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Gemischtes Echo auf "E-Mail Made in Germany"

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Die neue Initiative von Telekom und United Internet für mehr E-Mail-Sicherheit wird unterschiedlich aufgenommen. Während Regierung und Datenschützer "E-Mail Made in Germany" als Schritt "in die richtige Richtung" begrüßen, dabei aber auch auf De-Mail als Alternative hinweisen, halten die Aktivisten von Netzpolitik.org das Ganze für eine "reine Marketing-Kampagne".

Der Vorstandsvorsitzende der United Internet AG, Ralph Dommermuth (l), und Telekom-Chef René Obermann arbeiten bei "E-Mail Made in Germany" zusammen.

(Bild: dpa)

Telekom und United Internet, zu dem die E-Mail-Provider GMX und Web.de gehören, haben am Freitag in Berlin ihre Initiative "E-Mail Made in Germany" vorgestellt. Sie wollen E-Mails zwischen ihren Servern grundsätzlich mit SSL/TSL verschlüsseln. Zudem sollen die E-Mail-Daten "in sicheren Rechenzentren in Deutschland" gespeichert werden. Telekom-Chef René Obermann hofft, dass sich Wettbewerber wie Freenet oder Arcor anschließen werden. Geprüft werde derzeit, wie die Tochterfirmen Strato (Telekom) und 1&1 (United Internet) in das System eingebunden werden können

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) begrüßte die Brancheninitiative: "Mit dieser Verschlüsselung werden die Zugriffsmöglichkeiten Unberechtigter weiter erschwert", erklärte Friedrich in einer Mitteilung des Ministeriums und nutzte zugleich die Gelegenheit, ein bisschen für De-Mail zu werben. "Darüber hinaus aber bietet die De-Mail den Vorteil einer eindeutigen Identifizierung von Absender und Empfänger und vor allem Rechtsverbindlichkeit."

Auch der Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit, Peter Schaar, befürwortete die Aktion: "Es ist ein Schritt in die richtige Richtung, dass sich die beiden wichtigsten deutschen Anbieter von E-Mail-Diensten auf einen gemeinsamen Verschlüsselungsstandard geeinigt haben, den die Nutzer ohne besondere zusätzliche Fachkenntnisse in Anspruch nehmen können", erklärte Schaar. Auch wenn es sich dabei wie bei De-Mail nicht um eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung handele, werde die Kommunikation im Vergleich zu unverschlüsselter E-Mail deutlich besser gegen unberechtigte Kenntnisnahme geschützt.

"Es gibt effektive Möglichkeiten, die Kommunikationswege sicher zu gestalten und Informationen zu schützen. Diese müssen wir als Standard in Deutschland und Europa durchsetzen", fordert Unions-Fraktionsvize Michael Kretschmer. "Die neue Initiative 'E-Mail made in Germany' zeigt, wie es geht: Daten gehören in sichere Rechenzentren in Deutschland, Provider müssen ihren Nutzern praktikable Verschlüsselungsmöglichkeiten anbieten und E-Mails müssen mit Sicherheitsstandards gekennzeichnet werden."

Aktivisten von Netzpolitik.org bezeichnen den Vorstoß von Telekom und United Internet als "reine Marketing-Kampagne für eine längst überfällige Einstellung im Setup der Mail-Server ohne wirklich eine neue Stufe an Sicherheit zu erreichen. Das einzige, was neu ist, ist die Verwendung von Verschlüsselung auf dem Transportweg (SSL/TLS) zwischen Sender und Mail-Server sowie zwischen den Mail-Servern der zwei Firmen untereinander." Dass das Versenden von Mails überhaupt noch unverschlüsselt möglich war, sei ein Unding. Das Fazit von Netzpolitik: "Unbedingt meiden." (vbr)

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