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Gelöscht und doch ausgestellt – Galerie zeigt Fotos aus Festplatten von eBay

Was passiert mit Fotos und Texten, die wir auf dem Handy in den Papierkorb schieben? Sie sind zumindest nicht komplett verloren, wissen zwei junge Künstler.

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(Bild: "Nothing's Lost in Numbers", Galerie Kernweine)

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Ein Fingerdruck – und wieder ein Foto mehr auf dem Handy. Viele Millionen Bilder landen Tag für Tag auf den Speicherkarten der Kameras. Und wenn sie nicht mehr gefallen, werden sie mit einem weiteren Fingerdruck einfach gelöscht. Wirklich? Unter dem Titel "Nothing's Lost in Numbers" stellen zwei Künstler aus Stuttgart dort in den kommenden Wochen aus, was eigentlich schon nicht mehr zu sehen sein sollte: scheinbar gelöschte Fotos und Videos, wiederhergestellt und ausgedruckt.

Die Aufnahmen stammen von 31 im Internet gekauften, gebrauchten und vermeintlich leeren Speicherkarten aus der ganzen Welt. Felix Gärtner und Romano Dudaš (beide 28) nutzten ein gewöhnliches Datenrettungsprogramm und stießen auf Fotos, Textdateien und Videos, auf Schnappschüsse aus dem Urlaub ebenso wie auf Bilder von einem Flugzeugträger und das Foto eines Flächenbrandes in einem Wüstendorf.

Gärtner, Fotograf in London, hat nach einer Fotosession selbst erfahren, wie einfach es ist, gelöschte Daten zurückzugewinnen. "Ich hatte einige Fotos zu schnell abgelegt", erzählt er. "Überrascht war ich, wie schnell es möglich ist, nicht nur die jüngeren Fotos zurückzubekommen. Denn es tauchten aus den tiefsten Schichten des Datenträgers auch Bilder von drei oder vier Jahre alten Aufträgen auf.

Rechtlich sei das "eine Grauzone", räumt Gärtner ein. "Aber wir wollen die Besucher wachrütteln und ihnen einen Spiegel vorhalten, wir wollen auf Sicherheitslücken aufmerksam machen." Die wenigsten Nutzer wüssten, wie man Daten von Speichern wirklich löscht. Und für viele werde ein Problem wie dieses eben erst sichtbar, wenn es physisch vor ihnen an der Wand hänge. "Wir könnten genauso gut gelöschte Kreditkartendaten aufhängen, das muss den Menschen bewusst werden", sagt Romano Dudaš, der derzeit in Berlin lebt und arbeitet.

Ein Blumentopf und eine Wiesenkapelle, unscharfe Jogger von hinten und ein Bündel Dollarscheine, ein schlecht lackierter nackter Damenfuß – die wiederentdeckten Fotos sind anonym und fremd, und doch wirken sie vertraut. "Wir machen im Grunde kollektiv die gleichen Fotos", sagt Dudaš. "Blumen, Urlaub, Freunde, alles wiederholt sich."

Eines der Exponate

(Bild: "Nothing's Lost in Numbers", Galerie Kernweine)

Er sei immer wieder erstaunt darüber, wie wenig bekannt sei über das Löschen von Daten auf Sticks oder Speicherkarten. "Man weiß, dass man seine Handtasche nicht liegenlässt, aber wir haben keine Ahnung, wie wir mit den Daten von uns umgehen", sagt Dudaš. Dabei gehe es eben nicht mehr zu wie früher im Fotolabor, als Bilder beim Entwickeln nur von ein oder zwei Personen gesehen werden konnten. "Heute hat man viel intimere Fotos auf dem Smartphone, man geht aber deutlich nachlässiger damit um."

Der oberste Datenschützer des Landes, Stefan Brink, stimmt zu: "Vielen Bürgern ist diese Problematik wahrscheinlich noch nicht bewusst, hier müsste mehr Aufklärungsarbeit geleistet werden." Die Stuttgarter Ausstellung liefere einen Aufklärungsbeitrag, sagte der Landesbeauftragte für den Datenschutz.

Brink warnt aber auch davor, dass das Problem weit über das Smartphone hinausreiche: Es gebe Beschwerden, dass Unternehmen wie zum Beispiel Arztpraxen die Daten auf Speichermedien nicht hinreichend sicher löschten, bevor diese weiterverkauft würden. "So können unter Umständen sehr sensible Daten über Personen mit einfachsten Mitteln wiederhergestellt werden."

Dabei lassen sich Daten durchaus löschen, voll und ganz – es ist aber ein bisschen mehr Aufwand als ein einfacher Tastendruck.

Was man bei Datenverlust machen sollte - und was lieber lassen | nachgehakt

(mho)