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Technology Review

Gedanken und Gefühle steuern den Computer

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Es sieht aus wie eine Mischung aus Fahrradhelm und dem zur Aufzeichnung von Erinnerungen geeigneten SQUID aus Strange Days – und ein bisschen Science Fiction ist es auch noch. Doch schon in naher Zukunft soll der futuristische Helm des amerikanischen Startups Emotiv Systems seinen Träger in die Lage versetzen, Geräte oder Computerprogramme kraft seiner Gedanken zu steuern. So eine Entwicklung ist natürlich besonders für die Spielebranche interessant, folgerichtig stellt das Unternehmen einen Prototyp erstmals auf der Games Developer Conference in San Francisco vor.

Der Helm kann Gedanken lesen: Prototyp des Epoc von Emotiv

Der Epoc getaufte kabellose Helm soll über Elektroden ähnlich wie bei der medizinischen Gehirnstrommessung EEG (Elektroenzephalographie) Aktivitäten des Gehirns registrieren und zum Beispiel in einem Computerspiel in bestimmte Befehle übersetzen können. Anders als bei bei ähnlichen Forschungsansätzen soll die umfangreiche Software des Systems mit ihrer Erfindung nicht nur bewusste, sondern auch emotionale Gehirnaktivitäten auswerten. Die Software soll zwischen konkreten Gedanken unterscheiden können und entsprechende Befehle ausführen. Zudem soll die Software die Gefühlslage eines Benutzers erkennen und virtuell abbilden können. "Die nächste große Welle von technologischen Innovationen werden die Art und Weise ändern, wie Menschen mit Computern interagieren", sagte Nam Do, Mitgründer und Chef der Firma. Der nächste Schritt werde sein, dass die Kommunikation mit Computern sehr viel "lebensechter" sein werde.

Die Technik soll zuerst in der Spielebranche eingeführt werden, ein Developers Kit hat der Hersteller bereits angekündigt. Allerdings denken Emotiv und andere mit Gehirn-Computer-Schnittstellen beschäftigte Forscher auch über weitere Verwendungszwecke nach. So kann die Technologie zum Beispiel im medizinischen Bereich zur Steuerung von Prothesen eingesetzt werden. Forscher tüfteln weltweit an Möglichkeiten, nur mit der Kraft der Gedanken bestimmte physikalische Aktionen auszuführen. Wann die Helm-Sets in den Handel kommen und was sie dann kosten werden, ist noch völlig unklar.

Emotiv-Forscher Marco Della Torre habe ein Objekt auf einem Computer bewegen können, indem er an "schieben" und "hochheben" gedacht habe, berichtet das Wall Street Journal von einer Präsentation. Das System habe auch seine Emotionen auf ein virtuelles Gesicht auf dem Computer projiziert. Allerdings habe es teilweise noch deutliche Verzögerungen gegeben, bis seine Gedanken einen Effekt auf dem Bildschirm hatten. Außerdem beherrscht das System bisher nur wenige Kommandos. Damit Epocs Software die Befehle auch erkennt, muss der Nutzer es vorher trainieren, indem er mit einer bestimmten Aktion verknüpfte Gedanken mehrfach wiederholt. (vbr)

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