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Telepolis

Geheimcode in Modezeichnungen

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Das Britische Nationalarchiv in Kew hat heute Dokumente des Security Service aus dem Zweiten Weltkrieg mit Codes veröffentlicht, die von deutschen und anderen Spionen benutzt wurden, um Botschaften aus Großbritannien zu schmuggeln. Dabei benutzten sie auch Steganographie, versteckten also Botschaften in Bildern, die sie in Briefen versendeten. Beispielsweise wurden Botschaften mit den Punkten und Strichen des Morsecodes in scheinbar banalen, selbst gefertigten Modezeichnungen für Damenbekleidung versteckt. In einem publizierten Beispiel findet sich der Morsecode in den Stickereien der Kleidung. Der britische Sicherheitsdienst konnte ihn entziffern: "Stündlich erwartbare große Verstärkungen des Feindes vor Arras", lautete der Text.

In den nun veröffentlichten Dokumenten des Geheimdienstes zum Finden und Entschlüsseln von Codes heißt es warnend, dass "freihändige Zeichnungen aller Art" untersucht werden müssten, ob "Geschriebenes in Bäumen etc. oder Morse oder andere Zeichen in den Linien der Zeichnungen" versteckt worden ist. Zum Verstecken von Botschaften wurden auch unsichtbare Tinte, Nadelstiche und Markierungen auf den Briefen verwendet. Versteckt wurden verschlüsselte Botschaften zudem auf Notenblättern, in Beschreibungen von Schachzügen oder Symbolen, die als normale Handschrift dargestellt wurden.

Natürlich wurden auch Botschaften durch Verschlüsselung in normalen Texten versteckt: Beispielsweise durch den "Westerlinck-Code", bei dem Zahlen mit drei Ziffern für die Buchstaben des Alphabets verwendet wurden. Jeder Buchstabe konnte dann durch eine Gruppe von drei Wörtern mit der richtigen Anzahl der Silben in einem Brief dargestellt werden. Wenn 112, so die Erklärung, den Buchstaben "n" codiert, kann er beispielsweise durch den Satz "I know nothing" dargestellt werden.

Veröffentlicht wurden nun auch Kopien von Anweisungen der Zensurbehörde, wie sich versteckter Code in Klartext finden lässt. Als verdächtig galten beispielsweise Briefe, die an neutrale Länder verschickt wurden und deren Inhalt keinen wirklichen Anlass für den Brief enthielt. Eigenartige Formulierungen könnten ein Hinweis darauf sein, dass Wörter passend zu einem Code gesucht wurden, heißt es weiter. Auch Listen mit Zahlen und lange Briefe über Bridge-Spiele sollten aufmerksam überprüft werden.

Auch nach dem 11.9. gab es immer wieder Vermutungen, dass Al-Qaida Botschaften und Anweisungen beispielsweise in den Videos mit Reden von Bin Laden oder Sawahiri verstecken könnte. Sie werden im Internet gepostet oder an einen Sender geliefert und dann von den Medien verbreitet. Große Aufregung gab es auch, als die Möglichkeit erwogen wurde, dass Terroristen ihre Botschaften mittels Steganographie über Bilder im Internet verbreiten könnten. Selbst die Verwendung von pornographischen Bildern durch die Glaubenskrieger wurde in Betracht gezogen. (fr)

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