Menü

Gerichtsurteil: Widerrufsrecht gilt auch für Online-Apotheken

Bei Bestellungen im Internet haben Kunden ein Widerrufsrecht. Allerdings kann das in bestimmten Fällen ausgeschlossen werden, zum Beispiel für leicht verderbliche Waren. Verschreibungspflichtige Medikamente allerdings zählen nicht zu den Ausnahmen.

vorlesen Drucken Kommentare lesen 56 Beiträge
Gerichtsurteil: Widerrufsrecht gilt auch für Online-Apotheken

(Bild: stevepb)

Bei Bestellungen im Internet haben Kunden ein Widerrufsrecht. Das gilt auch für Versandapotheken im Internet. Nach einem Urteil des Oberlandesgerichts (OLG) Karlsruhe dürfen diese das Widerrufsrecht auch bei der Bestellung verschreibungs- und apothekenpflichtiger Medikamente nicht generell ausschließen (Az.: 4 U 87/17). Außerdem darf eine Versandapotheke nicht nur eine gebührenpflichtige Telefonnummer für die Kundenberatung angeben.

Geklagt hatte der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) gegen die Geschäftsbedingungen der Online-Apotheke Apovia. Darin hatte das Unternehmen das Widerrufsrecht für verschreibungs- und apothekenpflichtige Medikamente vollständig ausgeschlossen. Zur Begründung erklärte die Firma vor Gericht, dass ein Weiterverkauf der zurückgesandten Medikamente nicht möglich sei. Bei Versand von schnell verderblichen Waren gebe es laut Gesetz kein automatisches Widerrufsrecht.

Das bewertete das Gericht anders: Nach dem Willen des Gesetzgebers stehe Verbrauchern auch bei Arzneimitteln grundsätzlich ein Widerrufsrecht zu, erklärte der Richter. Denn Medikamente seien nur in Ausnahmefällen als verderbliche Waren zu bewerten. Dies sei keine Benachteiligung gegenüber Präsenzapotheken. Denn dem Nachteil der Unveräußerlichkeit der zurückgesandten Medikamente stehe ein Vorteil erheblich geringerer Sach- und Personalkosten bei gleichzeitig größerem Einzugsbereich gegenüber.

Online-Apotheken seien außerdem gesetzlich verpflichtet, kostenlos zu beraten. Dadurch soll sichergestellt werden, dass Verbraucher Informations- und Beratungsmöglichkeiten nutzen können, die mit denen einer stationären Apotheke vergleichbar sind. (dpa) / (mho)

Anzeige
Zur Startseite
Anzeige