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Gesellschaft für Informatik wählte Präsidium erstmals online

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Die Gesellschaft für Informatik e.V. (GI) hat bei den Wahlen zum Präsidium ihren rund 20.000 Mitgliedern erstmals die Möglichkeit zur Online-Wahl geboten: Daraufhin nahmen 4.845 Stimmberechtigte an der elektronischen Wahl teil, nur noch 81 Personen hätten ihre Stimme per Brief abgegeben, teilt die GI mit. Im Vergleich zum vergangenen Jahr sei die Zahl der insgesamt abgegebenen Stimmen um rund 50 Prozent gestiegen. Ins GI-Präsidium wurden Dr. Roswitha Bardohl, Prof. Dr. Susanne Biundo-Stephan, Prof. Dr. Georg Carle, Carl-Martin Decker, Prof. Dr. Gunter Dueck und Dr. Uwe Dumslaff gewählt.

Die diesjährige Wahl bezeichnet die GI als einen "Pilotversuch", der ein "vertretbares Sicherheitsniveau" erreicht habe. Die Software-Plattform wurde von dem Kasseler Anbieter Micromata bereitgestellt. Das System sei -- insbesondere im Hinblick auf Datenschutzfragen, Manipulations- und Störsicherheit -- von einem Expertenteam bestehend aus Professoren und weiteren Experten der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) begleitet worden, die "national und international zu den herausragenden Fachleuten auf dem Gebiet der Informationssicherheit und elektronischer Wahlsysteme" zählten.

Eine Sprecherin der Gesellschaft für Informatik zieht eine positive Bilanz der ersten Online-Wahl. Manipulationsversuche seien nicht beobachtet worden. Da die GI beabsichtige, die Online-Wahl im kommenden Jahr als Standard-Verfahren einzuführen, müssten noch weitere Sicherheitsmaßnahmen und Tests durchgeführt werden. Um die Anonymität der Wahlberechtigten zu gewährleisten, seien ein getrennter "Wahl-" beziehungsweise "Urnen-Server" erforderlich. Bei der diesjährigen Wahl seien zwar separate Server verwendet worden, doch hätten sich diese im selben Raum befunden. Im nächsten Jahr sollen die Server jedoch an zwei unterschiedlichen Orten stehen und außerdem zu verschiedenen Rechenzentren gehören. Ähnlich Crashtests im Automobilbau sei geplant, die neue Serverarchitektur intensiven "penetration tests" -- konzentrierten Angriffsversuchen -- auszusetzen.

Die Gesellschaft für Informatik betrachtet die Online-Wahl als geeignetes Instrument für andere Vereine und Verbände, die Wahlbeteiligung der Mitglieder zu erleichtern und entscheidend zu erhöhen und zugleich den bürokratischen Aufwand und die Kosten zu reduzieren. Auf der anderen Seite weist die GI ausdrücklich darauf hin, dass elektronische Wahlverfahren dieser Art nicht unmittelbar auf politische Wahlen übertragen werden könnten, da diese ganz anderen Anforderungen genügen müssten. Zum korrekten Ablauf politischer Wahlen sei es auch im Online-Zeitalter erforderlich, dass sich die Bürger in spezielle Wahllokale begäben. Könnten Stimmen von externen Rechnern, also beipsielsweise von zuhause aus, abgegeben werden, sei nicht nachvollziehbar, ob die Stimmabgabe tatsächlich frei und geheim erfolge, betonte die GI-Sprecherin gegenüber heise online. Hingegen halte es die GI für möglich, die Prozedur im Wahllokal zu vereinfachen. Hinreichende Sicherheitsmaßnahmen vorausgesetzt, könnten die Bürger ihre Stimmen an Wahlautomaten abgeben. Auch eröffne die Vernetzung von Wahllokalen Zeit- und Kostenvorteile, um die Stimmergebnisse auszuzählen und zum Wahlleiter zu übertragen. (ssu)

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