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Gebremster Handy-Boom verunsichert Siemens-Aktionäre

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"Wie viele Handys will Siemens in diesem Jahr verkaufen?", fragten gleich mehrere Anteilseigner bei der Aktionärs-Hauptversammlung von Siemens in München. Der Vorstandsvorsitzende Heinrich von Pierer wollte im Blick auf das Mobilfunkgeschäft keine Prognose abgeben. Trotz Rekordgewinne ist die Konzernleitung über die weitere Entwicklung auf diesem Geschäftsfeld unsicher. Der Handy-Boom ist gebrochen.

Kaum hat Siemens bei Handys Anschluss an die Großen der Branche gefunden, da sinken Wachstumsraten und Margen. Einst hatte der Konzern verkündet, den Handy-Absatz im laufenden Jahr auf 48 Millionen Stück verdoppelt zu wollen. Davon ist mittlerweile keine Rede mehr. Im Schlussquartal 2000 hat Siemens leicht Marktanteile verloren. "Wir wollen auch hier nicht Wachstum um jeden Preis", sagte Firmen-Chef Pierer den Aktiomnären. Für das Gesamtjahr hält er aber dennoch an der Prognose fest, dass der Umsatz insgesamt zweistellig wachsen solle bei einem überproportionalen Ergebnisplus.

Für das Geschäftsjahr 1999/2000 (bis 30. September) konnte Vorstandsvorsitzender Pierer den rund 9000 Aktionären wieder ein stolzes Zahlenwerk präsentieren. Der Gewinn nach Steuern stieg um um 81 Prozent auf rund 6,6 Milliarden Mark steigern. Unter anderem flossen aus den Börsengängen von Infineon und Epcos 8,8 Milliarden Mark in die Kassen.

Der Kauf des DSL-Anbieters Efficient Networks für 1,5 Milliarden Dollar werde die Siemens-Produktpalette "optimal" ergänzen und den Sprung unter die weltweit besten drei der Breitbandzugangs-Technik ermöglichen, sagte Bereichsvorstand Roland Koch den Aktionären. Derzeit habe Siemens über seine Tochter ICN auf diesem Sektor einen Marktanteil von vier Prozent. Durch Efficient Networks könne Siemens bald eine komplette Lösungpalette für DSL-Technik anbieten, die die Datenübertragung auf herkömmlichen Telefonleitungen beschleunigt.

Im Blick auf ein weltweites Marktpotenzial von etwa 26 Milliarden Mark werde sich der Kauf operativ in den kommenden zwei Jahren rechnen, erläuterte Koch den Anteilseignern. Um das erwartete Marktwachstum von 30 Prozent in dem Bereich zu übertreffen, sollen die Produktionskapazitäten bis Ende des Jahres von 2,5 Millionen Stück auf fünf Millionen Einheiten verdoppelt werden.

Die Übernahme von Efficient kommt Siemens günstig, noch im Mai vergangenen Jahres wäre der Kauf wohl mehr als zehn Mal so teuer gewesen. Die Efficient-Aktie ist seither von mehr als 180 auf zuletzt nur noch rund 13 Dollar gefallen. Siemens bietet den Aktionären jetzt 23,50 Dollar. Das Unternehmen erwirtschafte im vergangenen Jahr mit rund 600 Mitarbeitern einen Umsatz von umgerechnet rund 860 Millionen Mark, davon 80 Prozent in den USA. Derzeit schreibt das Unternehmen den Angaben zufolge rote Zahlen, allerdings hätten sich die Verluste zuletzt verringert.

Die Siemens-Aktie ließ sich von den Erfolgsnachrichten des Vorstandes nicht beeindrucken: Mit 130 Euro rangierte das Papier deutlich unter den 190 Euro, die es noch zur Zeit der vorangegangenen Hauptversammlung wert gewesen war. (Götz Konrad)/