Menü

Geldquellen der Online-Piraterie im Visier

Lesezeit: 2 Min.
In Pocket  speichern vorlesen Drucken Kommentare lesen 228 Beiträge
Von

Strafverfolgung, Netzsperren, Three-Strikes – trotz all dieser Bemühungen ist im Netz bislang kein Ende der Online-Piraterie in Sicht. Deshalb versprechen sich Rechteinhaber inzwischen mehr von Konzepten, die professionelle Raubkopierer da treffen, wo es besonders schmerzt: am Portemonnaie. Die Ergebnisse einer neuen Studie, die Google und die britische Verwertungsgesellschaft PRS in Auftrag gegeben haben, stützt diesen Ansatz.

In der Studie analysiert die Marktforschungsagentur BAE Systems Detica die verschiedenen Geschäftsmodelle von Piraterie-Seiten. Dafür wurden von TV-Streamingportalen bis zu P2P-Communities über tausend Webseiten analysiert, die britische Verwerter zuvor als rechteverletzend gemeldet hatten. Dabei soll laut den Autoren die Anzahl der illegalen Musikseiten gesunken sein, gleichzeitig jedoch TV-Streaming immer mehr zunehmen und knapp ein Drittel der gesamten Stichprobe ausmachen.

Zu den Haupteinnahmequellen der Raubkopierer zählt der Studie zufolge ganz klar Werbung: so seien etwa bei den TV-Streamern knapp zwei Drittel werbefinanziert. Durch die Kooperation mit Werbenetzwerken könnten die Behörden solche Umsatzmöglichkeiten verringern, regt die Studie an. Gleiches gelte auch für die Portale, die auf bezahlpflichtige Abos oder Spendenmodelle setzten. Viele davon würden die Zahlungen über bekannte Dienste abwickeln und Kreditkarten der großen Anbieter akzeptieren – auch dies ein möglicher Ansatzpunkt für Piraten-Jäger.

Dass gerade Google eine solche Studie vorlegt, ist bemerkenswert. So steht der Konzern in Sachen Online-Piraterie oft selbst in der Kritik und wurde unter anderem vom Paramount-Geschäftsführer Frederick Huntsberry als "größte Raubkopie-Suchmaschine" bezeichnet. Zuletzt hatte die US-Regierung Ende März 2012 in einem Bericht (PDF-Datei) gefordert, dass Google und andere Unternehmen Modelle entwickeln, wie sie Piraterie-Seiten aus ihren Werbenetzwerken ausschließen können.

Der Gründer und Chef des illegalen Filmportals Kino.to, Dirk B., im Landgericht Leipzig.

(Bild: dpa, Hendrik Schmidt/Archiv)

Doch nicht nur in den USA wird das Thema diskutiert und Druck ausgeübt. In Deutschland ist die unerwünschte Liaison aus Werbeerlösen und Urheberrechtsverletzungen spätestens seit dem Prozess gegen die "Moviez"-Seite kino.to stärker ins Blickfeld geraten. Das Portal, über das rund 135.000 raubkopierte Filme, Serien und Dokus verfügbar waren, zog nicht nur sehr schnell Nutzer, sondern auch Werbekunden an, die in diesem Umfeld ihre Banner schalteten. Zwischen 2008 und 2011 sollen so knapp 6,6 Millionen Euro an Werbegeldern geflossen sein.

Unter anderem wurde die Problematik bereits beim Wirtschaftsdialog des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWI) aufgegriffen, bei dem es um die Wünsche der Rechteinhaber nach einem Three-Strikes-Regime ging. Beim Treffen im Juni 2012 hatten Vertreter der Werbewirtschaft ihre noch in Arbeit befindliche Selbstverpflichtung angekündigt. Das darin formulierte Ziel: Werbung auf illegalen Webseiten zu verhindern und Urheberrechtsverletzern die finanzielle Basis zu nehmen.

Bernd Nauen, Chef des Zentralverbands der deutschen Werbewirtschaft (ZAW), bekräftigt im Interview mit dem Online-Magazin irights.info, dass sich die Verbandsmitglieder strikt von allen Formen der Urheberrechtsverletzung distanzieren. Wenn Rechteinhaber darauf aufmerksam machten, dass Werbung auf illegalen Portalen laufe, würden die werbenden Unternehmen und verantwortlichen Dienstleister diese im Regelfall auch unverzüglich zurückziehen.

Dass man Werbeschaltungen auf illegalen Seiten auch bereits im Vorfeld verhindern könne, sei technisch bislang nur schwer umzusetzen, führt Nauen aus. So habe man es zum Beispiel beim Affiliate-Marketing mit einer komplexen Kette von Schaltungen und Auslieferungen über mehrere Stationen zu tun, deren Ende für den Dienstleister am Beginn kaum absehbar sei. Eine tragfähige Routine, die unerwünschte Werbebelegungen über alle Schnittstellen hinweg vermeiden könne, gebe es noch nicht.

Um die Maßnahmen besser koordinieren zu können, hat der ZAW laut Nauen einen eigenen Branchendialog ins Leben gerufen. Ein erstes Treffen resümierte er zuversichtlich: "Das Problembewusstsein ist vorhanden, der Sachverstand auch." Eine schnelle Lösung, bei der auch große internationale Anbieter mitziehen, wollte er jedoch nicht versprechen. (axk)