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Genesis und Kampf: 40 Jahre Space Invaders

Eines war gewiss: Wer Space Invaders spielte, bekam einen hohen Puls und war schon nach einem Durchgang fix und fertig. Danach ging es trotzdem gleich weiter.

Genesis und Kampf: 40 Jahre Space Invaders

(Bild: Coentor (Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported ))

Goldene Jahre, drei legendäre Spiele, ein Held und das am Ende triumphierende Böse: Den 40. Geburtstag von Space Invaders muss man mit großen Worten begehen. Eingerahmt von Titanen wie Pong und Pac-Man, mitverantwortlich für die goldene Zeit der Spielhallen, Macher des Atari VCS – am 19. Juni 1978 erschienen, trägt ein technisch simpler Arcade-Titel dem Atlas gleich die Spielewelt auf seinen Schultern.

Nicht, weil es eine technische Revolution einläutete. Auch nicht, weil zu viele Portierungen erschienen. Noch, weil es inflationsbereinigt über 10 Milliarden US-Dollar aus Hosentaschen zog. Unzählige andere Spiele können wenigstens eines hiervon, manche alles drei für sich beanspruchen. Space Invaders ist heute die Ikone, die sie ist, weil das Spiel im Gegensatz zu allen anderen zwei elementare Geschichten erzählen kann, die es ins Reich der Legenden aufsteigen lassen.

Space Invaders gab es in verschiedenen Konsolenausführungen.

(Bild: Tomomarusan (Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported))

Fast schon zu heroisch ist das Werk des Nishikado Tomohiro, eines Mannes, der alleine auszieht, den Spielern den erfolgreichsten Arcade-Hit aller Zeiten zu bringen. In einem Jahr schrieb er nicht nur alleine den Code, sondern verknüpfte als erster auch noch Konzepte wie High Scores mit dem Spielerlebnis. Wofür Firmen heute Mannschaften benötigen, verließ sich Hersteller Taito ganz auf das schöpferische Können Tomohiros.

Nebenbei musste Tomohiro die Hardware mit einem ihm unbekannten Prozessor selbst entwickeln und schaffte es, dessen ungenügende Leistung als elementaren Bestandteil ins Spiel einfließen zu lassen. Nur dank der langsamen CPU nehmen die Invader an Tempo auf, je mehr der Spieler bereits abgeschossen hat.

Und diese Grenzen führten zu Schweißausbrüchen und Herzrasen, als sich die Massen der Herausforderung stellten. Leider kannten damals nur wenige Spieler Nishikado Tomohiro, noch feierte die Industrie ihre Designer nicht wie Rockstars. Vielmehr fesselte sie die erbarmungslose Komposition aus Kampf und Geschwindigkeit an die Joysticks der 360.000 Automaten. Sich diesem Konflikt zu stellen, ist die Grundfeste allen Arcades – und Konsolen der Zeit, denn allein Space Invaders konnte die Verkäufe des noch jungen Atari VCS vervierfachen.

Quelle: William Hunter

Wo Pong die Spieler gegeneinander antreten ließ, bis einer der beiden elf Punkte erreichte, und Pac-Man zum liebgewonnenen Knuddelherz aufstieg, mauserte sich ausgerechnet der Invader aus der dritten Reihe zum Symbol aller Spiele überhaupt. Kaum jemand denkt an die Laserkanone. Niemand kann gegen den Invader gewinnen, doch reizt er den Spieler immer wieder aufs neue zum Kampf gegen die unaufhaltsame Flut.

Schließlich ist es das, was Spieler in den Jahren der Arcades wie heute suchen: Sich gegen die Maschine zu beweisen, zu verstehen, dass man verliert, und es trotzdem zu versuchen. Zu sehen, wie weit man kommt, selbst im sicheren Wissen, dass sich der eigene Körper ermattend am Ende vor dem schonungslos triumphierenden Invader verbeugen muss. Ohne ihn wäre der Spieler nichts, wahrlich hat er seinen Platz auf dem Podest auch noch nach vier Jahrzehnten verdient. (Moritz Förster) / (olb)

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