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Gegen Mietexplosion: Palma de Mallorca untersagt Vermietung über Airbnb & Co.

Immer mehr Immobilieneigentümer in Palma de Mallorca reservieren ihre Wohnungen für Touristen, für Einheimische explodierten die Mieten. Dem will die Stadtregierung nun einen Riegel vorschieben und untersagt die Vermietung von Wohnungen.

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Gegen Mietexplosion: Palma de Mallorca untersagt Vermietung über Airbnb & Co.

Palma de Mallorca

(Bild: Derks24)

Ab Juli wird es Wohnungsbesitzern in Palma de Mallorca untersagt sein, Zimmer oder Apartments an Touristen zu vermieten. Mit der Entscheidung reagiert die Stadtregierung auf das Vordringen von Wohnungsvermittlern wie Airbnb und den damit verbundenen Anstieg der Mieten in der Hauptstadt der Balearen. Die Verordnung wurde von der linken Stadtregierung am Montag bekanntgegeben. Zwar muss der Stadtrat noch zustimmen, aber das gilt lediglich als Formsache. Erlaubt bleiben soll aber die Ferienvermietung von Einfamilienhäusern, wenn die nicht auf geschütztem ländlichen Boden, in der Nähe des Flughafens oder in Gewerbegebieten liegen.

Proteste gegen Massentourismus

Zwar ist die Vermietung von Wohnungen in Mehrfamilienhäusern an Urlauber in Palma schon jetzt untersagt, das Verbot wird in der Praxis bisher aber kaum beachtet. Man habe nun "die Möglichkeiten der Sanktionen und der Kontrollen deutlich verstärkt", sagte Baudezernent José Hila. Mit dem Schritt sollen die Auswirkungen der touristischen Vermietung auf die Mietpreise beseitigen, ergänzte er laut der offiziellen Mitteilung. Oberbürgermeister Antoni Noguera bezeichnete seine Stadt demnach als entschlossen und mutig. Die Entscheidung basiere auf dem öffentlichen Interesse und sei ausgewogen. Palma wird von einer Koalition linker Parteien regiert.

Vergangenes Jahr waren auf Mallorca erstmals Tausende Menschen gegen die schlimmsten Auswüchse des Massentourismus auf die Straßen gegangen. Sie prangerten unter anderem an, dass vor allem junge Menschen wegen des Booms bei der privaten Ferienvermietung keine bezahlbaren Wohnungen mehr finden würden. Schätzungen zufolge wurden zuletzt mindestens 3000 Wohnungen über Plattformen wie Airbnb illegal an Touristen vermietet. In Palma sind die Mieten in den vergangenen fünf Jahren um 40 Prozent gestiegen. Die Stadt wurde dadurch zur teuersten in Spanien.

Airbnb stößt auf Widerstand

Für Airbnb & Co. ist die Entscheidung ein weiteres Zeichen des wachsenden Widerstands in Metropolen. Vielerorts gibt es Ärger, da Ferienwohnungen als Gewerbe gelten und nicht in Wohngegenden angeboten werden dürfen. Mittels der Plattform würden Zweckentfremdungsverbote und Steuerzahlungen umgangen, klagen Behörden. Die Vermittlungsplattform hat die Verantwortung lange von sich gewiesen, denn "für die Einhaltung lokaler Regeln die Gastgeber selbst verantwortlich". Inzwischen wurden aber mit Hunderten Städten und Kommunen eine Vereinbarung zur automatisierten Einziehung und Ausschüttung von Beherbergungsabgaben geschlossen. Ob Palma nun zum Beispiel für massiveren Widerstand wird, muss sich nun zeigen. (mho)

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