Gespräch zu Telefonnummern-Domains im Wirtschaftsministerium

Der IT-Branchenverbandes Bitkom, das DENIC und das Wirtschaftsministerium verhandeln über ENUM, die Abbildung von Telefonnummern auf DNS-Adressen, die eine Brücke zwischen IP- und Telefonnetzen schlagen soll.

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  • Monika Ermert

Ein erstes nicht-öffentliches Gespräch zum Thema ENUM hat Mitte der Woche auf Anregung des IT-Branchenverbandes Bitkom im Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie stattgefunden. Unter dem Label ENUM wird seit mehreren Jahren intensiv an der Abbildung von Telefonnummern auf DNS-Adressen gearbeitet, die eine Brücke zwischen IP- und Telefonnetzen schlagen soll. TK-Gerätehersteller und Bitkom-Vertreter trafen sich nun zu einem Informationsaustausch mit Vertretern der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (RegTP), den DENIC und dem BMWI. Eine breitere, öffentliche Konsultation zum Thema ENUM soll es nach Auskunft des Ministeriums nun doch erst im Oktober geben. Bis dahin hofft man, auch erste Ergebnisse aus dem vom DENIC gestarteten Test zu haben. (Zu ENUM siehe auch den Artikel Calling Computer -- ENUM als Brücke zwischen Telefonnetz und Internet in c't 11/2002, S. 92).

Die Telekommunikationsindustrie sei daran interessiert, dass der Test sich möglichst nicht nur auf die Schaffung einer Registry-Infrastruktur beschränke, sondern vielmehr auch die Industrie einbeziehe, um frühzeitig auf ENUM basierende Dienste entwickeln und testen zu könne, sagte Manfred Breul, Referent für Mobilkommunikation und Infrastrukturnetze beim Bitkom. "Obwohl es bei der Entwicklung neuer Technologien schier unmöglich ist, sichere Prognosen abzugeben -- denken wir mal an das Internet, E-Mail oder SMS --, scheint uns die ENUM-Entwicklung von erheblicher Bedeutung." Für Hersteller und Dienstleister sei eine frühzeitige Beteiligung daher wichtig, auch wenn viele Endgeräte wie PCs oder auch neuere Mobiltelefone relativ problemlos über Software-Updates für ENUM-Services nachgerüstet werden könnten.

Bitkom will seine Mitglieder noch vor der offiziellen BMWI-Konsultation ausführlicher über ENUM informieren, um das ganz offensichtlich noch bestehende Informationsdefizit in der Branche zu beheben. In einigen europäischen Nachbarstaaten ist die Entwicklung schon weiter, in verschiedenen Ländern haben bereits im vergangenen Jahr Konsultationen stattgefunden. In Österreich werden in den kommenden Monaten 1500 bis 3000 Versuchsteilnehmer eine ENUM-Adresse erhalten. "Auch in den anderen Ländern beginnen die Testphasen jetzt erst", meint Breul. Bitkom wolle allerdings mit dafür sorgen, "dass wir nicht weiter zurückfallen".

Beim Gespräch im BMWI ging es nach Auskunft von BMWI-Vertreter Dittmar von Schilling ganz wesentlich auch um Regulierungsfragen. "Wir wollen die Entwicklung zu den ENUM-Services fördern und eine Behinderung durch Regulierung vermeiden", sagte von Schilling. Wesentliche Entscheidungen zu ENUM würden allerdings auf internationaler Ebene fallen, besonders die USA schaffe einfach Fakten, etwa im Rahmen des ICANN-Prozesses. Offenbar bestehen von Seiten der Industrie unter anderem Bedenken gegen die Nutzung der Domain ".arpa" für die konvergierenden Netzservices, befürchtet wird ein Kontrollverslust. Die "Geisterfrage", ob die USA im Falle eines Falles die Kommunikationsmöglichkeiten der Europäer tatsächlich einschränken könnten, so Schilling, könne allerdings niemand beantworten. Auf jeden Fall wolle man die Europäer in den DNS-Diskussionen weiter stärken. Eine andere Domain an Stelle von e164.arpa, wie sie von der Branche und Regulierern verschiedentlich favorisiert wurde, löst das zentrale Problem der US-Aufsicht über das DNS aber nicht.

Entscheidender in der nationalen Diskussion ist, dass die endgültige Aufgabenverteilung zwischen RegTP, DENIC und BMWI noch unklar ist. Eine Aufnahme der ENUM-Adressen ins neue TKG gilt aber als sicher, da man sie als "Rufnummern" im Sinne des TKG betrachtet. Ob damit auch die Vergabe von Domains ganz allgemein in das neue TKG aufgenommen wird, darüber wird im Bundeswirtschaftsministerium nach Angaben verschiedener BWMI-Vertreter derzeit diskutiert. Soweit in diesem Bereich eine Regulierung notwendig sein sollte, so wäre sie auf das absolute Minimum zu beschränken, fordert man bei Bitkom. "Was wir in keinem Fall brauchen ist eine Auktion nach dem UMTS-Muster für die Vergabe der ENUM-Verwaltung nach dem Feldversuch", meint Breul. (Monika Ermert) / (jk)