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Gegenwind für Kopiersperre StarForce

Wieder einmal ist die Spiele-Kopiersperre StarForce des russischen Herstellers Protection Technology in die Schlagzeilen geraten. Ende März reichte der US-Amerikaner Christopher Spence vor dem Bezirksgericht von Nordkalifornien eine Sammelklage (Class Action Suit) gegen den Spielehersteller Ubisoft ein. Ubisoft setzt bei seinen Veröffentlichungen seit drei Jahren auf StarForce, darunter die Film-Verspielung "Peter Jackson's King Kong". Eine Liste mit Spielen mit der russischen Sperre findet sich auf der Website "Boycott StarForce".

Die elfseitige Anklageschrift (PDF-Datei) führt auf, Ubisoft gebe auf den Spiele-Verpackungen kein Indiz darauf, dass das Spiel die StarForce-Treiber installiert. Die Treiber können die Sicherheitsfunktionen des Betriebssystems unterwandern und damit Hintertüren für Angreifer öffnen, wovon der Hersteller seine Kunden nicht informiert habe. Darüber hinaus werde StarForce nicht vom Rechner entfernt, wenn der Anwender das damit geschützte Spiel deinstalliert. Hinter der Klage stecken keine Unbekannten: Drei der vier beteiligten Anwaltskanzleien hatten auch gegen Sony BMG wegen der Musik-CD-Kopiersperre XCP eine Sammelklage erhoben, die in einem Vergleich endete.

Um Emulationsversuche zu verhindern und Debugger zu blockieren, greift StarForce tief ins System ein. Dabei kommen Gerätetreiber zum Einsatz, die einige Spieler für Programmabstürze, Brennprobleme und Instabilitäten verantwortlich machen. Bislang wies Protection Technology derartige Behauptungen stets von sich. Doch diese Woche mussten die Entwickler kleinlaut ein Problem zugeben.

StarForce ist nicht die einzige Kopiersperre, die sich mit Treibern ins System eingräbt – die Audio-CD-Kopiersperre MediaMax von SunComm schlägt den gleichen Weg ein. Das kann für Anwender fatale Folgen haben: Sind auf einem Rechner sowohl StarForce als auch Mediamax aktiv, rangeln sich die beiden Sperren um die Kontrolle der optischen Laufwerke. Die StarForce-Entwickler arbeiten eigenen Angaben zufolge derzeit an einer Lösung für das Problem. Wer darauf nicht warten will, kann StarForce mit einem Removal Tool von seinem Rechner entfernen.

In Spieler-Kreisen genießt Protection Technology nicht nur wegen der verwendeten Technik einen schlechten Ruf. Als das US-Weblog Boing Boing vor einigen Wochen über StarForce berichtete, drohte ein PR-Manager von StarForce gleich mit gerichtlichen Schritten. Kurz darauf veröffentlichte ein StarForce-Mitarbeiter in einer Forendiskussion über das Thema, warum Kopiersperren für Spiele essentiell sind, kurzerhand einen BitTorrent-Link zum illegalen Download eines Spiels ohne Kopiersperre. (ghi)

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