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Gesichtserkennung: Test am Bahnhof Südkreuz erfolgreich abgeschlossen

Für Bundesinnenmister Horst Seehofer haben sich die Systeme in beeindruckender Weise bewährt. Er dringt auf breite Einführung in der Polizeiarbeit.

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Überwachung

(Bild: dpa)

Die Bundespolizeidirektion hat den Abschlussbericht zum zweiphasigen Test der Gesichtserkennung am Sicherheitsbahnhof Südkreuz in Berlin veröffentlicht. Danach lieferte die intelligente Videoanalyse unter realistischen Testbedingungen eine Trefferrate von über 80 Prozent. Zudem lag die Falscherkennungsrate unter 0,1 Prozent: Bei jeweils 1000 analysierten Gesichtsaufnahmen wurde eine Person falsch erkannt. Für Bundespolizeipräsident Dieter Romann lieferte der Test den Nachweis, dass Straftäter "ohne zusätzliche Polizeikontrollen erkannt und festgenommen" werden können.

Drei Erkennungssysteme zusammengefasst

Die guten Werte wurden allerdings in einem Zustand erreicht, den die Bundespolizei in ihrem Bericht als "interkonnektierender Betriebsmodus" bezeichnet. Er ist in der Wissenschaft als "ensemble voting classifier" bekannt. Dabei wurde die Erkennungsleistung aller drei testweise eingesetzten Erkennungssysteme mit dem ODER-Operator zusammengefasst und damit die Empfindlichkeit des Systems erhöht.

Der Abschlussbericht der Bundespolizei ist eine gute Nachricht für die IT-Branche: Die Gesichtserkennung mit den Mitteln der computergestützten Analyse eines Videostreams funktioniert, wenn viele Systeme zusammengeschaltet und die Ergebnisse per ODER-Operator zusammengefasst werden. Im Fall des Bahnhofs Südkreuz erreichte die Analyse mit Hilfe von neuronalen Netzen in beiden Testphasen zufriedenstellende Ergebnisse.

In der ersten Phase arbeitete das System mit 312 freiwilligen Probanden und eigens angefertigten, gut ausgeleuchteten Fotos, die in einer Datenbank hinterlegt wurden. In der zweiten Phase wurden mehrere Fotos von 201 Probanden direkt aus dem Videostream genommen. Zur Erkennung durch drei von insgesamt 77 Kameras am Bahnhof Südkreuz mussten die Probanden einen Bluetooth-Transponder mit sich führen, damit unabhängig von der Erkennungsleistung ihre Anwesenheit aufgezeichnet werden konnte.

Seehofer wurde überzeugt

In beiden Phasen kamen drei jeweils verschiedene Systeme zum Einsatz, die Gesichtserkennung Anyvision von Elbex, das von Dell gelieferte System Biosurveillance von Herta Security und der Morpho Video Investigator von Idemia. In der ersten Phase wurden ungefähr 61.000 Gesichter analysiert und eine durchschnittliche Erkennungsleistung von 68,5 Prozent erzielt, in der zweiten, "realistischeren" Phase waren es rund 41.000 Gesichter, wobei die durchschnittliche Trefferrate auf 82,8 Prozent anstieg. Dementsprechend spricht der Abschlussbericht von einem wirksamen Unterstützungsinstrument, "das ein wesentlicher Beitrag zur Bahnsicherheit" sein kann.

Bei der im zweiten Fall erzielten Trefferrate des "logischen Gesamtsystems" wurde bewusst auf Verbesserungen verzichtet, etwa der Änderung der Beleuchtung. Also seien "direkt aus Video-Überwachungsanlagen gewonnene Fotos tauglich für die biometrische Fahndung". In dem Bericht wird betont, dass weitere Verbesserungen möglich seien: "Biometrische Gesichtserkennung könnte hier unter Berücksichtigung einer (max.) Trefferrate von bis zu 94,4 % im Rahmen der Testphase 1 bzw. bis zu 98,1 % im Rahmen der Testphase 2 des Teilprojektes 1 "Biometrische Gesichtserkennung" wertvolle Unterstützung bei der Früherkennung von Anschlägen beziehungsweise bei der Fahndung nach Anschlägen von Terroristinnen und Terroristen aus dem islamistischen Spektrum leisten.

In einer eigens zum Abschlussbericht verfassten Stellungnahme von Innenminister Seehofer heißt es, dass mit der intelligenten Videoanalyse eine effizientere und effektivere Polizeiarbeit möglich ist. "Die Ergebnisse zeigen, dass die Technik zur Gesichtserkennung unsere Polizistinnen und Polizisten im Alltag erheblich unterstützen kann. Die Systeme haben sich in beeindruckender Weise bewährt, so dass eine breite Einführung möglich ist", meinte Seehofer in seiner Einschätzung. (mho)

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