Menü

Gedopte Profi-Gamer - Computerspieler müssen erstmals zum Drogentest

Profi-Gamer zocken um Preisgelder in Millionenhöhe. Dafür greifen manche zu leistungssteigernden Mitteln. Beim ESL-Turnier in Köln soll es nun erstmals Drogentests geben.

vorlesen Drucken Kommentare lesen 101 Beiträge
Profi-Zocker

(Bild: dpa, Marius Becker)

Das professionelle Zocken ist ein schnell wachsendes Geschäft. Bei einigen Turnieren winken Preisgelder in Millionenhöhe. Das verleitet einige Spieler, ihre Leistungen mit verschreibungspflichtigen Medikamenten anzukurbeln. In der Szene ist die Rede von Ritalin oder Cannabis. Kürzlich sorgte ein Profi-Spieler für Aufsehen, als er in einem Interview behauptete, gemeinsam mit seinem Team das Aufputschmittel Adderall eingenommen zu haben. Bei den Action- oder Strategiespielen sei stundenlange Konzentration gefragt, sagt Ulrich Schulze, der bei der ESL für die Profispieler zuständig ist.

Die Liga kündigte nun bei einem anstehenden Turnier in Köln zum ersten Mal Drogentests an. In Zusammenarbeit mit der unabhängigen Nationalen Anti Doping Agentur (NADA) sollen 80 Spieler stichprobenartig auf verbotene Substanzen getestet werden. "Wir wollen damit ein Statement setzen", sagt Liga-Manager Schulze. Das "ESL One Cologne"-Turnier am 22. und 23. August ist das erste Turnier, bei dem die ESL Spieler zur Dopingprobe bitten will.

Die genauen Tests würden noch diskutiert, sagt NADA-Vorstandsmitglied Lars Mortsiefer. "Wir können auf die Schnelle nicht auf Tests wie beim Spitzensport zurückgreifen, wir orientieren uns aber an Verfahren, die bei Polizeikontrollen üblich sind." Blut- oder Urinproben, die "wochenlange Analysen" erfordern, seien ausgeschlossen. Im Gespräch seien Haut- oder Speicheltests.

Die Profispieler des deutschen Teams "Mousesports" befürworten Dopingkontrollen als abschreckende Maßnahme, sagt Teammitglied René Lannte. Die bisherigen Berichte seien aber Einzelfälle, glaubt er.

Siegesprämien, die Abiturienten auf einen Schlag zu Millionären machen, steigern den Reiz der unerlaubten Aufputschmittel, meint Gamer Lannte. "Bei immer weiter steigenden Preisgeldern ist es leider nicht verwunderlich, dass Profi-Spieler nach Möglichkeiten zur Leistungssteigerung, darunter auch unerlaubten, suchen." Bei dem Kölner Turnier Ende August gibt es ein Preisgeld von insgesamt 250.000 Dollar zu gewinnen. Im internationalen Vergleich schnellen die Prämien noch um ein Vielfaches in die Höhe. Beim Turnier "The International" im US-amerikanischen Seattle winken Prämien von 18 Millionen Dollar. Rund sechs Millionen gehen an die Erstplatzierten. (je)

Anzeige
Anzeige