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Geocaching kann Vogelbrut gefährden

Geocaching kann Vogelbrut gefährden

Naturschützer sind besorgt, dass die zunehmende Verbreitung des Geocaching dazu führt, dass gefährdete Vogelarten in ihrem Brut- und Jagdverhalten gestört werden.

Geocaching als moderne Schnitzeljagd existiert seit dem Jahr 2000. Dabei sind Ortsangaben in Form von GPS-Koordinaten die Hinweise, mit denen die Schatzsucher einen versteckten Behälter auffinden[1] müssen. Darin sind die Koordinaten für den nächsten Suchort. Am Ende einer Kette von gefundenen Hinweisen steht ein größerer Behälter, in dem sich der Finder in einer Art Schatz-Tagebuch einträgt. Mit der Verbreitung GPS-fähiger Handys gewinnt diese Freizeitbeschäftigung immer mehr Anhänger.

Naturschützer haben jetzt mehr Sensibilität der Geocacher für die heimische Tier- und Pflanzenwelt angemahnt. Zwar bemüht sich die Szene im Internet zusehends um Regeln für ein "umweltverträgliches Geocaching". Sorgen machen sich die Naturschützer dennoch.

Uhu
Uhus mögen keine Geocacher - wenn die ihre Schätze in der Nähe von Brutplätzen verstecken. (Bild: dpa)

Manche Anhänger der modernen Schnitzeljagd unterschätzten anscheinend, was es bedeute, wenn sie mit ihrem Hobby seltene Vogelarten beim Brüten störten, warnt etwa der bayerische Landesbund für Vogelschutz (LBV). So hat die LBV-Artenschutz-Expertin Christiane Geidel jüngst bei einer Untersuchung festgestellt, dass sich im felsigen Altmühlthal etliche sogenannte Caches – das sind die Verstecke – unweit von Nistmulden bedrohter Vogelarten wie Uhu oder Wanderfalke befinden.

Bisweilen lägen die Verstecke der "Schatz"-Dosen nur wenige Meter davon entfernt, hat sie anhand der im Internet veröffentlichten Geo-Koordinaten der Caches herausgefunden. Trotzdem warnt Geidel vor pauschalisierenden Vereinfachungen. "Je nachdem, wo er angebracht ist, stört manchmal ein nah gelegener Cache weniger als einer, der zweihundert bis dreihundert Meter von dem Nistplatz entfernt liegt", schildert sie.

So seien Felsverstecke in der Nähe eines beliebten Aussichtspunktes neben dem darunter liegenden Nistplatz eines Wanderfalken relativ unproblematisch. "Die dort nistenden Tiere sind Menschen gewöhnt und werden daher auch von gelegentlich auftauchenden Geocachern nicht sonderlich beunruhigt, solange diese sich nur auf dem Aussichtsplatz aufhalten", schildert Geidel.

Tauchten die elektronischen Schatzsucher dagegen in kaum begangenen Naturarealen auf, in denen sich Brutplätze oder sogenannte Rupfkanten befinden, auf denen Wanderfalken ihre Beute zerlegen, dann bedeute das für die Vögel Stress. Häuften sich solche Störungen, würden Wanderfalke und Uhu ihre ohnehin schon raren Nist-, Fress- und Ruheplätze aufgeben. Nach LBV-Erkenntnissen gibt es derzeit in Bayern nur noch rund 550 bis 600 Uhu-Brutpaare[2].

Zwar sei die Bedrohung durch Geocacher bislang noch überschaubar, betont Geidel. "Allerdings ist das Geocaching eine Freizeitsportart, die noch wachsen wird. Man muss sich daher in Zukunft damit
befassen", sagt sie. Für die Ingenieurin für Naturschutz und Landschaftsplanung wird es daher immer wichtiger, dass Naturschützer künftig enger mit der Geocacher-Szene zusammenarbeiten.

Eine Kooperation sei allerdings schwierig, weil Geocacher nicht in Vereinen organisiert seien. Man werde sich daher um eine Selbstkontrolle der Szene in Sachen Naturschutz bemühen müssen. Dies geschehe zum Teil bereits auf wichtigen Webseiten der Szene, wie geocaching.com[3] oder geocaching.de[4]. Künftig sollten auch die Hersteller von GPS-Geräten die Geocacher stärker für Naturschutzbelange sensibilisieren, findet sie.

Ähnlich wie der Bund Naturschutz in Bayern (BN) und die bayerischen Naturfreude wendet sich auch der LBV dagegen, Geocaching generell zu verteufeln. Alle drei Organisationen sehen darin die Chance, mittels der elektronischen Schatzsuche gerade junge Leute vom Computer weg und in die Natur zu locken.

Auch in der gut vernetzten Szene der Geocacher wird dieses Thema diskutiert. Auf dem Wiki geocaching-dialog sind Anhänger der GPS-gestützten Schatzsuche aufgefordert, über naturverträgliches Geocaching zu diskutieren[5]. Empfehlungen sollen in Form von Comics zu weiter Verbreitung führen. Allerdings ist die Beteiligung am Wiki recht gering, im letzten Monat wurden keine Beiträge erstellt oder geändert. (Mit Material der dpa) / (imj[6])


URL dieses Artikels:
http://www.heise.de/-2621347

Links in diesem Artikel:
[1] http://cre.fm/cre204-geocaching
[2] http://www.lbv.de/unsere-arbeit/vogelschutz/uhu/aktuelles.html
[3] https://www.geocaching.com/
[4] http://geocaching.de
[5] http://geocaching-dialog.de/
[6] mailto:imj@heise.de