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Gegen E-Mail-Leak: Türkische Aufsicht blockiert Clouddienste

Weil sie die Verbreitung von E-Mails des türkischen Energieministers und Schwiegersohns von Präsident Erdoğan verhindern will, hat die türkische Regierung kurzzeitig praktisch alle großen Clouddienste sperren lassen.

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Türkische Aufsicht blockiert kurzfristig alle Clouddienste

Übers Wochenende haben türkische Internet Service Provider zeitweise Google Drive, Microsofts OneDrive, Dropbox und Github gesperrt. Laut Juristen und Aktivisten dürfte das mit der Drohung der Hackergruppe RedHack zusamenhängen, E-Mails des türkischen Energieministers und Erdoganschwiegersohns Berat Albayrak zu veröffentlichen. Die sollen darlegen, wie auf Geheiß der türkischen Regierung auf sozialen Medien eine 6000 Personen starke "Troll-Armee" gegen Kritik vorgeht, schreibt The Daily Dot.

Am Samstag hatte die Monitoring-Seite "Turkey Blocks" die massiven Sperrungen der verschiedenen Clouddienste gemeldet. Zunächst fielen demnach Google Drive und Dropbox durch Zertifikatsfehler auf, im Lauf des Samstag und Sonntag kamen auch Microsofts Clouddienst und die von vielen Entwicklern genutzte Plattform GitHub hinzu. Die falschen Zertifikate sind ein Hinweis auf ein Abbiegen der Zugriffe durch große türkische Service Provider. Betroffen waren laut Turkey Blocks die Provider TTNet, UyduNet und Turkcell. Über kleinere Provider und ausländische Diensteanbeiter war der Zugriff dagegen wohl teils weiterhin möglich.

Turkey Blocks veröffentlichte noch am Samstag eine der offiziellen Sperrungsanordnung der als Zensurbehörde agierenden Information and Communication Technology Authority. Auf der Basis dieser Entscheidung waren die Provider verpflichtet, den Zugang zur Seite drive.google.com zu sperren. Basis für diese Sperrungen ist das hoch umstrittene Gesetz Nr. 5651. In seiner Anfang 2015 auf Druck des türkischen Staatspräsidenten novellierten Fassung enthält es die Möglichkeit, auch ganze Webseiten zu sperren. Erdogan hatte damit auf zwei Entscheidungen des Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte reagiert, der türkischen Zensurpraxis 2012 und 2015 wegen Komplettsperrungen von Google-Diensten verurteilt hatte.

Der Istanbuler Juraprofessor Yaman Akdeniz hatte am Montag bereits einen Widerspruch gegen die neuerliche Sperrungsanordnung in der Tasche, wie er heise online mitteilte. Doch waren die Seiten da – abgesehen von Github – bereits wieder erreichbar. Für Akdeniz ist klar: Sobald die E-Mails des gehackten Ministeraccounts von den Seiten gelöscht sind, würden die Anordnungen widerrufen. Vorläufige Sperrungen von bis zu 72 Stunden erlaubt das Gesetz Nr. 5651. Wegen der gehackten E-Mails läuft bereits ein Gerichtsverfahren gegen die Hackergruppe RedHack, deren Twitteraccount auf Druck der türkischen Regierung ebenfalls blockiert wurde. (mho)