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Geo-Endung .nrw: Die Runde ist vollendet

Auch das bevölkerungsreichste Bundesland hat nun eine eigene Top Level Domain. Seit heute ist .nrw offiziell registrierbar, als achte und letzte deutsche Regionalendung.

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(Bild: nic.nrw)

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Um 11 Uhr ist der Startschuss für http://nic.nrw/ gefallen. Die Webadressen sind nicht für jeden zugänglich, sondern werden nur an Personen, Firmen oder Organisationen mit einer Postleitzahl in NRW vergeben. Die Preise differieren, je nach Registrar, zwischen knapp 23 und bis zu 90 Euro für das erste Jahr.

Wie von der Internetverwaltung ICANN vorgeschrieben, konnten Markeninhaber ihre Ansprüche unter besonderen Bedingungen schon zuvor sichern. 30 solcher Marken-Registrierungen gab es, unter anderem für chanel.nrw und apple.nrw. Zudem veranstaltete .nrw im gleichen Zeitraum ein "Qualified Launch Programm", bei dem Domains vorab zu Promotion-Zwecken vergeben wurden. Darin launchte das Land vor einer Woche unter open.nrw sein neues Open-Data-Portal.

Nicht alle Adressen sind verfügbar. 400 politisch anstößige oder illegale Begriffe sind gesperrt und die Verwaltung hat sich einige tausend Adressen reservieren lassen. Nach Auskunft von Oliver Moritz von der Pressestelle des Ministeriums für Inneres und Kommunales NRW hat das Land etwa 4000, die Kommunen etwa 2500 solcher Reservierungswünsche angemeldet. Hinzu kommen Begriffe für diverse Online-Angebote des Landes. Einige der Domains sollen für Behörden und andere Einrichtungen frei registrierbar sein, andere können käuflich erworben werden. Geschieht das nicht, werden sie freigegeben.

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Hintergrund: ein Finanzinvestor

Technischer Partner für das Backend ist die Dortmunder Knipp Medien und Kommunikation GmbH. .nrw-Betreiber ist die Münchener Minds + Machines Gmbh, eine Tochter der mittlerweile in Minds + Machines Group umbenannten Top Level Domain Holdings Ltd.. Die an der Londoner Börse gelistete Firma mit Sitz auf den britischen Jungferninseln hält 80 Prozent der Anteile an der Minds + Machines GmbH. Mit ursprünglich 92 Bewerbungen um neue Endungen ist sie eine der ganz Großen im globalen TLD-Geschäft. In Deutschland steht sie hinter .bayern. Bei .berlin und .hamburg war die TLDH bei einer Ausschreibung um die Unterstützungsschreiben der jeweiligen Städte leer ausgegangen.

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Zudem gibt es zwei Premiumlisten. Schon zum Start wird eine nicht genannte Zahl an besonders attraktiven Domains zu höheren Preisen vergeben, beispielsweise .nrw-Adressen mit den Begriffen "Arzt", "Sex" oder "Software". Sie lassen sich nur über vier der 28 beteiligten Registrare kaufen. Sie werden dort für teilweise mehrere tausend Euro angeboten. Weitere Premium-Adressen sollen nach Aussage des .nrw-Betreibers erst später auf den Markt geworfen werden, in einem noch zu definierenden Verfahren und unter Auflagen: "Hier soll auch dafür gesorgt werden, dass bestimmte Begriffe auch einen dem Begriff entsprechenden Inhalt widerspiegeln", sagt Caspar von Veltheim, Geschäftsführer der Minds + Machines GmbH. Ob es dann Auktionen oder Festpreise geben wird, stehe noch nicht fest.

Alle Geo-Endungen mussten solche Schreiben der Verwaltungen einholen. Zwar gab es laut Auskunft des Landes NRW vor der .nrw-Ausschreibung verschiedene Interessensbekundungen, eine konkrete Bewerbung aber nur von Minds + Machines. Im Gegenzug für die Unterstützung sichern sich die Länder- oder Städte-Verwaltungen in der Regel Privilegien zu. Bei .nrw ist das die Whitelist mit reservierten Begriffen. Zudem wird das Land mit 20 Prozent an allen Einnahmen des Betreibers pro Kalenderjahr beteiligt.

Mit .nrw ist die letzte der acht deutschen Geo-Endungen gestartet, nachdem sie am Wochenende schon vom Wirtschaftsminister als "neue virtuelle Heimat im Netz" angekündigt worden war. Und die sind regional sehr ungleich verteilt. In NRW gibt es vier Endungen, neben .nrw auch .koeln, .cologne und .ruhr. Zudem haben Hamburg, Berlin, Bayern und das Saarland eigene TLDs. Die fünf neuen Bundesländern sind mangels finanzkräftiger Bewerber leer ausgegangen.

Geo-Endungen werden in der Domain-Branche die größten Erfolgs-Chancen eingeräumt. Das bestätigt sich auch hierzulande. Die acht anderen deutschen TLDs haben durchschnittlich nur etwa 4000 registrierte Adressen verkauft, die Ladenhüter .reise und .schule laut Zahlen des Branchendienstes ntldstats gerade einmal um die 1300 Domains. Bei den meisten Geo-TLDs läuft es deutlich besser. .berlin ist mit um die 157.000 registrierten Adressen weltweit die vierterfolgreichste neue Endung, was aber teilweise auch auf eine Rabatt- und Verschenk-Auktion im Sommer 2014 zurückging. Die kleinste deutsche Geo-Endung ist .saarland.

(anw)