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Gaza-Konflikt schwappt ins Web

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Zu Konflikten gehört immer auch Propaganda. Waren es früher abgeworfene Flugblätter, so finden reale Auseinandersetzungen mittlerweile ihre Abbilder im Internet. Die israelischen Streitkräfte (IDF, Israel Defense Force) verbreiten Statusmeldungen und Berichte zum aktuellen Gaza-Konflikt sowohl über einen Twitter-Account als auch über ein Blog und einen Youtube-Kanal. Der Gegenseite, den zur Hamas gehörenden Al-Kassam-Brigaden, wird ebenfalls mindestens ein Twitter-Account zugerechnet, der Meldungen und Drohungen verbreitet.

Selbst Social-Media-Meldungen von Zivilisten haben militärische Auswirkungen, wie ein israelischer Blogger erklärt: Nachrichten, wo aus dem Gazastreifen abgefeuerte Raketen einschlagen und wo Luftschutzsirenen aufheulen, finden über das Internet in Echtzeit ihren Weg zurück in den Gazastreifen und können dort den Palästinensern helfen, die Zielvorrichtungen feinzujustieren. Deshalb veröffentlicht das israelische Militär selbst keine genauen Trefferkoordinaten, sondern beschränkt sich auf ungefähre Aussagen wie "hat Tel Aviv nicht erreicht". Gleiches gilt für Informationen, wo Israel Panzer und Soldaten für eine mögliche Bodenoffensive zusammenzieht.

Um den Informationsfluß in Richtung Gazastreifen zu unterbinden, hat die israelische Regierung die Absicht geäußert, Telekommunikationsverbindungen zum Gazastreifen zu kappen. Als Reaktion auf diesen Angriff auf die Informationsfreiheit hat das Webkollektiv Anonymous die Operation Israel (#opisrael) ausgerufen, die israelische Webseiten lahmlegen soll. Der Erfolg der Aktion ist schwer abzuschätzen: Anonymous zugerechnete Twitter-Accounts sprachen anfangs von mehr als 40 und später von über 9000 erfolgreichen Attacken. Die New York Times veröffentlichte einen Link zu einem Dokument mit gut 600 betroffenen Webseiten. (mue)

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