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Gefälschte USB-Sticks und Micro-SD-Karten weiter im Angebot

Die Handelsplattformen AliExpress und eBay schaffen es nicht, Angebote offensichtlich gefälschter Produkte zu sperren.

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Gefälschte Flash-Speichermedien

USB-Sticks mit 2 Terabyte und Micro-SD-Karten mit 512 Gigabyte gibt es bisher nur als Fälschungen, teilweise mit über 99 Prozent "Write-only Memory".

Über gefälschte Flash-Speichermedien haben wir in der aktuellen c't 11/15 und schon vor drei Wochen auf heise online berichtet. Auch die Handelsplattformen AliExpress.com und eBay.de wurden von uns benachrichtigt. Trotzdem sind gefälschte USB-Sticks mit vermeintlich 2 Terabyte Kapazität und Micro-SD-Karten mit 512 GByte weiterhin bei AliExpress und eBay zu finden.

AliExpress hat zwar jene Angebote gesperrt, die c't der Pressestelle konkret benannt hat, nicht aber viele ähnliche, teils nahezu identische Fälschungen. eBay hat es noch nicht einmal geschafft, alle konkret benannten Fälschungen zu sperren.

Wer den Stand der Flash-Technik kennt, schöpft bei den erwähnten Angeboten sofort Verdacht, weil bisher kein seriöser Hersteller solche Medien produziert. Bei den Micro-SD-Karten ist das bisher wohl schlichtweg unmöglich, denn die für 512 GByte derzeit nötigen NAND-Flash-Chips passen nicht in das Format einer Micro-SD-Karte. Das wird wohl frühestens mit der nächsten Generation verkleinerter NAND-Flash-Chips gelingen können. Und der "größte" USB-Stick fasst derzeit 1 TByte, kostet fast 900 Euro und besitzt ein deutlich größeres Gehäuse als die fragwürdigen Angebote auf AliExpress und eBay.

Gefälschte USB-Sticks und Micro-SD-Karten im c't-Labor (7 Bilder)

Manches gefälschte Produkte kommt in seriöser Verpackung wie dieser vermeintliche HP v250w - bloß dass es eben "in echt" keine 2-TByte-Version gibt.

Selbstverständlich sind weder die Hersteller der echten Produkte noch die Handelsplattformen für Produktfälschungen verantwortlich. Doch die Probleme sind seit Jahren bekannt und das deutsche Markenrecht sieht bei gewerblichen Anbietern gefälschter Produkte empfindliche Strafen vor. Trotzdem bekommen Journalisten auf Rückfragen und Hinweise zum Thema kaum mehr als Standard-Antworten. Zu konkreten Maßnahmen erfährt man wenig, etwa zur besseren Kennzeichnung echter Waren, zur nachhaltigen Sperrung von Angeboten gefälschter Produkte oder zur Enttarnung böswilliger Händler. Öffentliche Stellen in den USA, insbesondere die militärische Beschaffung, verpflichten die Elektronik-Branche hingegen zu Verbesserungen im Kampf gegen "Counterfeit Products".

Im c't-Labor haben sich sämtliche bei AliExpress eingekauften Flash-Fälschungen auch als solche entpuppt. Von den 2-TByte-Sticks konnte das Testprogramm H2testw lediglich 6,8 beziehungsweise 7,4 GByte nutzen – die restlichen 99,x Prozent gaukelte die Firmware des Flash-Controllers bloß vor. Die Prüfung braucht wegen der lahmen USB-2.0-Controller in den Fälschungen tagelang, schon bei einer Schreibrate von 20 MByte/s dauert sie über 27 Stunden. Eine andere Fälschung ließ sich nur mit etwa 3 MByte/s füllen, das dauerte mehr als eine Woche lang.

Bei den Micro-SD-Karten, die unter den Marken SanDisk und Samsung segelten, waren die Ergebnisse ähnlich.

Wer die auf der Rückseite der vermeintlichen Samsung-EVO-Karte aufgedruckte Typenbezeichnung googelt, landet als erstes auf einer Webseite, die vor gefälschten 64-GByte-Karten bei eBay warnt: Anscheinend kommt der 8-GByte-"Rohling" – auch hier funktionierten 6,8 GByte – schon seit Jahren für unterschiedliche Fälschungen zum Einsatz. Die mit weniger als 200 GByte sind allerdings deutlich schwerer zu enttarnen, weil es Micro-SD-Karten mit bis zu 128 GByte und bald auch 200 GByte wirklich gibt.Bei normal großen SD-Karten sind auch 512 GByte möglich. Man kann also nur dringend dazu raten, Flash-Medien wie USB-Sticks und SD-Karten unmittelbar nach dem Kauf zu prüfen, etwa mit H2testw. (ciw)

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