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Gerüchteküche um künftigen ICANN-Chef brodelt über

Woher das Gerücht kam, kann keiner mehr sagen, aber es hält sich hartnäckig: Der derzeitige Sprecher der Regierungen bei den Internet-Regulierern und DNS-Verwaltern Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN), Dr. Paul Twomey, soll zu den favorisierten Kandidaten für die Nachfolge von CEO Stuart Lynn gehören. Twomey war seit der ICANN-Gründung Delegierter der australischen Regierung in der privaten Netzverwaltung und von Beginn an Sprecher des ICANN-Regierungsbeirats Governmental Advisory Committee (GAC). Lynn verlässt im kommenden März die private Netzverwaltung auf eigenen Wunsch. Er war der zweite Geschäftsführer nach Mike Roberts.

Der vom ICANN-Vorsitzenden Vint Cerf geleitete Nachfolge-Ausschuss werde eine Reihe von Kandidaten diskutieren, ließ Cerf auf Anfrage von heise online wissen. Weitere Auskünfte lehnte er allerdings ebenso ab wie Pressesprecherin Mary Hewitt im Büro in Marina del Rey. Weitere Namen von Kandidaten wollten beide Seiten ebenfalls nicht nennen.

Eine mögliche Bewerbung Twomeys kommt zu einem Zeitpunkt, an dem er selbst die GAC-Sprecherrolle nach fast vier Jahren abgibt. Zuletzt hatte Twomey diese Rolle als privater Berater ausgefüllt, nachdem er gemeinsam mit Ex-Clinton-Berater (und ICANN-Mitvordenker) Ira Magaziner das IT-Beratungsunternehmen Argo Pacific gegründet hatte. Davor war der promovierte Politologe in verschiedenen Verwaltungspositionen tätig, zuletzt als Gründungsdirektor des National Office of Information Economy (NOIE) und vertrat Australien in zahlreichen internationalen Organisationen. "In diesem Zusammenhang hat er sehr enge, hochrangige Beziehungen zum Weißen Haus, der Europäischen Kommission und dem Britischen Kabinett, zum französischen Premierminister und vielen Regierungen in den APEC-Staaten", heißt es auf der Argo Pacific-Webseite.

Trotz der erwartungsgemäß zurückhaltenden Äußerungen der ICANN-Spitze macht nicht nur Twomeys internationale und ICANN-Erfahrung eine Bewerbung plausibel. Der smarte Australier, der zu Beginn von ICANN selbst erwählt wurde und innerhalb der derzeitigen ICANN-Führung einiges Ansehen genießt, könnte mit dem Posten auf Grund der schwierigen Situation in seiner Branche liebäugeln. Beobachter werten sein gemeinsames Auftreten mit Lynn bei Treffen in Südamerika und Afrika in den vergangenen Monaten als weiteren Hinweis. Twomey steht im Übrigen faktisch schon jetzt auf ICANNs Gehaltsliste, hat doch ICANNs Vorstand der australischen Regierung beim Treffen in Bukarest die Übernahme der GAC-Sekretariatskosten für vier Monate zugesagt. Mindestens ein Teil der 75.000 US-Dollar dürften Twomeys Beratergehalt darstellen. Empört zeigten sich Vertreter anderer ICANN-Gremien, von denen manchen Gruppen fürs anstehende Treffen der Entzug des Stimmrechts droht, weil sie nicht zur ICANN-Finanzierung beigetragen haben.

Australien hatte die Sektretariatskosten seit 1999 bezahlt. Wer künftig diese Aufgabe übernimmt, wird beim ICANN-Treffen in Shanghai diskutiert. So darf auch über die Twomeys Nachfolge als Sprecher der Regierungen kräftig spekuliert werden. Vor allem aus Europa und Kanada kamen erste Interessensbekundungen, beim letzten ICANN-Treffen wurde auch Deutschland als Interessent gehandelt. (Monika Ermert) / (Monika Ermert) / (jk)

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