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Gehaltsverhandlung: "Wer mehr Geld will, muss hartnäckig trainieren"

Über sein Gehalt verhandeln geht jedes Jahr und wenn es beim dritten Mal auch nicht klappt, dann kündigen, rät die Gehaltsexpertin Claudia Kimich.

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Gehaltsverhandlung: "Wer mehr Geld will, muss hartnäckig trainieren"

Claudia Kimich

(Bild: kimich.de)

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Wer über sein Gehalt verhandeln will, braucht gute Argumente. Das lässt sich jedes Jahr versuchen. Wenn es beim dritten Mal auch nicht klappt, dann kündigen, rät die Gehaltsexpertin Claudia Kimich im Interview mit heise online.

heise jobs

Zu Arbeitsplätzen und Stellenangeboten in der IT-Branche siehe auch den Stellenmarkt auf heise online:

heise online: In jedem Vorstellungsgespräch wird der Bewerber gefragt: "Wie viel möchten Sie verdienen?" Welche Zahl soll er nennen, wo kann er sich informieren?

Kimich: Wer fragt, bringt den anderen in Zugzwang und verschafft sich selbst eine bessere Ausgangssituation, denn reagieren ist einfacher als agieren. Informieren Sie sich, wie viel Sie verlangen können. Wer 55.000 Euro verdienen will, sollte 60.000 sagen. Dann hat das Gegenüber Verhandlungsspielraum und kann sein Gesicht wahren.

Breite Spanne bei Gehältern

Die Gehaltsunterschiede für ein und denselben Job sind groß. Wie breit die Spannweite ist, zeigen Auswertungen von gehalt.de, erstellt für heise online. Ein Absolvent der Informatik bekommt als Berufsanfänger zwischen 45.000 und 56.600 Euro. Beim Leiter der Softwareentwicklung reicht die Spanne von 74.000 bis 122.000 Euro. Grundsätzlich zahlen Konzerne mehr als kleine Firmen, der Handel weniger als die Industrie und im Westen sind die Gehälter höher als im Osten.

Manche Gehaltsportale bieten kostenlos einen Gehalts-Check, davon halte ich aber nicht viel. Es gibt auch kostenpflichtige, die sind nach meiner Erfahrung aussagekräftig und mit 50, 60 Euro günstig.

Liegen Forderung und Angebot im Vorstellungsgespräch weit auseinander, kann der Bewerber vorschlagen: während der Probezeit zu Ihren, danach zu meinen Konditionen – allerdings nur, wenn das schriftlich fixiert wird.

Wenn man den Job bekommt oder schon einen hat: Nach welcher Zeit kann ich nach einer Gehaltserhöhung fragen?

Nur wer fragt, bekommt mehr Geld. Von alleine erhöht kein Chef. Bewerben Sie sich alle ein, zwei Jahre bei zwei, drei Unternehmen, um Ihren Marktwert zu checken. Verlangen Sie dabei deutlich mehr, als Sie aktuell verdienen. Dadurch wissen Sie, was Sie wert sind und mit diesem Wissen lässt sich mit Ihrem Arbeitgeber souveräner verhandeln. Gut die Hälfte meiner Klienten kündigt nach ihrem Marktcheck und hat anschließend einen deutlich besser bezahlten Job.

Ich rate dazu, einmal pro Jahr über das Gehalt zu verhandeln. 10 bis 20 Prozent mehr sind realistisch und die Wahrscheinlichkeit, dass man anschließend mehr verdient, liegt zwischen 70 und 80 Prozent. Vorausgesetzt, man hat treffende Argumente parat und die Gunst der Stunde genutzt.

Welche Argumente sind passend und wann ist der richtige Zeitpunkt?

Wenn Sie etwas Gutes für die Firma geleistet haben, ist der Zeitpunkt für ein höheres Gehalt ideal; zum Beispiel einen neuen Kunden gewonnen oder einen alten zurückgeholt. Denken Sie immer daran: Geld ist immer mit Leistung verknüpft und mehr Geld mit einer Mehrleistung. Dann fällt es Vorgesetzten schwer, abzulehnen.

Ein gutes Argument für mehr Geld ist stets der Nutzen, den Sie für die Firma haben. Sagen Sie anhand konkreter Projekte, wie wichtig Sie sind. Trainieren Sie Gehaltsverhandlungen, damit es gut wird, am besten vor ehrlichen Freunden, die einem sagen, was nicht schlüssig in der Argumentation ist. Das ist wie beim Sport: wer sich steigern will, muss hartnäckig trainieren.

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