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Gemeingüterreport: Innovation braucht "offene Zugänge"

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Die Heinrich-Böll-Stiftung der Grünen stellt am Montagabend in Berlin den Gemeingüterreport (PDF-Datei) vor. Der Bericht von Silke Helfrich, Rainer Kuhlen, Wolfgang Sachs und Christian Siefkes stellt verschiedene Ideen vor, um Gemeingüter zu verwalten, neu zu schaffen und zu erweitern. Seit rund 30 Jahren beschäftigen sich verschiedene wissenschaftliche Disziplinen mit den Gemeingütern. Inzwischen ist die Diskussion im wissenschaftlichen Diskurs fest etabliert: Vor wenigen Monaten erhielt die Politikwissenschaftlerin Elinor Ostrom den Nobelpreis für Wirtschaft für ihre Beschäftigung mit der Gemeingut-Theorie.

Der Bericht stellt ein Konzept vor, das Kreativität und Kooperation in der Produktion befördern soll: Die "gemeine Peer-Produktion" geht auf einen Ansatz des Ökonomen Yochai Benkler zurück. Die Produktion findet nicht für den Verkauf, sondern die für die direkte Nutzung statt. Dadurch werden neue Gemeingüter erzeugt. Mitglieder der Gemeingüterwirtschaft kooperieren freiwillig und gleichberechtigt.

Benkler sieht ein Bespiel für das Innovationspotenzial der Gemeingüter und der gemeinen Peer-Produktion im Internet, das sich trotz Dot-Com-Crash zum Web 2.0 entwickelte. Ein Gegenbeispiel sei der Bereich der erneuerbaren Energien: So gab es in den 1970er Jahren in Kalifornien zahlreiche Startups in diesem Bereich. Doch diese wurde aufgekauft und als ineffizient definiert – und der notwendige Innovationsschub blieb aus. Nötig für Innovation sind daher offene Designs oder "offene Zugänge zu den Bauplänen", wie es der Report formuliert.

Im Netz werden Gemeingüter ("Commons") vor allem in Bezug freie Software, auf eine Wissensallmende oder Urheberrechtslizenzen wie der Creative Commons diskutiert. Wikipedia oder freie Software, die Seitenbeschreibungssprache HTML und das Internetprotokoll HTTP sind Gemeingüter im digitalen Raum.

Zum Thema "Open Access" schreiben die Autoren des Report, dass Nutzungsrechte für Wissen nach einem neuen Prinzip vergeben werden sollten: Nicht mehr kommerzielle Rechteverwerter würden Nutzungslizenzen erteilen, sondern die Gesellschaft würde den kommerziellen Verwertern beschränkte Nutzungslizenzen erteilen. Open Access müsse daher nicht ausschließen, dass die Gesellschaft auch die kommerzielle Verwertung dieses Wissens erlaubt.

Im Bereich der Energiewirtschaft führt der Report einige Beispiele für eine Rekommunalisierung beziehungsweise die Übernahme der Energieerzeugung durch die Bürger selbst an. So könne die Energieproduktion mit Energiesparkonzepten, effizienter Kraft-Wärmekopplung und der Umstellung auf lokal verfügbare erneuerbare Energie an lokale Gemeinschaften gebunden werden. Diese Konzepte ließen sich auch auf die Telekommunikation übertragen: Freie Funknetze etwa könnten eine lokale, selbst organisierte Versorgung bieten. (vbr)

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