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Technology Review

Genetik: Erstmals genmanipulierte Babys geboren

Die chinesischen Mädchen wurden als Embryonen genetisch modifiziert. Experten fürchten einen Verstoß gegen Menschenrechte und einen GAU für die Forschung.

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Forscher-Kollegen kritisieren Embryo-Versuche mit CRISPR von US-Wissenschaftlern

(Bild: OHSU)

In China sind offenbar zwei Babys geboren worden, deren Erbgut mit der Gen-Schere Crispr manipuliert wurde. Ein Team der Southern University of Science and Technology im chinesischen Shenzhen hatte nach eigenen Angaben künstlich befruchtete Embryonen mit der Gen-Schere behandelt, bevor sie in die Gebärmutter eingesetzt wurden. Dabei wurde laut den klinischen Unterlagen der Studie die Erbgutanlage CCR5 der Embryonen zerstört. Fehlt dieses Gen, sollen die Kinder im Laufe ihres Lebens keine Infektion durch HIV erleiden können. Eines der Paare der Studie wurde vor wenigen Wochen Eltern der Zwillingsmädchen Nana und Lulu. Das berichtet Technology Review online in „Sind die CRISPR-Babys da?“.

Die Geburt der ersten genetisch maßgeschneiderten Menschen wäre eine erstaunliche und umstrittene Leistung. Eine geprüfte wissenschaftliche Veröffentlichung zu dem Eingriff gibt es nicht. Wissenschaftler weltweit reagierten entsetzt auf die Meldung des chinesischen Forscherteams um ihren Leiter He Jiankui. Sie sehen das Tor zu Designer-Babys und einer neuen Form der Eugenik weit aufgestoßen.

"Bei den Experimenten handelt es sich um unverantwortliche Menschenversuche", betonte Peter Dabrock, Vorsitzender des Deutschen Ethikrats. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt seien solche Ansätze aufs Schärfste zu kritisieren. Die Grundlagenforschung zur Genschere Crispr/Cas sei weit entfernt vom Einsatz beim Menschen. "Die Neben- und Spätfolgen sind noch unabsehbar und schwer zu kontrollieren." Die Zukunft der genveränderten Kinder sei vollkommen ungewiss.

Der Versuch, Kinder vor HIV zu schützen, fällt in eine ethische Grauzone zwischen Behandlung und Verbesserung. Das Verfahren heilt keine Krankheit oder Störung im Embryo, sondern will einen Gesundheitsvorteil schaffen.

"Wenn sich das bestätigt, stellt diese Arbeit einen Bruch mit dem zurückhaltenden und transparenten Vorgehen der globalen Wissenschaftsgemeinde bei der Anwendung von Crispr/Cas9 zum Editieren der menschlichen Keimbahn dar", sagte die US-Biochemikern Jennifer Doudna. Es sei dringend erforderlich, der Genmanipulation bei Embryos klare Grenzen zu setzen. Sie dürfe nur dort zum Einsatz kommen, wo eine deutliche medizinische Notwendigkeit bestehe und keine andere Behandlungsmethode existiere.

He verkündete, dass die auf die Welt gekommenen Mädchen so gesund seien wie andere Babys auch. In einer Ethikerklärung aus dem Jahr 2017 schrieben er und sein Team: „Im härter werdenden globalen Wettstreit um die Genmodifizierung hoffen wir, herausragend zu sein“. Sie prognostizierten, dass ihr Durchbruch die Erfindung der In-vitro-Fertilisation „übertreffen“ würde. Deren Entwickler war 2010 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet worden.

Mehr dazu bei Technology Review online:

(anwe)

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