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Gerichtlich angeordnete iPhone-Entsperrung: Streit zwischen Silicon-Valley-Firmen und US-Behörden verschärft sich

Die Firmen des Silicon Valley stellen sich zunehmend gemeinsam gegen die Forderung der US-Behörden, ihre Systeme für die Strafverfolgung zu schwächen. Der Streit kocht hoch. Derweil will John McAfee das Problem schnell lösen.

Apple

(Bild: dpa, Monica Davey)

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Nachdem ein US-Gericht Apple aufgefordert hat, das iPhone eines Attentäters zu entsperren, und Apple-Chef Tim Cook diese Forderung zurückwies, verschärft sich der Ton zwischen den Firmen des Silicon Valley und den US-Verfolgungsbehörden spürbar. Mittlerweile steht nicht nur Googles Chef Sundar Pichai an Tim Cooks Seite, auch der Twitter-Chef Jack Dorsey lobte die Gegenwehr Cooks und versprach an dessen Seite zu stehen.

Auch Facebook hat sich in die Debatte eingeschaltet und machte in einem Statement an die Presse deutlich, dass das Unternehmen Terrorismus verurteile, solidarisch mit den Opfern sei und auch die Arbeit der Behörden sehr schätze – allerdings kämpfe auch Facebook "aggressiv" gegen Forderungen, dass IT-Unternehmen ihre Sicherheits-Infrastruktur für Ermittlungsbehörden schwächen sollen. Whatsapp-Gründer Jan Koum warnte ebenfalls vor einem gefährlichen Präzedenzfall.

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Gleichzeitig schallt es von Seiten der US-Behörden scharf zurück. Cyrus Vance, Staatsanwalt des Manhattan District, äußerte laut Wall Street Journal, dass der Fall zeige, "wie die Entscheidungen des Silicon Valley die Aufklärung von Verbrechen vereitle und so die öffentliche Sicherheit gefährde". Ein Sprecher des Suffolk County, Jake Wark, soll damit gedroht haben, einen weiteren vergleichbaren Fall vor Gericht zu bringen. Man müssen nur "den richtigen Fall finden".

Gleichzeitig machte das Wall Street Journal aber auch deutlich, dass der Streit zwischen Justizministerium und Apple und die Absicherung der Apple-Geräte nicht erst seit dem iPohne des San Bernardino-Attentäters tobt. So soll ein Mitarbeiter des Justizministeriums schon vor einem Jahr einem Anwalt von Apple klar gemacht haben, dass irgendwann ein "schwerwiegender Fall mit einem gesperrten Smartphone" passieren werde, in dem es etwa "um ein vermisstes oder ermordetes Kind" gehen könnte. Es sei besser für Apple, wenn sie "schon vor so einem Fall" dabei helfen würden, die Fragen um die Verschlüsselung von Daten zu klären.

Besonders seit den Snowden-Enthüllungen gehen die Firmen des Silicon Valley demonstrativ auf Abstand zu den US-Behörden. Die willfährige Zusammenarbeit mit NSA und FBI gilt als geschäftsschädigend. Dass Cooks laute Gegenwehr derzeit auch nur aus Marketing-Gründen geschehe, könnte deshalb ein legitimer Vorwurf sein. Schließlich musste erst ein Edward Snowden kommen, damit die Firmen sich klar distanzierten.

Dass sie das auch tatsächlich taten, wird zum einen durch die Äußerung einer FBI-Mitarbeiterin unterstützt, die vergangenen Dezember erklärte, dass das Verhältnis zwischen den Internetfirmen und dem FBI zwar wieder "produktiver" geworden sei, allerdings nicht zurück auf "dem Level vor Snowden". Sie gab ebenfalls zu, dass das FBI gezielt Zero-Day-Lücken ausnutze.

Zudem rückte aber auch Wahlkämpferin Hillary Clinton das Thema wieder in den Vordergrund. Sie diskutierte während ihrer Vorwahlkampagnen mehrfach über den Sinn von Verschlüsselung und warb dafür, dass das Silicon Valley und die US-Behörden wieder besser zusammenarbeiten sollten – nur so könne etwa der IS richtig bekämpft werden.

Wie Bloomberg nun berichtet, habe Apple wenigstens eine längere Frist für eine Antwort auf die gerichtliche Anordnung erhalten. Eigentlich sollte Apple innerhalb von fünf Werktagen auf die Anordnung antworten. Nun soll das Unternehmen laut Insidern bis zum 26. Februar über einer Antwort tüfteln dürfen. Angeblich will Apple bei der Verteidigung seiner Weigerung etwa auf das Recht zur freien Meinungsäußerung abheben. Außerdem solle auch der "All Writs Act" von 1789 im Fokus stehen, der das Gerichtsurteil erst ermöglicht habe.

Derweil kann in der Öffentlichkeit noch weiter darüber gestritten werden, was das FBI eigentlich von Apple gefordert hat, ob dies legitim ist und in welcher Art und Weise Apple bereits kooperiert hat. Wie das Wall Street Journal schreibt, geht Apple davon aus, schon ausreichend mit den Behörden kooperiert zu haben.

Apple hatte etwa schon Mitte Oktober vorigen Jahres Daten aus der iCloud des späteren Attentäters Syed Rizwan Farook an die Behörden übergeben. Das Attentat fand am 2. Dezember in San Bernardino statt. Farook hatte gemeinsam mit seiner Frau 14 Menschen erschossen. Das Paar, das die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) unterstützt haben soll, starb in einem Gefecht mit der Polizei.

Unterdessen wird aber auch noch öffentlich darüber gestritten, wer der wahre Eigentümer des iPhone von Farook ist und ob dies etwas an dem Fall ändert. So soll das iPhone ein Diensthandy gewesen sein und der Arbeitgeber habe darin eingewilligt, dass das iPhone geknackt werden darf.

Wie via Techcrunch lanciert wird, seien momentan auch Gerüchte im Umlauf, dass Apple bereits circa 70 iPhones entsperrt habe und die Gegenwehr deshalb eine Farce sei. Dies sei allerdings nicht wahr und die zwei Fälle, die derzeit vorliegen – das San-Bernardino-iPhone und ein iPhone aus einem New Yorker Fall –, hätten nicht viel miteinander zu tun. Zudem sei auch immer die laufende iOS-Version auf den Smartphones für die Betrachtung wichtig. So könnten bei älteren iOS-Versionen tatsächlich Daten abgegriffen werden.

Wer diesen ganzen Fall vielleicht abkürzen kann, dürfte nach eigener Aussage John McAfee sein. Dieser hat jetzt angeboten, das iPhone mit seinem Team zu knacken. Er wolle dafür vor allem Social Engineering einsetzen – eine Hintertür müsse von Apple nicht eingebaut werden. Seine Qualifikation sei kaum streitbar, meinte John McAfee selbstbewusst. Man müsse unter Google nur nach "cybersecurity legend" suchen und sich die Ergebnisse ansehen. (kbe)

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