Gesichtserkennung: Apple blockiert App von Clearview AI

Die US-Firma Clearview AI bietet automatisierte Gesichtserkennung – nun funktioniert der Dienst auf dem iPhone nicht mehr, da er laut Apple regelwidrig ist.

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(Bild: Scharfsinn/Shutterstock.com)

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Apple hat eine App des umstrittenen New Yorker Startups Clearview AI fürs iPhone blockiert. Die Anwendung zur biometrischen Gesichtserkennung läuft damit momentan nicht mehr auf Smartphones des Herstellers. Der US-Konzern begründete diesen Schritt gegenüber dem Online-Magazin TechCrunch damit, dass die Firma gegen die Nutzungsbedingungen ihres Programms für Entwickler im Unternehmensbereich verstoßen habe.

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Die App ermöglicht es Anwendern, mit ihrer Handykamera eine Gesichtsaufnahme zu machen oder eine bereits gespeicherte mobil hochzuladen und mit einer von Clearview AI größtenteils aus sozialen Netzwerken zusammengetragenen Datenbank mit rund drei Milliarden Porträtfotos abzugleichen.

Mitarbeiter von TechCrunch entdeckten die nicht über den regulären App-Store vertriebene iPhone-Anwendung laut dem Bericht am Donnerstag auf einem öffentlichen Amazon-S3-Cloudspeicher. Auf der Seite hieß es aber paradoxerweise zugleich, dass das Programm "nicht öffentlich zugänglich gemacht werden darf". Zugleich fand sich dort der Hinweis, dass Anwender die Seite auf ihrem iPhone öffnen sollten, um die App zu installieren. Im zweiten Schritt sei es nötig, das für interne Entwicklungszwecke freigegebene Unternehmenszertifikat von Clearview AI zu akzeptieren, um das Programm zum Laufen zu bringen.

Eine derartig breite öffentliche Nutzungsmöglichkeit widerspricht klar den Apple-Regeln für den Bereich Software-Entwicklung durch andere Firmen. Demnach dürften in diesem Fall nur Nutzer innerhalb von Clearview AI die App installieren und verwenden. Die Vergabe einschlägiger Enterprise-Zertifikate soll interne Tests von Programmierern unterstützen, bevor Anwendungen für den App Store freigegeben werden. Verbraucher sind dabei außen vor. Konzerne wie Facebook und Google sollen die Zertifikate ebenfalls bereits missbraucht haben, um den offiziellen Apple-Download-Bereich zu umgehen und Nutzerdaten zu sammeln.

Clearview AI weist die iPhone-App zwar als Betaversion aus, dem Artikel zufolge verweise aber nichts darauf, dass sie nicht bereits regulär genutzt werde. Dafür brauche es nur einen von der Firma herausgegebenen Nutzernamen und ein zugehöriges Passwort. Clearview-Geschäftsführer Hoan Ton-Tha erklärte dem Bericht zufolge: "Wir stehen im Kontakt mit Apple und arbeiten daran, deren Geschäfts- und Nutzungsbedingungen einzuhalten."

Laut einer kurzen Analyse des Netzwerkverkehrs und einem Blick auf den Code funktioniere die Anwendung ähnlich wie die als "Prototyp" bezeichnete Android-App des Startups, die Gizmodo jüngst ausfindig gemacht hatte. Google hat bisher keine Schritte gegen das Programm eingeleitet, das Unternehmen aber aufgefordert, alle über YouTube gesammelten Gesichtsaufnahmen und zugehörige Videos zu löschen.

Clearview AI behauptete anfangs, dass nur Strafverfolgungsbehörden zu seinen Kunden zählen. Laut einer Hackern in die Hände gefallenen und von BuzzFeed ausgewerteten Übersicht machen Mitarbeiter aus 2228 Einrichtungen aus dem Polizeibereich wie FBI, Customs and Border Protection (CBP) und Interpol tatsächlich den Löwenanteil der Nutzer aus. Dazu kommen aber auch hunderte Anwender aus der Privatwirtschaft wie die Handelsketten Macy's, Best Buy und Walmart oder die US-Bank Wells Fargo. Ferner sind dutzende Universitäten und deren Campus-Sicherheitsdienste sowie mindestens zwei Schulen auf der Liste. Genannt werden zudem Kunden und Interessenten aus Behörden zahlreicher europäischer Länder, zu denen Frankreich, Italien, Spanien und Schweden zählen. (tiw)