Menü

Generali will Krankenversicherte per Fitness-Rabatt-App beobachten

Die Krankenversicherung der Generali lässt sich von Protesten von Verbraucher- und Datenschützern nicht abhalten: Ab 2016 will sie Kunden belohnen, die Informationen über ihren Lebensstil per App preisgeben.

Von
vorlesen Drucken Kommentare lesen 159 Beiträge
Generali will Krankenversicherte per Fitness-Rabatt-App beobachten

Was genau die App der Krankenversicherung tracken wird, ist bisher unklar.

(Bild: c't)

Das Vorhaben der Generali-Krankenversicherung, per App Kunden zu durchleuchten und eine gesunde Lebensführung mit Rabatten oder Gutscheinen zu belohnen, nimmt laut Euro am Sonntag Gestalt an. "Wir gehen davon aus, dass wir im ersten Halbjahr 2016 mit ersten Produkten auf den Markt kommen", sagte eine Sprecherin des Unternehmens in dem Wirtschaftsmagazin. Dabei sollen Datenschutz und Transparenz "höchste Priorität" haben. Die öffentliche Diskussion über derlei Ansätze müsse "auch chancenorientiert geführt werden" und dürfe nicht nur vor Risiken warnen, erklärte die Sprecherin weiter.

Wie genau die App und das "verhaltensbasierte Versicherungsmodell" dahinter funktionieren sollen, ist noch nicht bekannt. Berichten zufolge sollen die Teilnehmer über das Smartphone Vorsorgetermine dokumentieren, Schritte zählen, sportliche Aktivitäten messen und Ernährungsgewohnheiten registrieren. Als Dank für die Datenpreisgabe sind Geschenke wie Reisen oder Fitnesskurse, aber auch günstigere Prämien im Gespräch.

Daten- und Verbraucherschützer protestieren seit Längerem gegen das Vorhaben. Einen "verführerischen Nutzen" hatte Klaus Müller, Vorsitzender des Bundesverbands der Verbraucherzentralen (vzbv), jüngst in derlei Apps und zugehörigen Big-Data-Anwendungen ausgemacht. Es sei zwar wenig dagegen zu sagen, wenn Offerten fürs "Nudging" eingesetzt würden, also zum richtigen Verhalten "anstupsten". Eine Grenze sei aber erreicht, wenn das begleitende Scoring nicht überprüf- und korrigierbar sei, in Lebenschancen eingreife oder die Datenherausgabe erzwungen werde.

Wenn man sich mithilfe von Wearables wie Fitbit-Bändern "total nackig machen" müsse, "verlässt das den Charakter einer Versicherung", betonte Müller. Das Kollektiv schütze dann nicht mehr. Das Individuum dürfe nicht ständig in seinem tagtäglichen Verhalten "optimiert" werden. Der aus dem Amt scheidende schleswig-holsteinische Datenschutzbeauftragte Thilo Weichert meint, es sei hilfreich, wenn sich die Betroffenen stärker in die Diskussion einbrächten, "wie wir Big Data gestalten und noch eine Art 'analoge Autonomie' wahren können".

Die Allianz-Versicherung hat vergangene Woche erneut solche Vorhaben abgelehnt. "So verlockend das für manchen klingen mag, so falsch ist der Ansatz", konstatierte Birgit König, Chefin der privaten Krankenversicherung des Konzerns, in der Wirtschaftswoche. Wer sich nur eingeschränkt bewegen könne, werde so vom System bestraft und müsse einen höheren Beitrag leisten, hieß es zur Begründung. (rsr)

Anzeige
Anzeige