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Gescheitertes Drohnen-Projekt: Kanada möchte Euro Hawk kaufen

Kanada hat ein Gebot für den Prototyp der Großdrohne Euro Hawk abgegeben. Das Skandalprojekt hat Deutschland hunderte Millionen Euro gekostet.

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Die Flügelspannweite des Euro Hawk beträgt etwa 40 Meter. Fliegen kann die Drohne derzeit aber nicht.

(Bild: Bundeswehr)

Kanada will die eingemotteten Reste des Euro Hawk kaufen und hat der Bundesrepublik ein Gebot übermittelt. Das hat das deutsche Verteidigungsministerium heise online bestätigt. Derzeit laufen "vertrauliche Abstimmungsgespräche", weshalb keine weiteren Details verraten werden. Auch die NATO hat Interesse bekundet, aber bislang kein Gebot abgegeben.

In Kanada würde Euro Hawk aber nicht militärisch genutzt. Kanadischen Medienberichten zu Folge steht das Verkehrsministerium hinter dem Kaufgebot. Die Drohne ist für Flüge im hohen Norden des riesigen Landes vorgesehen, um Fauna, Eis, Schiffsverkehr und mögliche Ölverschmutzungen zu beobachten.

Euro Hawk sollte eine Großdrohne für unbemannte Aufklärungsflüge der Bundeswehr sein und endete in einem finanziellen Desaster. 2007 bestellte die damalige schwarz-rote Bundesregierung bei Northrop Grumman ein bis fünf Euro Hawk samt Spionagesystem ISIS. Der Gesamtpreis soll um die 1,2 Milliarden Euro betragen haben. Die Drohne sollte ab 2010 Herzstück der SLWÜA ("Signalerfassende Luftgestützte Weiträumige Überwachung und Aufklärung") werden.

ISIS ist ein Modul zur Erkennung, Lokalisierung und Auswertung von Funkquellen. In der Debatte über Euro Hawk wurde es als "Juwel" bezeichnet, das der Bundeswehr einzigartige Aufklärungsfähigkeiten zur Hand geben könne. Heute ist ISIS längst von der technischen Entwicklung überholt.

Euro Hawk stand unter keinem guten Stern. Erst 2011 kam der Prototyp aus den USA nach Deutschland. Weil die USA keine Fluggenehmigung erteilten, musste das Fluggerät über den Pazifik und den hohen Norden Kanadas ausweichen. Es kam schlimmer: Wie sich herausstellte, war Euro Hawk in Deutschland gar nicht zulassungsfähig. Beispielsweise fehlte ein vorgeschriebenes System zur Kollisionsvermeidung. Die mitgelieferte Dokumentation war unzureichend. Die Mehrkosten für eine Zulassung wurden auf 500 bis 600 Millionen Euro geschätzt.

Eine Sondergenehmigung ermöglichte Anfang 2013 den ersten Testflug des Euro-Hawk-Prototyps samt ISIS in Deutschland. Doch im Mai 2013 zog der damalige Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) die Reißleine: Euro Hawk bleibt am Boden. Inklusive ISIS hat das Desaster den deutschen Steuerzahler bis dahin um die 700 Millionen Euro gekostet.

Der Bundesrechnungshof erkannte "folgenschweres Organisationsversagen“ bei der Bundeswehr. Von politischer Seite wurde verlangt, ISIS in anderen Fluggeräten einzusetzen, was sich aber als unrealistisch erwies. 2017 schließlich suchte die Bundesregierung einen Käufer für den Euro Hawk. Die USA bauten alle militärischen Teile aus dem Euro-Hawk-Prototyp aus, darunter Flugsteuerung, GPS und verschlüsselnde Funkgeräte, bei denen die NSA ihre Finger im Spiel hatte.

Also müsste Kanada erheblich investieren, um das Einzelstück wieder flugtauglich zu machen. Entsprechend gering wird das Gebot Kanadas ausgefallen sein. (ds)