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Technology Review

Gesundheitsportal in Dänemark macht Patienten zu gleichberechtigten Partnern

sundhed.dk ist als Gesundheitsportal ein zentraler Zugangspunkt für dänische Bürger zu ihren medizinischen Daten. Der CEO des Portals gibt Hinweise, wie sich das in Deutschland umsetzen ließe.

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Dänisches Gesundheitsportal macht Patienten zu gleichberechtigten Partnern

Dänemark zeigt, wie es bei der Digitalisierung der Gesundheitsversorgung vorangehen kann. Mit dem Gesundheitsportal sundhed.dk hat es eine zentrale Plattform geschaffen, die medizinische Informationen und Daten aller dänischen Staatsbürger ab 15 Jahren bündelt. Die Patienten können sich dort anmelden und eine Übersicht über die Daten einsehen: von der persönlichen Medikation, über Röntgenbeschreibungen, Laborwerte und vieles mehr.

Morten Elbæk Petersen, CEO von sundhed.dk, kann sich ein solches Portal auch für Deutschland vorstellen, wie er im Interview mit der Plattform mednic verrät. Wichtig sei es vor allem, den Nutzen für den Patienten hervorzuheben. Petersen ist einer der Referenten auf dem "Innovators Summit – Digital Health" am 22. November in Berlin.

(Bild:  "Innovators Summit - Digital Health" )

Während in Deutschland die Digitalisierung und Bereitstellung von medizinischen Daten den Patienten oftmals aussen vorlässt, sieht Petersen die Digitalisierung des Gesundheitswesens vielmehr als Möglichkeit, die Eigenverantwortung der Patienten zu sichern und die Bürger zu gleichberechtigten Partnern im Austausch mit den Beschäftigten der Gesundheitsbranche zu machen. "Mit anderen Worten: Patientenbefähigung ist hier in Dänemark als 'Rückgabe von Daten an die Bürger' zu verstehen", sagt Petersen.

Die Vorteile von digitalisierten und verfügbaren Daten gilt es für Patienten hervorzuheben, um so die Akzeptanz eines Portals wie sundhed.dk zu verbessern. Besonders wichtig für den Erfolg und der Plattform sieht Petersen die vertrauensbasierte Kultur in Dänemark und das Vertrauen in den offenen Zugang zu personenbezogenen Daten. "Hier schlage ich ein schrittweises Vorgehen vor, damit die deutschen Bürgerinnen und Bürger sich sicher fühlen und die Vorteile des Datenaustauschs und der Transparenz erfahren", meint der sundhed.dk-CEO. Die technische Lösung werde dabei wohl der einfachste Teil der Digitalisierung sein.

Voraussetzung für die Realisierung ist der Datenschutz. "Dieser muss bei den Entscheidungsträgern und in der Kommunikation mit der Öffentlichkeit höchste Priorität haben, um Transparenz und Vertrauen zu schaffen", so Petersen. Auch auf Seiten der Beschäftigten in der Gesundheitsbranche muss für eine Plattform nach dem Vorbild von sundhed.dk geworben werden. Akteure werden bei der Umsetzung nicht um Debatten bezüglich der Datensicherheit mit Medizinern oder anderen Beschäftigten umhinkommen, sagt Petersen voraus. Er appelliert, nicht locker zu lassen, wenn diese Gruppen "die wertvollen Gesundheitsdaten geheim halten wollen". Petersen rät zu pragmatischen Ansätzen und nicht auf technische Quantensprünge zu warten.

Nach Angaben von Petersen verzeichnet sundhed.dk eine stetig steigende Nutzerzahl. Bis 2017 hätten rund 1,7 Millionen Unique Visitors pro Monat das Portal genutzt, bei 5,8 Millionen Einwohnern.

(jle)

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