Gemischte Reaktion auf Härtetest für Elektro-Motorräder

Das weltweit erste Straßenrennen elektrisch angetriebener Motorräder im Rahmen der Tourist Trophy auf der Isle of Man hinterlässt ein gespaltenes Echo. Sowohl Kritiker als auch Fans der E-Bikes sehen sich bestätigt.

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Das weltweit erste Straßenrennen elektrisch angetriebener Motorräder hinterlässt ein gespaltenes Echo. Sowohl Kritiker als auch Fans der E-Bikes sehen sich bestätigt, berichtet Technology Review in seiner aktuellen Ausgabe (am Kiosk oder portokostenfrei online hier zu bestellen).

Insgesamt fünfzehn Teams waren Anfang Juni auf die Isle of Man gereist, um sich beim weltweit ersten Rennen für E-Bikes zu messen – dem TTXGP (Time Trials Extreme Grand Prix). Die Elektromotorräder sollten jenen 60 Kilometer langen Rundkurs aus normalen Landstraßen in Angriff nehmen, auf dem seit 1911 die Tourist Trophy, das älteste und härteste Motorradrennen der Welt, stattfindet. Dass ausgerechnet hier, im Mekka der Geschwindigkeit, die als eher gemächlich geltende elektrische Fahrweise ihre Premiere im Motorsport hat, ist kein Zufall. "Um genügend hochwertige Teilnehmer motivieren zu können, brauchte ich ein Rennen, bei dem es wirklich etwas bedeutet, zu gewinnen", sagt Azhar Hussein, Londoner Geschäftsmann und Initiator des TTXGP. "Und es bedeutet etwas, eine Tourist Trophy zu gewinnen."

Die technischen Herausforderungen dieser Strecke sind beachtlich, denn die wenigen Elektro-Zweiräder, die es bereits zu kaufen gibt, sind entweder Stadtroller mit wenig Leistung oder Motocross-Maschinen mit geringer Reichweite. In den USA gibt es zwar Dragster-Rennen für Elektrobikes, doch die müssen nur eine Viertelmeile weit kommen. Und im Vergleich zu Elektroautos sind Strom-Motorräder noch eine Stufe komplizierter, weil alle Komponenten auf kleinstem Raum untergebracht werden müssen.

In den Internet-Foren sehen sich nach dem Rennen denn auch die Kritiker bestätigt, die dem Stromantrieb von Anfang an nicht viel zugetraut haben: Die klügsten Köpfe der Szene, argumentieren sie, bauen mit Highend-Material Maschinen, die gerade einmal so schnell fahren wie eine 50er vor mehr als vier Jahrzehnten – der Sieger, eine umgebaute Suzuki des britisch-indischen Teams Agni fuhr ein Durchschnittstempo von 141 km/h. Sieben der 16 angetretenen Bikes haben es nicht einmal bis ins Ziel geschafft.

Unter den Teilnehmern selbst sind die Meinungen darüber gespalten, ob der TTXGP wirklich einen Durchbruch für die Elektromobilität bedeutet. Simon Maddison vom britischen Institute of Engineering and Technology, Berater und Technischer Direktor des TTXGP, fasst die Debatte so zusammen: "In fünf Jahren kommt vielleicht jemand und sagt: 'Was für eine Zeitverschwendung', weil dieser oder jener Antrieb viel effizienter ist. Aber wir haben es wenigstens versucht."

Große Begeisterung kommt allerdings ausgerechnet von den Fahrern der Elektrobikes – allesamt erfahrene Rennpiloten und somit eigentlich eher den "Petrol Heads", den Benzinköpfen, zuzurechnen. "Es war ab-so-lut fantastisch", gibt Agni-Pilot Rob Barber nach seinem Sieg zu Protokoll. Seine Maschine sei "bemerkenswert ähnlich zu einem normalen Bike" – abgesehen davon, dass man tatsächlich den Applaus des Publikums hören könne. "Ich habe nicht geglaubt, an einigen Stellen bremsen zu müssen, aber ich habe es getan", staunt Barber. Mark Miller, Fahrer des amerikanischen MotoCzysz-Teams, ergänzt: "Sogar der Sound ist cool."

Als Sportveranstaltung wird das Elektrorennen auf jeden Fall eine Zukunft haben. Der internationale Motorradsport-Verband FIM hat keine zwei Wochen nach dem TTXGP bekannt gegeben, für die Saison 2010 eine Elektro-Rennserie ins Leben zu rufen. Zudem soll es in Zukunft auch einen Wettbewerb für Elektroautos geben.

Siehe dazu auch in in TR 08/2009:

(Gregor Honsel) / (wst)