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Geld gewaschen und Mt. Gox bestohlen: Mutmaßlicher Chef der Bitcoin-Börse Btc-e verhaftet

Eine Verhaftung in Griechenland zieht weite Kreise: Der verhaftete Russe Alexander V. soll nicht nur die Kryptogeldbörse Btc-e zum Top-Standort für Geldwäsche gemacht haben – er könnte auch wesentlich schuld am Untergang der Börse Mt. Gox gewesen sein.

Geldwäsche und Diebstahl bei Mt. Gox: Chef der Bitcoin-Börse Btc-e verhaftet

Seit dem 25. Juli war die Kryptogeldbörse Btc-e wegen "Wartungsarbeiten" nicht erreichbar. Die könnten jetzt wohl etwas länger dauern.

Der am gestrigen Mittwoch in Griechenland verhaftete Russe Alexander V. soll laut US-Behörden Chef der Bitcoin-Börse Btc-e gewesen sein und diese als Plattform für Geldwäsche im ganz großen Stil genutzt haben. Dabei soll er nicht nur Geldwäsche im Dienste der organisierten Kriminalität betrieben haben, sondern auch die untergegangene Bitcoin-Börse Mt. Gox bestohlen und die geklauten Coins über Btc-e gewaschen haben.

In den USA ist bereits entsprechende Anklage gegen ihn erhoben worden, wobei die Vorwürfe nur Geldwäsche und Finanzdienstleistungen ohne Lizenz umfassen, nicht aber die Diebstähle. Laut einem BBC-Bericht bereitet Griechenland bereits die Verhandlungen über seine Auslieferung an die USA vor.

Der Anklage nach soll der 37-jährige V. zahlreiche Administratoren-Accounts auf der 2011 gegründeten Börse gehabt haben und Haupteigentümer der Briefkastenfirma Canton Business Corporation gewesen sein, die als Betreiber hinter Btc-e stand. Mit minimalen Identifizierungs-Anforderungen bei der Anmeldung und komplettem Verzicht auf Geldwäscheprävention sollen V. und seine Helfer von Anfang an einen größtenteils kriminellen Kundenstamm angezogen haben.

Entsprechend sollen Gewinne aus Hackerangriffen, Erpressungstrojanern, Identitätsdiebstahl, Korruption, Drogenhandel und Steuerbetrug über die Börse gewaschen worden sein. Die FinCEN, eine Ermittlungsbehörde des US-Finanzministeriums, hat zum Beispiel Gelder im Wert von 3 Millionen US-Dollar im Zusammenhang mit den Erpressungstrojanern Locky und Cryptolocker nachvollziehen können. Mit dem Geldwäschering des 2013 geschlossenenen Bezahldienstes Liberty Reserve habe man ebenfalls Geschäfte gemacht. Umgerechnet rund 4 Milliarden US-Dollar habe Btc-e insgesamt blütenweiß gespült.

Gerade für die Ökonomie der Erpressungstrojaner scheint Btc-e große Bedeutung gehabt zu haben: Sicherheitsforscher von Google stellten bei einer Analyse des Phänomens Ransomware fest, dass 95 Prozent aller von ihnen getrackten Lösegeldzahlungen letztlich bei Btc-e ausgecasht wurden. Die Studie wurde im Rahmen der derzeit noch laufenden Konferenz Black Hat 2017 präsentiert.

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