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Gegen Doppelbilder: Max-Planck-Forscher entwickeln abwärtskompatibles 3D-Verfahren

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Das untere 3D-Bild sieht auch ohne Anaglyphen-Brille ordentlich aus, dafür ist der 3D-Effekt deutlich geringer.

(Bild: Piotr Didyk, Max-Planck-Institut für Informatik )

Wer im Kino oder am Fernseher beim 3D-Gucken die Brille abnimmt, kennt das Phänomen: Man sieht alles doppelt – fast, als sei man betrunken. Durch die fehlende Brille werden die fürs linke und fürs rechte Auge bestimmten Bilder nicht mehr getrennt, beide Augen sehen also beide Bilder. Forscher des Max-Planck-Instituts für Informatik wollen den Unscharf-Effekt nun abschwächen: Mit ihrem abwärtskompatiblen 3D-Verfahren sollen sich räumliche Bilder und Videos sowohl mit als auch ohne 3D-Brille (in 2D) betrachten lassen. Einen Abnehmer für die sogenannte "Backward-compatible Stereo 3D"-Technik haben sie bereits gefunden: Das kanadische Unternehmen TandemLaunch will die Erfindung zu einer marktreifen Technik weiterentwickeln und hat sie dafür lizenziert.

Das Prinzip ist recht einfach: Die binokulare Disparität, also sozusagen der "virtuelle Augenabstand", wird schlicht reduziert. Dadurch wirkt das 3D-Bild auch ohne trennende Brille einigermaßen scharf, auch wenn man immer noch leichte Doppelkonturen wahrnehmen kann. Zumindest auf den Demo-Fotos und -Videos auf der Projekt-Website ist der Nachteil der Technik deutlich zu sehen: Der räumliche Effekt ist zwar noch vorhanden, aber stark reduziert. Das Demonstrationsmaterial auf der Website nutzt das Anaglyphen-Verfahren, man kann die Technik also mit einem konventionellen Monitor und einer einfachen Pappbrille selbst ausprobieren. "Backward-compatible Stereo 3D" soll aber offenbar nicht nur mit Anaglyphen, sondern auch mit dem Shutter- oder Polfilter-Verfahren aktueller Fernseher funktionieren. "Die Technologie wird das Fernsehen, wie wir es heute kennen, völlig verändern“, wird Helge Seetzen, Geschäftsführer von TandemLaunch, in einer Pressemitteilung zitiert.

Auch heute schon können 3D-Inhalte mit dem Fernsehsignal übertragen werden – genutzt wird dafür meist das sogenannte Side-by-Side-Format, bei dem die Bilder fürs rechte und linke Auge nebeneinander angeordnet sind. 3D-Fernseher legen die Bilder entsprechend übereinander und zeigen sie je nach Technik (Polfilter oder Shutter) räumlich an. Bei älteren, nicht-3D-kompatiblen TVs kommt das Doppelbild dagegen unverändert auf den Schirm – weshalb 3D-Inhalte bislang nur auf eigens dafür bestimmten Sendern ausgestrahlt werden. Dieses Problem scheint auch das neue Max-Planck-Verfahren nicht zu lösen, denn zumindest Shutter-Fernsehern muss man zwingend ein Signal fürs linke und fürs rechte Auge zuspielen. Sind die Bilder bereits ineinander verwoben, können die TVs nichts damit anfangen. "Backward-compatible Stereo 3D" funktioniert also nur mit Polfilter-Fernsehern oder dem Anaglyphen-Verfahren, Shuttergeräte benötigen Zusatzhardware. (jkj)