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Gemeinsame Schweizer Mobile-Payment-App in den Startlöchern

Ein großangelegtes Joint-Venture in der Schweiz wird ein gemeinsames Smartphone-Bezahlsystem herausbringen. Das System soll im Herbst 2016 starten.

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Gemeinsame Schweizer Mobile-Payment-App in den Startlöchern

Die Schweiz erhält eine gemeinsame mobile Bezahllösung (mPayment). Das gaben die daran Beteiligten gestern bekannt: Mit dabei sind die fünf größten Schweizer Banken UBS, Postfinance, Credit Suisse, Raiffeisen und Zürcher Kantonalbank (ZKB) sowie der Finanzdienstleister SIX, die führenden Handelsketten Migros, Coop und der Telekommunikationsanbieter Swisscom.

Markbeobachter kommentieren, dass sich die Schweizer Konzerne damit gegen die internationale Konkurrenz positionieren wollen, die ebenfalls mit eigenen mobilen Bezahldiensten in Europa in den Startlöchern stehen. Für die neue mPayment-Lösung sollen die beiden bestehenden Schweizer Bezahl-Apps "Paymit" und "Twint" fusioniert werden; die Marke Paymit wird es künftig nicht mehr geben.

"Tapit", die dritte aktuell nutzbare mPayment-Lösung, wurde im Sommer 2014 als erste in der Schweiz lancierte. Sie wird diesen Sommer eingestellt. Swisscom, das größte Schweizer Telekommunikationsunternehmen und mehrheitlich in Staatsbesitz, hatte Tapit zusammen mit den Konkurrenten Sunrise und Salt, (damals noch Orange) sowie der Schweizer Cornèr Bank und Visa Europa euphorisch ins Leben gerufen.Der auf NFC-Kommunikation beruhenden Bezahl-App war jedoch kein Erfolg beschieden. Die Einstellung von Tapit wurde bereits letztes Jahr beschlossen. Der Swisscom sei es nicht gelungen, die Banken für Tapit zu gewinnen, gab der Konzern zu.

Für das nun beschlossene gemeinsame System soll alles besser werden.Twint, herausgegegeben von der Schweizer Postbank "Postfinance", ist schon bisher unabhängig vom Telekomanbieter. Auch muss der Nutzer kein Postfinance-Kunde sein. Die Bezahl-App funktioniert mit Kreditkarten, dem Bank- oder Postkonto oder per Vorauszahlung wie bei einer Prepaid-Karte. Zahlungen an der Ladenkasse werden bei Twint via Bluetooth an einem eigenen Terminal vorgenommen. Im November 2015 hat Twint ein Update vorgestellt, das zusätzlich die Möglichkeit verfügbar machte, Geld von Smartphone zu Smartphone zu überwiesen.

Ebenfalls 2015 lancierten die Banken UBS, die ZKB und die SIX Financial Group sowie vier weitere beteiligte Schweizer Banken Paymit. Auch die Swisscom hatte sich vergangenes Jahr zu Paymit gesellt. Die Lösung war die erste Peer-to-Peer-Payment-App mit der zwischen Mobiltelefonen bankunabhängig Zahlungen in Echtzeit vorgenommen werden können. Freilich muss mindestens ein Finanzinstitut dazwischen geschaltet sein.

Allerdings war dies zunächst die einzige Funktion von Paymit. Vor wenigen Wochen wurde das System aber erweitert und es kann mittels eines einzuscannenden QR-Codes an PoS-Terminals (Point-of-Sales), aber auch E-Commerce-Anwendungen bezahlt werden. Auch für In-App-Lösungen lässt sich Paymit nun nutzen - zumindest bis zur Migration auf die erwartete gemeinsame Twint Pay-App. Noch muss diese aber erst einmal von der zuständigen Wettbewerbskommission genehmigt werden

Die neue gemeinsame Schweizer mPayment-Lösung soll an der Ladenkasse ebenso funktionieren wie in Online-Shops, als P2P- und In-App-Lösung, an Kassenterminals und Automaten. Auch Überweisungen unter den Nutzern sollen weiterhin möglich sein. Technisch soll die neue Lösung offen sein und Bluetooth, QR-Codes und die Funktechnologie NFC integrieren.

Bei Tausenden von Anbietern wird man mit der neuen Twint künftig zahlen können, wobei bestehende Terminals weiter nutzbar sein sollen. Auch Mehrwertleistungen wie Kundenkarten, Stempelkarten oder Promotionsrabatte sollen damit auf dem Smartphone angeboten werden. Das Konsortium hinter Twint erhofft sich von all dem eine möglichst rasche und weitreichende Marktdurchdringung.

Betrieb und Weiterentwicklung des neuen Twint-Systems wird von einem eigenen Unternehmen namens Twint AG durchgeführt, an dem die fünf Banken und die SIX beteiligt sind. Die bisherigen Partner, wie die Swisscom, werden weiterhin bei Twint mitmachen, hiess es. Das Bezahlsystem soll im Herbst 2016 den Betrieb aufnehmen. (dwi)

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