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Geheimdienst im Anonymisierungsnetz: CIA-Webseite jetzt über Tor erreichbar

Nicht nur Verbrecher tummeln sich im sogenannten "Darknet". Auch die wohl berühmtesten Spione der USA sind nun dort zu erreichen.

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Die NSA-Webseite im Tor-Netz

(Bild: Fabian A. Scherschel)

Der US-amerikanische Auslandsgeheimdienst Central Intelligence Agency (CIA) stellt die eigene Webseite nun ebenfalls über das Anonymisierungsnetz Tor bereit. Über eine .onion-Adresse können Tor-Nutzer sich mit diesem Onion-Service verbinden, ohne dass einer der beiden Endpunkte die Identität des anderen feststellen kann – Onion-Services sind nach wie vor weitläufiger unter ihrem alten Namen Tor Hidden Service bekannt.

Die Agency möchte nach eigener Aussage Menschen die Möglichkeit geben, ihre Webseite sicher und anonym zu besuchen. "Wir gehen dahin, wo die Leute sind", sagte die PR-Chefin der CIA, in einer Pressemitteilung.

Die CIA-Webseite ist im Tor-Netz unter der Adresse ciadotgov4sjwlzihbbgxnqg3xiyrg7so2r2o3lt5wz5ypk4sxyjstad.onion zu erreichen. Dabei handelt es sich augenscheinlich um dieselbe Webseite, die auch unter cia.gov im World Wide Web angeboten wird.

Diese Seite enthält allgemeine Informationen über den Geheimdienst, das CIA World Factbook (eine regelmäßig aktualisierte, öffentliche Publikation mit statistischen Daten über alle Länder der Welt) und eine Menge ehemals als geheim eingestufte Dokumente aus dem Fundus der Agency. Man kann über die Webseite allerdings auch Kontakt mit der CIA aufnehmen – etwa, weil man sich auf einen Job dort bewerben will oder weil man dem Geheimdienst Informationen übermitteln will. Die CIA-Sprecherin betont, dass dies nun über das Tor-Netzwerk anonym möglich sei.

Auch die Heise-Redaktionen bieten, wie einige andere Redaktionen in Deutschland und den USA, einen sicheren Briefkasten an, der als Onion-Service erreichbar ist. Den dafür nötigen Tor Browser kann man im Download-Portal von Heise herunterladen. Ein Artikel von heise Security erklärt, wie man die Software einrichtet und was man für eine sichere Nutzung beachten muss. Wer sich dafür interessiert, wie die Onion-Services (oder auch Hidden Services) funktionieren findet alle Details dazu in einem Hintergrund-Artikel von heise-Security-Chefredakteur Jürgen Schmidt.

Das Besuchen der CIA-Webseite dürfte sich bei richtiger Nutzung des Tor-Browsers nicht vom Besuch einer anderen Webseite im Tor-Netz unterscheiden. Ein solcher Besuch birgt allerdings die gleichen Risiken wie ein Besuch von cia.gov – man verbindet den eigenen Browser und das unterliegende System mit den Servern eines fremden Auslandsgeheimdienstes. Eines Geheimdienstes, dessen Mission nicht nur das Sammeln und Analysieren von Informationen über andere Staaten und deren Bürger ist. Die CIA ist außerdem damit beauftragt, verdeckte Operationen in anderen Staaten auszuführen. Spätestens seit Edward Snowden wissen wir, dass dazu auch (zusammen mit dem Schwester-Dienst NSA) das Ausspionieren fremder Computersysteme gehört.

Trotzdem ist die offizielle Präsenz der NSA im Tor-Netz so etwas wie ein Ritterschlag für das Anonymisierungsnetz. Zwar wissen dessen Entwickler, allen vorweg Projektchef Roger Dingledine, dass der Dienst rege von Strafverfolgern und Regierungsorganisationen auf der ganzen Welt genutzt wird, öffentliche Bekenntnisse dazu sind aber eher selten. Zu schwer wiegt das öffentliche Bild von waffen- und drogenhandelnden Kriminellen, die im "Darknet" – einem Begriff, den Dingledine gar nicht mag, wie er erst dieses Jahr wieder auf der FOSDEM-Konferenz betonte – ihr Unwesen treiben. Dabei wurde die Entwicklung am Tor-Projekt hauptsächlich von der US Navy und der US-Regierungsorganisation DARPA (Defense Advanced Research Projects Agency) bezahlt. Im Endeffekt ist es also nur logisch, dass Organe der US-Regierung die Technik nutzen, die ihre Regierung (wenn auch indirekt) ins Leben gerufen hat. (fab)