Geheimdienst-Kooperation "Maximator": Die Five Eyes Europas?

Deutschland und vier andere Länder sollen bei der Entschlüsselung von Funksprüchen anderer Staaten zusammengearbeitet haben.

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(Bild: dpa, Stephan Jansen/Archiv)

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Deutschland und vier andere europäische Länder sollen seit dem Jahr 1976 einen Geheimdienstverbund namens "Maximator" unterhalten haben, in dem sie untereinander kryptologische "Lösungen" zur Entschlüsselung der Funk-Kommunikation vieler Länder austauschten. Das geht aus einem Aufsatz des niederländischen Sicherheitsforschers Bart Jacobs hervor. Die Fünfer-Allianz wurde demnach von Dänemark, Deutschland und den Niederlanden gegründet, später kamen Schweden und Frankreich hinzu.

Benannt nach einem Münchener Doppelbockbier soll "Maximator" der Gegenpart zur Abhörkooperation der "Five Eyes" USA, Kanada, Großbritannien, Australien und Neuseeland sein und bis heute existieren. Jacobs Bericht "Maximator: European signals intelligence cooperation, from a Dutch perspective" beschreibt aus niederländischer Sicht, wie die europäischen Kryptologen bei Treffen von Maximator untereinander "Lösungen" austauschten, um den verschlüsselten Satellitenfunk via Kurzwelle oder Zentimeterwelle entschlüsseln zu können. Ähnlich wie bei den Cryptoleaks basierten viele dieser Lösungen auf eingebauten oder aufgefundenen Schwächen von Chiffriergeräten.

Nach Jacobs' Lesart soll der Maximator-Verbund maßgeblich dafür verantwortlich sein, dass Großbritannien im Falklandkrieg schnell die Verschlüsselung der argentinischen Streitkräfte brechen konnte: Argentinien nutzte die Chiffriergeräte HC550 und HC570 der Crypto AG, deren Schwachstelle der deutsche Bundesnachrichtendienst im Rahmen von Maximator kommuniziert hatte.

Ein niederländischer Kryptologe des Abhördienstes "Technisch Informatie Verwerkingscentrum" (TIVC, heute Joint Sigint Cyber Unit genannt) reiste nach Großbritannien zu den Government Communications Headquarters (GCHQ) und klärte die Kollegen auf, wie sie die Kommunikation entschlüsseln können. Über den TIVC lief auch eine andere Aktion, von der der Maximator-Verbund insgesamt profitierte. Der Dienst unterhielt eine Bodenstation in der Karibik auf Curaçao, die den Funkverkehr von Kuba und Venezuela überwachte und entschlüsselte.

Ausgangspunkt der Entdeckung von Jacobs war das interne BND-Dokument aus dem Jahre 2012, das von der "Operation Rubikon" berichtete und den Satz enthielt: "Diese Fähigkeiten blieben nicht auf USA und Deutschland beschränkt; im Laufe der Jahre wurden Staaten wie Dänemark, Frankreich, Großbritannien, Israel, Niederlande, Schweden u.a. in den Kreis der ‘cognoscenti’ aufgenommen." Jacobs forschte nach, wie sich der "Kreis der Wissenden" organisatorisch zusammensetzte.

Was sich hinter der Operation Rubikon verbirgt, kam erst im Februar ans Tageslicht: Es handelte sich um eine über Jahrzehnte laufende geheime Zusammenarbeit der US-amerikanischen CIA und des bundesdeutschen BND. Gemeinsam baute man Hintertüren in Verschlüsselungsmaschinen der Schweizer Crypto AG ein, die andere Staaten für vertrauliche Kommunikation verwendeten. (axk)