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Gesperrter E-Sportler aus Hongkong: Spieler rufen zum Blizzard-Boykott auf

Blizzard sperrt einen Hearthstone-Profi, der die Hongkong-Proteste unterstützt. Die empörte Community ruft daher zum Boykott auf – auch Politiker sind wütend.

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Hearthstone-Profi "blitzchung" solidarisiert sich im Blizzard-Livestream mit den Protesten in Hongkong.

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Der US-amerikanische Spiele-Publisher Blizzard steht nach der Entscheidung, einen Hearthstone-Profi aus Hongkong für ein Jahr von Turnieren auszuschließen, massiv in der Kritik. Der E-Sportler Ng "blitzchung" Wai Chung hatte in einem von Blizzard ausgetragenen Livestream seine Unterstützung für die Proteste in Hongkong deutlich gemacht. Seit über drei Monaten demonstrieren die Bewohner der Sonderverwaltungszone gegen wachsende Einflussnahme Chinas. Die Kommunistische Partei Chinas verurteilt die Proteste.

Für die kontroverse Entscheidung bekommt Blizzard, das sich 2008 mit Activision zusammengeschlossen hat, nun aus der eigenen Community Gegenwind: Auf Reddit und Twitter rufen Spieler zum Boykott des Traditions-Publishers auf, der Hashtag "#Blizzardboycott" trendet. Blizzard stelle finanzielle Interessen auf dem chinesischen Markt über Menschenrechte wie die Freiheit zur Meinungsäußerung, so der häufige Vorwurf. Activision-Blizzard gehört zu 5 Prozent dem chinesischen Tech-Giganten Tencent.

Der Profi-Spieler Ng "blitzchung" Wai Chung hatte am Wochenende im Rahmen eines Interviews bei einem Hearthstone-Livestream "Befreit Hongkong", das Motto der Protestanten, gerufen. Am Dienstag kündigte Blizzard dann Konsequenzen an: Der Profi-Spieler werde für ein Jahr von Turnieren ausgeschlossen, sein bisher erspieltes Preisgeld, das etwa 14.500 Euro betragen soll, soll ihm nicht ausgezahlt werden. Die beiden Moderatoren des Interviews, die sich während der Aussagen von "blitzchung" unter einem Tisch versteckt hatten, wurden gefeuert.

Die Kritik geht dabei über die Kreise des Online-Kartenspiels Hearthstone hinaus. Thematisiert wird der Bann des Profis aus Hongkong mittlerweile auch in großen internationalen Medien wie der New York Times und dem US-Nachrichtensender CNN. Auch ranghohe Politiker haben sich geäußert. Der demokratische Senator Ron Wyden schreibt etwa, Blizzard habe sich selbst erniedrigt, um die Kommunistische Partei Chinas zu besänftigen. "Kein amerikanisches Unternehmen sollte Forderungen nach Freiheit für das schnelle Geld zensieren."

Der US-Senator Marco Rubio, ein Republikaner, schrieb auf Twitter, China nutze seine Marktmacht aus, um die Meinungsfreiheit im Rest der Welt zu unterdrücken. Damit spielt er auch auf eine weitere Kontroverse an, die US-Medien derzeit beschäftigt: Peking droht, Spiele der Basketball-Liga NBA nach einem kritischen Tweet des Houston-Rocket-Managers Daryl Morey nicht mehr zu übertragen. Auch Blizzard befürchtet offenbar Konsequenzen auf dem wachsenden chinesischen Markt, wo Spiele wie Hearthstone und Starcraft sehr beliebt sind.

Auch bei den eigenen Angestellten scheint die Entscheidung des US-amerikanischen Spiele-Publishers nicht gut anzukommen. Den Schriftzug mit der Firmen-Philosophie "Jede Stimme ist wichtig" sollen Angestellte im kalifornischen Firmenhauptquartier überklebt haben, berichten US-Medien.

In der Begründung für die Sperre beruft sich Blizzard auf die Wettbewerbsregeln des Hearthstone-Turniers. Jede Handlung, die eine öffentliche Gruppe in Verruf bringen könnte, werde mit dem Ausschluss am Turnier bestraft, heißt es darin sehr allgemein. Die Beurteilung dieser Handlungen liegt laut Wettbewerbsregeln alleine bei Blizzard. Bislang hat sich Blizzard nicht weiter zu dem Kritiksturm geäußert.

Das chinesische Konglomerat Tencent ist bei westlichen Spiele-Herstellern gut vernetzt: Es hält jeweils 5 Prozent an Blizzard, Ubisoft und Paradox. Fortnite-Entwickler Epic Games gehört zu 40 Prozent, "League of Legends"-Entwickler Riot Games sogar zu 100 Prozent zu Tencent. (dahe)