertrauen der Menschen in technologische Innovationen – und besonders in das Internet – zu stärken. Als globale Wirtschaftsmacht muss es im Interesse der G20 liegen, diese Fragen anzugehen, damit sich unsere digitalen Gesellschaften positiv weiterentwickeln können. Die aktuellsten, prominenten Datenpannen machen deutlich, dass wir Unternehmen zur Rechenschaft ziehen müssen, wenn sie invasive Werbetechniken einsetzen, die Wahlmöglichkeiten der Nutzer manipulieren, persönliche Daten nicht sicher aufbewahren oder sie ohne unsere Erlaubnis weitergeben. Ebenso müssen wir die Regierungen daran erinnern, dass eine überstürzte Regulierung dieser Verstöße nicht unbedingt zielführend ist.

Fehlende Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, Hintertüren für die Strafverfolgung oder Plattform- und Internetsperren gefährden die Nutzer – und untergraben damit das Vertrauen. Die Menschen sollten dazu befähigt werden, ihre Daten und die Art und Weise, wie diese von Regierungen und Wirtschaft genutzt werden, besser zu kontrollieren. Und die G20-Mitglieder müssen sich dazu verpflichten, die Daten aller Nutzer zu schützen, ganz unabhängig davon, ob sie Bürger eines G20-Staates sind oder nicht.

Keine Regierung ist in der Lage, die Herausforderungen dieser vernetzten Gesellschaft alleine oder isoliert anzugehen. Wer es dennoch versucht, riskiert, diese globale, öffentliche Ressource für alle zu schädigen. Die Regierungen der G20 können mit gutem Beispiel vorangehen, indem sie aufzeigen, warum das Internet für die sich entwickelnden Gesellschaften so wichtig ist und warum die Mitgliedstaaten diese lebenswichtige Ressource besser verwalten müssen.

Während wir uns auf den G20-Gipfel 2018 in Argentinien vorbereiten, erinnern wir uns auch an die Worte des argentinischen Präsidenten Mauricio Macri. Macri erklärte, dass wir "die Bedürfnisse der Menschen in den Vordergrund stellen müssen", um die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts anzugehen. Unsere Zukunft muss auf einem gesunden Internet aufbauen. Einem Web, das wir nutzen wollen. Einem, das Vertrauen genießt und Menschen unabhängig von wirtschaftlichen Ressourcen oder demografischen Gegebenheiten bestärkt. Wir müssen uns dafür einsetzen, dass das Internet eine globale, öffentliche Ressource bleibt, die nationale Grenzen und soziale Schranken überwindet und uns hilft, zusammenzufinden.

Der "Techlash" ist da. Und er stellt die Vorteile der digitalen Gesellschaft in Frage. Wir müssen unsere Beziehung zu Technologie neu gestalten und uns auf die Bedürfnisse der Menschen konzentrieren. Die G20-Staaten können ihren Teil dazu beitragen, Verantwortung zu übernehmen – indem sie die Sorgen der Menschen ernst nehmen. Angefangen bei Datenschutz und -sicherheit.

Cathleen Berger, Mozilla
Constance Bommelaer de Leusse, Internet Society
Nnenna Nwakanma, Web Foundation


(Cathleen Berger, Constance Bommelaer de Leusse, Nnenna Nwakanma) / (tiw)

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