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Georgia: Daten eines umstrittenen Wahl-Servers gezielt gelöscht

Techniker des Center for Election Systems im US-Bundesstaat Georgia haben einen Computer "bereinigt", der im Zentrum einer Klage gegen die Behörden wegen möglicher Wahlmanipulationen steht. Der Verdacht der Vertuschung liegt nahe.

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Georgia: Daten eines umstrittenen Wahl-Servers gezielt gelöscht

(Bild: kgroovy, CC BY-SA 2.0 )

Der Streit über einen zentralen Wahlcomputer im US-Bundesstaat Georgia, der laut einem Sicherheitsexperten lange offen wie ein Scheunentor am Netz hing, nimmt mysteriöse Züge an. Techniker des Center for Election Systems an der Kennesaw State University, die das Wahlsystem von Georgia betreibt, haben umfangreiches Datenmaterial von dem Server gelöscht. Dies berichtet die US-Nachrichtenagentur AP. Der Rechner steht im Mittelpunkt einer Klage von Bürgerrechtsorganisationen gegen die Behörden wegen möglicher Wahlmanipulationen.

Den Weg vor Gericht hat unter anderem die "Coalition for Good Governance" am 3. Juli beschritten. Sie will nach den Berichten über die klaffenden Sicherheitslücken auf dem Server erreichen, dass die jüngste Wahl in Georgia annulliert wird und ein erneuter Urnengang angesetzt wird. In dem Bundesstaat hatte sich eine sehr knappe Mehrheit für Donald Trump als US-Präsident ausgesprochen. Die Verwaltung soll zudem das Wahlsystem überprüfen. Den Einsatz der als veraltet geltenden Technik bei den Kommunalwahlen im November will die Koalition verhindern.

Der umkämpfte Wahlrechner erlitt den "Datenverlust" am 7. Juli, also vier Tage nach Klageerhebung. Dies soll aus einer E-Mail hervor gehen, die ein Staatsanwalt an die Beschwerdeführer schickte. Die Löschaktion wird dem Bericht nach auch von anderer elektronischer Kommunikation erwähnt, die die Aktivisten über eine Informationsfreiheitsanfrage erhalten haben. Auch zwei Backups der Serverdaten wurden demnach am 9. August gelöscht, als die Klage ihren Lauf nahm.

Wer die Systembereinigung angeordnet hat, ist bislang unklar. Ein Sprecher von Georgias Staatsminister Brian Kemp, gegen den sich die Klage vor allem richtet, betonte, dass der Republikaner und sein Büro nicht involviert gewesen seien und vorab von der Entscheidung nichts gewusst hätten. Das Betriebszentrum sei offensichtlich "ungeeignet", seinen Aufgaben angemessen nachzukommen. Das Center for Election Systems rang sich nach über 24 Stunden Bedenkzeit zu der Stellungnahme durch, dass es sei bei der Systemsäuberung um eine "Standard-Betriebsmaßnahme" gehandelt habe.

Die Direktorin der Coalition for Good Governance, Marilyn Marks, befürchtet, dass es mit der angestrengten Untersuchung des Servers, in dem unter anderem Daten von 27.000 als unsicher geltenden AccuVote-Wahlterminals ohne Papierausdruck zusammenlaufen, nun nichts mehr wird. Sie charakterisiert den Vorgang als "heimtückisch und höchst verdächtig". Computerforensiker stünden nun mit leeren Händen da, bestätigte der Informatiker Richard DeMillo von der Georgia-Tech-Universität: Wer nichts zu verbergen habe, handle nicht in dieser Form.

Der Sicherheitsforscher Logan Lamb hatte im Herbst 2016 gravierende Mängel an dem Server entdeckt. Mit dort offen gelagerten Daten hätten Angreifer umfangreich Einfluss auf die Wahlen nehmen können, offenbarte er im Juni. Hacker hätten Wählerverzeichnisse genauso ändern können wie Ergebnislisten, gab er zu bedenken. Angesichts der Debatte über russische Manipulationsversuche nahm auch das FBI Ermittlungen auf.

Ein Hoffnungsschimmer bleibt den Klägern in diesem Zusammenhang noch: Die Fahnder sollen im März eine Kopie des Servers gezogen haben, als sie die Sicherheitslücken untersuchten. Georgias Generalstaatsanwaltschaft hat angekündigt, dieses Material als Beweismaterial vor Gericht nutzen zu wollen. Ein FBI-Sprecher hielt sich aber zunächst bedeckt, ob die Kopie noch existiert oder ob sie zumindest bereits ausgewertet worden ist. (Stefan Krempl) / (anw)

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